C& ART SPACE: CUSS

Eine vernetzte Praxis

Auf C& Art Space präsentieren CUSS ihren ersten Horror-Kurzfilm Streetkid. Im Gespräch erläutert das Kollektiv die Beweggründe für dieses Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Vukani Ndebele kreiert wurde.

CUSS. Photo via City Press

Tweet about this on TwitterShare on FacebookEmail to someone

 

.

C&: Ihr habt einen Horrorfilm für unseren C& Art Space gemacht. Das ist eher ungewöhnlich und ziemlich spannend. Was hat euch dazu inspiriert, diesen Film zu machen? 

CUSS: Wir beschäftigen uns schon seit einiger Zeit mit der „off the grid“-Kunst in Südafrika. Und einer dieser Künstler ist Vukani Ndebele. Er ist ein Filmemacher, der vor allem B‑ Movies, oft auch Horrorfilme dreht. Wir sind mit CUSS momentan an einem Punkt angekommen, wo wir die Gruppe nicht als etwas Isoliertes betrachten, sondern eher als eine Art Netzwerk, das sich expandiert und kontrahiert. Wir wollten offensichtlich direkt mit Vukani zusammenarbeiten, zum einen, um das Thema „vernetzte Kunstpraxis“ weiter zu verfolgen, aber auch, um sowohl sein als auch unser eigenes Kunstschaffen zu verändern, um damit auch den Raum, in dem er sich bewegt.

C&: Der Titel des Films ist Streetkid. Wieso habt ihr ihn gewählt?

CUSS: Vukani kam irgendwann auf den Titel Streetkid, nachdem er das Drehbuch geschrieben hatte, und so viel mehr gibt es dazu gar nicht zu sagen. In einem Netzwerk geht es immer auch darum, einen Teil seiner kreativen Kontrolle abzugeben. Und alle, die wir an der Arbeit beteiligt waren, fanden, dass er passt.

C&: Wie ist das Casting abgelaufen?

CUSS: Vukani hat eine Gruppe von SchauspielerInnen, mit denen er meistens zusammenarbeitet. Wir haben dann aus dieser Gruppe diejenigen Schauspielerinnen und Schauspieler besetzt, bei denen wir das Gefühl hatten, sie passen zu unserer Vorstellung von den Figuren in dem Film.

C&: Mit was für Materialien, Ideen, Requisiten, Geräten habt ihr in dem Film gearbeitet?

CUSS: Das reichte vom Theaterblut, das direkt am Set hergestellt wurde, bis hin zu Augäpfeln von Kühen und Instantnudeln…

C&: Wie steht ihr zu Horrorfilmen im Allgemeinen?

CUSS: Es macht Spaß. Es ist ein Genre, es ist vor allem ein Genre, das Vukani in den Fokus gerückt hat.

C&: Wie arbeitet ihr im Kollektiv zusammen, da jede/r von euch ja auch seine/ihre eigene Stimme hat und an eigenen Kunstprojekten/Werken arbeitet?

CUSS: Hier geht es vor allem darum, dass die Einzelnen im Laufe der Produktion und im Laufe der Zeit bestimmte Rollen einnehmen, es geht darum, ein Set von unterschiedlichen Fähigkeiten zu haben. Wichtig für das Kunstschaffen im Netzwerk ist eine kreative Leitung, da du ja nicht nur eine Produktion mit unterschiedlichen Leuten und ihre individuellen Stimmen zusammenbringen musst, du musst ja auch eine Vision davon entwickeln, wohin eine Arbeit gehen soll.

C&: Welche andere Ideen und Projekte beschäftigen euch zurzeit?

CUSS: Eine Ausstellung in der Schweiz, die schon bald eröffnet wird, da werden wir einige Ideen weiter entwickeln, mit denen wir uns im letzten Jahr viel beschäftigt haben.

Die Show heißt HTWW (Held Together With Water). Sie wird in unterschiedlichen Räumen stattfinden, sowohl an physischen Orten als auch online im Netz. Zu den physischen Orten gehören, Le Commun (das Genfer Zentrum für Gegenwartskunst), außerdem werden an verschiedenen Orten in der ganzen Stadt Poster zu sehen sein sowie online.

Was wir hier erforschen, sind Ideen im Zusammenhang mit einer neuen Form des Kunstschaffens, die CUSS initiiert hat, die „networked practice“, die vernetzte Kunstpraxis. Das Stück, an dem wir arbeiten, ist im Wesentlichen ein Video, das eine fantasierte Szene in die Realität umsetzt, die bereits existiert. Es ist eine reflexive Arbeit, die auf eine indirekte Weise darstellt, wie CUSS sich von einer „Gruppe“ zu einem „Netzwerk“ wandelt.

C&: Wie seht ihr die Rolle der Politik im digitalen Raum? Würdet ihr sagen, es gibt eine Verantwortung, in diesem spezifischen Kontext zu thematisieren, was derzeit passiert?

CUSS: Der digitale Raum ist ein komplexes Gebilde, es gibt auf der politischen Ebene Gräben, die online geschaffen werden, die immer deutlicher sichtbar werden. Und was die Verantwortung betrifft, ja natürlich, aber es gibt nicht nur eine bestimmte Form, diese Verantwortung zum Ausdruck zu bringen. Wir haben immer Arbeiten produziert, die in denen wir unsere Situation zum Ausdruck gebracht haben. Und die selbst immer auch politisch geprägt sind.

.

Ein Gespräch von Aïcha Diallo