The Armory Show Focus: African Perspectives

Eine neue Galerie trägt dem wachsenden Interesse an Äthiopischer Kunst Rechnung

C& spricht mit den Galleristen von Addis Fine Art

Emanuel Tegene, Black Chicken & Somali Tea, 2015. Acrylic on canvas, 150cm x 150cm. Courtesy of the artist and Addis Fine Art

By Aïcha Diallo
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‚Addis Fine Art‘ ist ein neuer Galerieraum in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Er wurde gegründet, um dem wachsenden öffentlichen Interesse und der zunehmenden öffentlichen Beteiligung an der bildenden Kunst des Landes Rechnung zu tragen

C&: Herzlichen Glückwunsch zum Start der Galerie Addis Fine Art im Januar 2016. Wie würden Sie AFA beschreiben?

Addis Fine Art: Die Galerie ist der krönende Abschluss der Arbeit, die wir 2013 begonnen haben, nämlich unseren Kunden kuratorische und beratende Dienstleistungen im Hinblick auf die moderne und zeitgenössische äthiopische Kunst anzubieten. AFA entstand als Reaktion auf die zunehmende Nachfrage nach einer Auseinandersetzung mit Kunst aus dieser Region und nach Informationen über sie. Da die meisten Anfragen von privaten Sammlern, internationalen Institutionen und Galerien kamen, wurde uns schnell klar, dass es der äthiopischen Kunst trotz der steigenden Zahl an unabhängigen Kunstinstitutionen in ganz Afrika an einer zusammenhängenden lokalen und internationalen Repräsentanz fehlte. Mit diesem Ziel vor Augen haben wir beschlossen, ausgehend von einem lokalen Raum eine Galerie im Herzen der äthiopischen Hauptstadt zu eröffnen und dort moderne und zeitgenössische Kunst aus Äthiopien und seiner Diaspora zu zeigen und zugleich äthiopische Künstler und den globalen Kunstmarkt einzubeziehen.

Tamrat Kopie

Tamrat Gezahegne, Indigenous Sky III, 2015. Acrylic on canvas, 100cm x 100cm. Courtesy of the artist and Addis Fine Art

C&: Im Mittelpunkt Ihres Projekts steht die Idee, künstlerische Praktiken und Perspektiven aus Äthiopien und seiner Diaspora zusammen zu bringen. Wie sehen Sie diese Verbindungen insbesondere im Hinblick auf Zusammenarbeit und Zugang?

AFA: Unser primäres Ziel ist es, einen lokalen Raum und eine internationale Plattform für künstlerische Ausdrucksformen aus Äthiopien und seiner Diaspora zur Verfügung zu stellen und die kritischsten, anregendsten und innovativsten Produktionen zu vertreten. Dass die Künstler, mit denen wir zusammenarbeiten, aus Äthiopien stammen, ist aber nur ein Ausgangspunkt und nicht die ganze Geschichte. Manche Künstler hinterfragen die unterstellte „afrikanische“ Ästhetik und manche nutzen das reiche Mosaik ihres kulturellen Erbes als integralen Bestandteil ihrer Arbeiten. Unabhängig von ihrem künstlerischen Ausdruck sind die Künstler, mit denen wir zusammenarbeiten, entschlossen, ihre persönlichen Narrative zu vermitteln und ihre kreativen Praktiken in einer immer stärker vernetzten Welt zu entwickeln.

Ganz besonders spannend finden wir eine neue Generation an Künstlern aus dieser Region wie Dawit Abebe, Emanuel Tegene, Leikun Nahusenay, Tamrat Gezahegne, Robel Temesgen, Aida Muluneh und viele andere, die nicht nur von ihrem lokalen Umfeld beeinflusst sind, sondern den Austausch von internationalen Informationen und Ideen auch als Teil ihres kreativen Prozesses verwenden. AFA möchte Teil des lokalen Kreativnetzwerks sein, indem es dazu beiträgt, den Nachwuchs einem breiteren Publikum vorzustellen und zugleich die Präsenz äthiopischer Kunst weltweit zu stärken.

Dawit Abebe, Rank & Providence I, 2015. Acrylic on canvas & mixed media, 70cm x 60cm. Courtesy of the artist and Addis Fine Art

Dawit Abebe, Rank & Providence I, 2015. Acrylic on canvas & mixed media, 70cm x 60cm. Courtesy of the artist and Addis Fine Art

C&: Erzählen Sie uns etwas mehr über Ihre Eröffnungsausstellung Addis Calling, in der Sie Malerei, Fotografie und Mixed Media zeigen. Wer sind die Künstler, und was für Verbindungen bestehen zwischen ihnen?

AFA: Addis Calling ist eine Hommage an die vielen unterschiedlichen künstlerischen Praktiken in Äthiopien, die in Form von Arbeiten von sieben zeitgenössischen Künstlern präsentiert werden, welche in Addis Abeba leben und arbeiten. Wir wollten die Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen in der Stadt zur Geltung bringen. Die Ausstellung ist eine pulsierende Mischung aus Malerei, Fotografie und Mixed Media, die die dynamischen Perspektiven der Stadt widerspiegelt.

Addis Calling zeigt vier Maler: Dawit Abebes neue Serie Rank and Providence lotet die Beziehungen zwischen Gesellschaft und Machthabenden aus. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit den sichtbaren Machtgefällen des modernen Lebens. Yosef Lule untersucht die Auswirkungen der Urbanisierung auf Traditionen, Religionen und Lebensweisen in Addis Abeba. Tamrat Gezahegne ist für seine gewagte Verwendung von Farben und die Wiederholung von Motiven bekannt, produziert aber auch Installationen und Performancekunst. Emanuel Tegene begann seine Karriere als Karikaturist im „Saloon Ethiopia“ und gilt als Nachwuchstalent. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit der veränderten kulturellen Dynamik in der lokalen Gesellschaft und wurzeln fest in seinen persönlichen Begegnungen. Wir freuen uns außerdem, Emanuel bei der diesjährigen Schwerpunktausstellung der Armory Show in New York zu präsentieren.

Der Mixed-Media-Künstler Workneh Bezu nutzt seine eigenen Träume als Inspiration für viele seiner Arbeiten. Die Figuren in Bezus Bildern sind häufig in einer übernatürlichen Welt versunken. Seine künstlerische Praxis erstreckt sich auch auf Animationsfilme, Marionetten und Plastiken.

Experimentelle Arbeiten im Bereich der künstlerischen Fotografie runden die Gruppenausstellung ab. Leikun Nahusenay erfreut sich ständig zunehmender Anerkennung als künstlerischer Fotograf. Nahusenay verwendet Doppelbelichtungen, um den Alltag und die kulturellen Motive in Jijiga zu dokumentieren, der Hauptstadt der Region Somali in Äthiopien. Der künstlerische Fotograf Michael dokumentiert sein persönliches Umfeld. Serien wie Future Memories illustrieren sein Verständnis von Wandel und die sich verändernde Topografie der Stadt. Tsegayes Arbeiten waren bereits in der Ausstellung Snap Judgments: New Directions in African Photography (2007) und in der New York Times zu sehen.

Obwohl sie in unterschiedlichen Medien arbeiten, eint diese Künstler die Stadt Addis Abeba.

C&: Addis Abeba scheint sich langsam zu einem blühenden kreativen Zentrum zu entwickeln. Wie sehen Sie die Reaktionen auf diese Entwicklung, und wer ist das mögliche Zielpublikum?

AFA: Die Zukunft der Kreativszene sieht sehr vielversprechend aus, da Addis Abeba nach Genf die Stadt mit der höchsten Anzahl an internationalen Büros und NGOs ist, was ihr extrem große politische Bedeutung verleiht. Die Präsenz dieser großen Expat-Community, die für gewisse Zeit hier lebt, ist eine der Stützen der lokalen Kunstszene.

Die Anzahl lokaler Künstler, die zu Kunstmessen und Ausstellungen in prominenten Galerien und Museen auf der ganzen Welt eingeladen werden, ist so hoch wie nie zuvor. Internationale Sammler nehmen sie wahr und kaufen ihre Kunst, während lokale Sammler ebenfalls erhebliche Summen in Kunst investieren, was vor zehn Jahren noch undenkbar war. Die wachsende öffentliche Beteiligung an Veranstaltungen mit einem Kunstbezug ist ebenfalls sehr ermutigend. Gerade die jungen Menschen in der Stadt sind die sichtbarsten Teilnehmer und diejenigen, die neuen Ausdrucksformen, welche traditionelle Normen in Frage stellen, am offensten gegenüber stehen.

C&: Wo sehen Sie AFA in fünf Jahren?

AFA: Da Addis Abeba die politische Hauptstadt Afrikas geworden ist, hoffen wir, dass AFA einen wichtigen Beitrag dazu leisten wird, die Stadt auch zu einem einflussreichen kulturellen Zentrum zu machen. Zu diesem Zweck planen wir ein innovatives Programm an Ausstellungen, Vorträgen und Veranstaltungen in unserem wichtigsten Ausstellungsraum hier. Bereichern möchten wir unser Programm durch die Anbahnung von Gemeinschaftsprojekten und Dialogen mit Künstlern, Kuratoren und Praktikern aus dem Kontinent; zugleich wollen wir unsere Präsenz auf internationalen Kunstmessen stärken und internationale Pop-Up-Spaces entwickeln. Und wir planen, unsere physische Präsenz in einer oder mehreren Städten außerhalb Afrikas auszubauen.

Beim Schwerpunkt „Afrikanische Perspektiven“ der Armory Show in New York (3.- 6. März 2016) präsentiert Addis Fine Art Emanuel Tegene.

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Ein Gespräch von Aïcha Diallo

 

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