Venedig Biennale 2017

Ein Raum, innen und außen

Arlene Wandera macht sich Gedanken über Räumlichkeit und Taktilität und gewährt uns einen ersten Blick auf ihre jüngste Arbeit, die den diesjährigen kenianischen Pavillon eröffnet

Arlene Wandera. Pulled 2013. 60 x 42 x 38cm (Height variable). Plaster, Plastic Bucket, Chains, Ratchet Block, 2 Everymen.

By Jessica Aimufua
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C&:  Erzähle uns etwas über Deinen künstlerischen Werdegang, wie kamst du zur Bildhauerei?

Arlene Wandera: Als ich 14 Jahre alt war, wurde mir klar, dass ich wirklich die Kunst liebe, und ich beschloss, alles zu tun, was in meiner Macht steht, um dem nachzugehen. Mit 17 gab ich dann die letzte Hoffnung auf, eine rein akademische Laufbahn einzuschlagen  und beschloss, auf die Kunsthochschule zu gehen.

Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass es einen bestimmten Moment gab , an dem ich dachte: „Das ist es, die Bildhauerei ist meins !“ Ich liebe einfach jeden Aspekt des Kunstschaffens, neue Techniken und Fertigkeiten zu lernen, meine eigene Wahrnehmung herauszufordern und meine Vorstellung davon, was ich mit Objekten und Materialien alles machen kann. Jede Idee für ein Kunstwerk beginnt mit einer  spontanen Bauchreaktion, die eine Recherche in Gang setzt und dann zu einer taktilen Skizze führt, zu einer Manipulation von Objekten und Materialien. Und in neun von zehn Fällen ensteht aus dieser taktilen Skizze ein Kunstwerk.

Arlene Wandera. Centrepiece, 2016

C&:  Zentrale Themen in Deiner Kunstpraxis sind Nostalgie und persönliche Geschichte. Woher kommt dieser Fokus?

AW: Ich bin in Nairobi aufgewachsen, und meine Familie ging nach London, als ich noch zu jung war, um mir meiner Gefühle für meine kulturelle Identität bewusst zu sein. Und so verbrachte ich einen Großteil meiner Teenagerzeit damit zu versuchen, eine typische Britin zu sein, während ich mich gleichzeitig nach Momenten aus meiner Kindheit sehnte, die mir eher das Gefühl gaben, Kenyanerin zu sein. Ich fühlte mich einfach  fehl am Platz.

Die Kunsthochschule zwang mich dann, mich mit meiner Identität auseinanderzusetzen, damit umzugehen. Es war eine Achterbahn der Emotionen und am Ende meiner vierjährigen Lehrzeit  an der Slade School of Fine Art wurde mir klar, dass ich tatsächlich zwischen zwei Kulturen stehe, und ich beschloss, mich in dieser Position wohl zu fühlen. Dieser Moment der Klarheit wurde zur treibenden Kraft für meine aktuelle Kunstpraxis.

C&:  Worin wird es in Deinem Beitrag im Kenyanischen Pavillon gehen?

AW: Das Thema für den Kenyanischen Pavillon heißt „Another Country“ – wie der Titel des Romans von James Baldwins Roman aus dem Jahr 1962.  Mich interessiert die Idee von diesem „Anderen Land“. Dieser Raum innerhalb und außerhalb der physischen Grenzen von Geographie, von persönlicher und universeller Erfahrung, von der Vielfalt menschlicher Emotionen. Es werden einige umgewidmete Objekte zu sehen sein, ein oder zwei neue Arbeiten für die  Everymen Series. Ich werde auch mit weggeworfenen und liegengeblieben Materialien arbeiten, aus Venedig, London, Johannesburg und Aberdeenshire … darauf freue ich mich besonders, es wird also spannend!

 

Interview von Jessica Aimufua.