The Dak'Art from a local perspective:

Auf der Suche nach frischem Wind

Our author Aboubacar Demba Cissokho re-examines the eleventh edition of Dak'Art.

Dak'Art 2014 installation view. Image: Mame-Diarra Niang. © Mame-Diarra Niang

By Aboubacar Demba Cissokho
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Die Dak’Art bekräftigt ihre besondere Stellung auf der Karte der Kunstbiennalen der Welt. Aber nach elf Ausgaben wird die Zukunft dieser Biennale davon abhängen, dass sie ihren Status und damit auch ihren Finanzierungsmodus neu definiert.

Mit dieser elften Ausgabe hat sich die Biennale der zeitgenössischen afrikanischen Kunst (Dak’Art), die vom 9. Mai bis 8. Juni 2014 stattgefunden hat, endgültig einen festen Platz auf der kulturellen Agenda des Kontinents gesichert, und die Führungsposition, die der Senegal auf diesem Gebiet in Afrika einnimmt, erneut bestätigt.

Dak’Art 2014 betonte gleich zu Beginn den einzigartigen Charakter dieser Biennale, indem sie mit „Produire le commun“ (Gemeinsamkeit herstellen) ein Thema vorgab, das an die gesellschaftliche und politische Rolle der Kunst und des Künstlers erinnerte, der sich in seiner Auseinandersetzung mit der Materie darum bemüht, künstlerisch zu reflektieren, was die Gesellschaft, in der er lebt, in ihrem Innersten umtreibt. Die offizielle Selektion mit rund 60  Künstlerinnen und Künstlern, spiegelt die Vision der drei KuratorInnen wider, die diese Auswahl mit einer Freude an künstlerischen Herausforderungen koordiniert haben.

An der praktischen Organisation der Biennale hat sich im Großen und Ganzen wenig geändert, trotz der Innovationen, die Babacar Mbaye Diop, der neue Generalsekretär, eingebracht hat, der sehr darauf bedacht war, seiner erste Ausgabe dieses Kulturereignisses, das von vielen Menschen in Dakar als eine vor allem elitäre Veranstaltung wahrgenommen und erlebt wird, einen populäreren Touch zu verleihen.

Tatsächlich hat sich die diesjährige Dak’Art auch neuen Zielgruppen gegenüber geöffnet, indem sie eine Reihe ungewöhnlicher Orte in Besitz genommen hat, wie den Campus der Université Cheikh Anta Diop de Dakar (Ausstellung vergänglicher Werke aus vorgefundenen Materialien), das psychiatrische Zentrum einer großen Klinik, eine Gefängniseinrichtung, einen Tierpark usw. Als begrüßenswerte Neuerungen sind darüber hinaus die Einrichtung des Ausstellungsbereichs Diversité culturelle zu erwähnen – die es auch nicht-afrikanischen Kunstschaffenden ermöglichte, auf der „In“ auszustellen – sowie der Salon de la sculpture africaine.

Ob dies nachhaltige Auswirkungen haben wird, wird die Zukunft zeigen, aber man kann jetzt schon sagen, dass diese Aktion zunächst gemischte Reaktionen ausgelöst hat. Was hier fehlte, war vor allem eine angemessene Kommunikationsstrategie, was wiederum darauf zurückzuführen ist, dass die für diese Aufgabe zuständige Stelle vom Organigramm der Biennale gestrichen und seit drei Ausgaben nicht mehr besetzt wurde. Das Ergebnis: „Dakar sprüht und funkelt nicht so wie in den früheren Ausgaben“, wie der Künstler Amadou Daouda Ndiaye am 9.  Mai in seinem Gastkommentar in der Tageszeitung Sud-Quotidien feststellte.

Und so wunderte sich denn auch eine Journalistin des nationalen Fernsehens: „Was ist eigentlich los mit dieser Biennale? Kein Mensch weiß Bescheid, was hier läuft.“ Und es stimmt, wenn man die Leute in Dakar fragt, wie sie dieses Event wahrnehmen, wird einem schnell klar, dass die Veranstaltung gar nicht so bekannt ist, wie man annehmen könnte. Das liegt sicherlich auch daran, dass Kunst insgesamt als „Vergnügen für Reiche“ betrachtet wird.

Am Anfang gab es ein paar Anlaufschwierigkeiten. Die Internationale Ausstellung, Herzstück und Höhepunkt der Biennale, öffnete ihre Türen mit einem Tag Verspätung in einem schwer zugänglichen „Village de la Biennale“. Die anfänglichen Versprechen wurden jedoch gehalten: es waren mehr als 50 Länder in den mehr als 300  Ausstellungen vertreten, wenn man die „OFF“ mit einbezieht, die immer dynamischer wird und nicht zuletzt aufgrund ihrer größeren Nähe und Zugänglichkeit zunehmend an Attraktivität gewinnt. Auf der Place du Souvenir stehen sich die Pavillons von Algerien und Marokko gegenüber, und liefern einen Beweis dafür, dass Kunst und Kultur helfen können, sich näher zu kommen.

Nehmen wir außerdem all die wissenschaftlichen Veranstaltungen, Begegnungen, Vorträge, Diskussionen, Ausstellungen und Hommagen an Künstler, die von uns gegangen sind, hinzu, haben wir hier ein hochkarätiges Kunst- und Kulturereignis in einem Land, welches sich allerdings, wie Thérèse Thurpin Diatta, Vorsitzende des Lenkungsausschusses der Biennale, bei der Eröffnung der elften Ausgabe der Dak’Art betonte, ein sehr seltsames und inzwischen unübersehbares Paradoxon leistet: die Abwesenheit eines Museums für zeitgenössische Kunst.

Die Dak’Art ist 24 Jahre alt, ein Alter, in dem man darüber nachdenken muss, dieser Biennale neuen Schwung zu verleihen ? und einen neuen Status. Der Stiftungsgedanke wird lebhaft diskutiert. Er verdient, eingehender geprüft zu werden, ebenso wie andere Konzepte, die darauf abzielen, die Biennale mit einer finanziellen Autonomie auszustatten, mit einer Verwaltung, deren Arbeit an strenge Regeln gebunden wird, sowie mit der Verpflichtung, konkrete Ergebnisse zu erzielen. Um diesen Preis wird die Biennale einen qualitativen Sprung nach vorne machen ? und sich eine strahlende Zukunft sichern können.

Aboubacar Demba Cissokho, Kulturjournalist für die Agence de Presse Sénégalaise (APS), lebt in Dakar.