About the contemporary art festival KLA ART

KLA ART bringt ostafrikanische Kunst auf die internationale Bühne

Katrin Peters-Klaphake describes how a contemporary art festival in Kampala has grown and developed

KLA ART 014 Regional workshop in Fort Portal © Bwette Daniel Gilbert

By Katrin Peters-Klaphake
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Wenn das zeitgenössische Kunstprojekt KLA ART 014 im Oktober in die Festivalphase eintritt, wird eine umfangreiche einmonatige Veranstaltungszeit ihren Höhepunkt erreichen. Die Veranstaltung geht unter dem Titel UNMAPPED mit drei Elementen an die Öffentlichkeit: einer Ausstellung im Bahnhof Kampala Railway Station, dem Boda Boda-Projekt und einer Tour durch Künstlerateliers. Das kuratorische Team von KLA ART 014 hat sich vorgenommen, das Thema Menschen in urbanen Lebenswelten, die unbemerkt von der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Klassifizierung arbeiten und leben, zu erkunden: StraßenverkäuferInnen, Wanderhandwerker, Frauen, die Mais auf tragbaren Holzkohleöfen grillen, Männer, die Obst von Holzschubkarren auf belebten Straßen verkaufen, und viele andere. Zehn KünstlerInnen aus Uganda und Ugandas Nachbarländern wurden eingeladen, sich des Themas anzunehmen. Ihre Arbeiten werden im Bahnhof gezeigt. Für das Boda Boda-Projekt wurden zwanzig ugandische KünstlerInnen ausgewählt, die das Thema interpretieren sollen, indem sie ein Motorrad-Taxi in ein mobiles Kunstprojekt verwandeln. Für Artists‘ Studios werden Besuchertouren zu Künstlerateliers in Kampala geplant und organisiert.

Das KLA ART-Projekt wurde 2012, vor erst zwei Jahren, als unerwartetes Kind vieler Eltern ins Leben gerufen. Seitdem ist es außerordentlich gewachsen und einige der Eltern sind eher zu Onkeln und Tanten geworden, so dass das Kind sich entwickeln konnte, ohne von zu vielen Menschen in unterschiedliche Richtungen gezerrt zu werden. Damals plante die East African Art Biennale (EASTAFAB), gegründet 2003 in Daressalam, ihre Ausstellung in die ostafrikanischen Mitgliedsstaaten reisen zu lassen. Als dieses Vorhaben aus finanziellen und mit dem Management verbundenen Gründen aufgegeben wurde, organisierte eine Gruppe von acht ugandischen Kunstorganisationen mit unterschiedlichen Hintergründen und Strukturen – staatlich, universitär, gemeinnützig und kommerziell – gemeinsam eine neue Veranstaltung in und für Kampala: KLA ART 012. Obwohl es die gemeinsame Vision gab, neue physische und gedankliche Räume für bildnerische Kunstprojekte zu schaffen und unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen, gab es bei machen Zielen und Erwartungen Unterschiede im Detail aufgrund der verschiedenen Orientierungen der Projektbeteiligten.

The Global Crit Clinic working with the KLA ART 014 Boda Boda projects artists (courtesy of KLA ART)

The Global Crit Clinic working with the KLA ART 014 Boda Boda projects artists (courtesy of KLA ART)

Der Auftakt startete unter dem Titel 12 Boxes Moving, was sich auf ein Dutzend sechs Meter lange Schiffscontainer bezog, die in (halb-)öffentlichen Räumen aufgestellt waren und als Ausstellungsräume für zwölf Kunstprojekte dienten. Die erste Ausgabe des Festivals bezog sich bewusst auf das lokale Umfeld, indem die Teilnahme auf die ugandische Künstlergemeinschaft beschränkt war und außerhalb des Galerieraums ausgestellt wurde, unter Verwendung von Schiffscontainern, die im Stadtbild alltägliche Mehrzweckstrukturen sind. Die Kunstschaffenden wurden zur Einreichung ihrer Arbeiten aufgerufen und die Siegerprojekte auf Grundlage von Bewerbungen nach einem vorbereitenden Workshop ausgewählt. KLA ART 012 war ein Pilotprojekt, ein Experiment in vielerlei Hinsicht, von Anfang an als zweijährliches Festival für bildende Kunst konzeptioniert, mit dem Ziel, nachhaltige alternative Strukturen für die künstlerische Praxis und Diskussion in Uganda aufzubauen und zu unterstützen. Um das Festival und die einzelnen Werke in einen größeren Zusammenhang zu stellen, hatte man eine internationale Jury eingeladen. Die Zielgruppe waren Menschen auf der Straße, die auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule vorbeikamen. Interaktive und partizipative Prozesse begleiteten sowohl die künstlerische Produktion als auch die Vermittlungsprogramme.

Der Geist und die Ziele der zweiten Ausgabe, KLA ART 014, sind zwar gleich geblieben, doch die Organisationsstruktur hat sich verändert. 32° East | Ugandan Arts Trust ist nun der Hauptveranstalter, während die meisten anderen ehemaligen Projektbeteiligten nun auf einer Partnerebene mitwirken. Mit dieser Veränderung in der Leitung hat sich der Schwerpunkt auf Kompetenzentwicklung während des ganzen Jahres verschoben. Alle Mitglieder des kuratorischen Teams haben an Workshops überall auf dem Kontinent teilgenommen. Das Organisationsteam von KLA ART 014 hat sich außerdem mit dem Bayimba Festival zusammengetan und beteiligt sich an dessen Veranstaltungen in kleineren ugandischen Städten landeinwärts, um landesweit Künstlerworkshops durchzuführen.

Festival artwork by Lucy Swan (courtesy of KLA ART)

Festival artwork by Lucy Swan (courtesy of KLA ART)

Anders als die meisten Länder auf dem Kontinent hat Uganda eine relativ lange Geschichte akademischer Kunstausbildung und eine wachsende Zahl an Kunsthochschulen, die den Hintergrund bilden, mit dem sich neue Entwicklungen konfrontiert sehen. Die Geschichte der School of Fine Arts an der Makerere University geht bis in die späten 1930er Jahre zurück, als die britische, an der Slade School of Fine Art ausgebildete Künstlerin und Lehrerin Margaret Trowell die ersten Kunststudenten zu unterrichten begann. Ihre Bildungsphilosophie der Förderung einer „authentischen“ afrikanischen Kunst hat Generationen von KünstlerInnen und KunsterzieherInnen beeinflusst. Später war die Wende in der Kunsterziehung hin zum dominanten euro-amerikanischen Vorbild, welches ihr Nachfolger Cecil Todd in den 1960er Jahren einführte, ebenso bedeutsam. Die Befreiung von Restriktionen, die die institutionalisierten postkolonialen Lernräume mit sich brachten, und die Bewegung in eine Richtung, die alternative Theorien und Praxisbildung zulässt, ist ein wichtiger Prozess. Einige der Themen, die zum und um das Festival herum zur Diskussion stehen, sind die Hinterfragung der Paradigmen künstlerischer Produktion und Kuration im heutigen Ostafrika und die Frage, wie Wissen über Kunst entwickelt und verbreitet wird, wie die Vergangenheit die Gegenwart prägt. Bis vor relativ kurzer Zeit beschränkte sich das Ausstellungsmachen in Uganda für gewöhnlich auf die Organisation von hauptsächlich Einzelausstellungen mit kaum einem oder ganz ohne kritischen kuratorischen Rahmen. Die Aufmachung von KLA ART als Format manifestiert sich als Rahmen, der unterschiedliche Inszenierungen zulässt. Die Vision von KLA ART 014 hat sich von der Zielsetzung, Räume für neue künstlerische Projekte zu eröffnen, erweitert, um auch neue kuratorische Perspektiven zu erschließen. In den vergangenen Jahren hatte Kunst aus Uganda außerhalb der Landesgrenzen ihre Sichtbarkeit verloren; zeitgenössische Kulturveranstaltungen wie KLA ART haben dem Land einen souveräneren Neuauftritt auf der künstlerischen Bühne ermöglicht.

Katrin Peters-Klaphake ist Kuratorin der Makerere Art Gallery/Institute of Heritage Conservation and Restoration, Makerere University, Kampala, und Mitinitiatorin des KLA ART-Projekts.

KLA ART 014 – KAMPALA’S CONTEMPORARY ART FESTIVAL: 04 – 31 OCTOBER 2014, Kampala, Uganda.

(1) Makerere Art Gallery/IHCR, Goethe-Zentrum Kampala/UGCS, Alliance Française Kampala, 32° East | Ugandan Arts Trust, Afriart Gallery, AKA Gallery, Nommo Galleryand Uganda Museum