Donald Maingi about the artist Ato Malinda

Letter from…Nairobi

Performance art within the art gallery space in in Kenya.

Ato Malinda, 'Looking at Art; Looking at Africa; Looking at Art', performance (2009). Photo: B. Minishi

By Donald Maingi
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Ich traf Ato Malinda erstmals 2009 – als eine der ersten kenianischen Performancekünstlerinnen in der Galerielandschaft. Sie war gerade aus den Vereinigten Staaten, wo sie Kunstgeschichte studiert hatte, nach Kenia zurückgekehrt. Wir trafen uns nicht zufällig in Nairobi, da ich zu der Zeit schon fast auf dem Weg nach Großbritannien war, um meine Promotion zur Geschichte zeitgenössischer kenianischer Kunst anzugehen, während sie nach Kenia übersiedelte, um an der dortigen Geschichte teilzuhaben. Ich weiß noch, wie ich 2009 voller Verblüffung ihrer Performance „Looking at Art; Looking at Africa; Looking at Art“ zusah, während sie beschwingt den Galerieraum des Goethe-Instituts in Nairobi durchschritt. Unterstützt wurde die Performance durch ihr kariertes Kleid, auf dem ein Muster unterschiedlicher Motive aufgedruckt war, unter anderem eine afrikanische Maske, eine Kalebasse und eine Zeichnung in Anlehnung an ostafrikanische Felsbildkunst, wobei all diese Motive auch auf ihren Körper gemalt waren, um die Kontinuität in der Gestaltung zu betonen. Ich konnte damals die Performance zunächst nur anhand ihrer formalen Besonderheiten beschreiben, während ich auf den Moment wartete, da der Galerieraum aufgeladen wäre, elektrisiert von der Aura der Performance, die ich erwartete. Doch das geschah nicht. Stattdessen wurden wir im Bann einer lebhaften Sequenz sich wiederholender Bewegungen gehalten, kreisend zwischen einem Haufen roter Erde, einiger Ziegelsteine und Stöcke. Ich und ein paar andere kenianische Künstler waren schockiert angesichts einer so globalen Form zeitgenössischer Kunst. Vielleicht hätte man uns für unwissend in Bezug auf den Schockfaktor zeitgenössischer Kunst bezeichnen können, doch wir hatten erwartet, in die Erzählung der Performance einbezogen zu werden, um ihr Endprodukt mitzugestalten, statt den Diskurs und die Theorie präsentiert zu bekommen. Wir wollten an der Performance teilhaben, ein Teil ihrer Geschichte sein.

Vielleicht hatten wir unrecht, dachten wir. Einer unserer Freunde, Solomon Muyundo, gemeinhin bekannt unter dem Namen Solo 7, hatte 2008 unser Verständnis von Performance als zeitgenössische Kunstform neu definiert. In einer entscheidenden Phase der kenianischen Geschichte war er vom Schildermaler in den Slums von Kibera aufgestiegen und zu internationalem Ruhm gelangt. Es war während der Gewaltausbrüche nach den Wahlen 2007/2008, als er mitten im gewaltsamen Chaos die Reihen der mörderischen Bürgerwehr durchbrach und sein Leben dabei riskierte, indem er immer wieder die Aufschrift ‚Keep Peace‘ wiederholte, die er leserlich in Schilderlettern auf Tore, Mauern, Gitterstäbe, Bäume, buchstäblich jeden sichtbaren Platz schrieb – beispielsweise den Stromzähler an einer Mauer, wie auf dem Foto zu sehen ist. Während die Nachrichten dieser Zeit das Slum von Kibera als Gefahrenherd für ethnische Gewalt bezeichneten, erlangte Solo 7 auch bei der Bürgerwehr einen gewissen Ruhm, denn sie begegnete seinen Beschriftungen mit ihren eigenen, so dass ein gesellschaftlicher Dialog entstand, der der Region schließlich Frieden bescherte. Während Solo 7 seine Schildermalerei erfolgreich fortsetzte, waren seine Experimente mit der Leinwandmalerei im institutionellen Kontext der Galerien weniger erfolgreich.

Doch was erzählt uns Malindas Geschichte? Ich bin sofort geneigt, die Essenz der Performativität als Kunstform wie sie im Galerieraum erlebt wird, dagegen abwägen zu wollen, wie man sie im gesellschaftlichen Raum erlebt. Ich glaube, dass diese beiden Zusammenhänge sehr wohl Gemeinsamkeiten haben: Es gelingt nämlich beiden, ein breites Publikum und sogar auch ältere Künstler wie George Bertiers, Richard Onyango und viele andere im Hinblick darauf zu inspirieren, wie die künstlerische Praxis in einer Performance verkörpert werden kann – und dies kann innerhalb der Gesellschaft ebenso geschehen wie im Rahmen der Galerie.

 

Donald Kuira Maingi ist Doktorand in Kunstgeschichte in seinem Abschlussjahr am Birkbeck College der University of London. Er kommt aus Kenia und ist Kunsterzieher, zeitgenössischer Künstler und Historiker. Er interessiert sich für die politische Geschichte Kenias und wie diese im Verhältnis zur Produktion zeitgenössischer Kunst steht.

Aus dem Englischen: Ekpenyong Ani