Malala Andrialavidrazana

Porträts von inneren Landschaften 

Echoes – Fragments is the title of a group of twenty images that photographer Malala Andrialavidrazana presented at the festival Itinéraires des Photographes Voyageurs held from 1st to 30th April 2014 at Espace MC2A in Bordeaux.

© Malala Andrialavidrazana

By Dagara Dakin
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Im Rahmen des Festivals Itinéraires des Photographes Voyageurs, das vom 1. bis 30.  April 2014 im Espace MC2A in Bordeaux stattfindet, stellt die Fotografin Malala Andrialavidrazana unter dem Titel Echoes – Fragments rund zwanzig Bilder aus.

Die Fotos sind Teil einer größeren Serie mit dem Titel Echoes (from Indian Ocean), in der die Künstlerin ein Porträt des riesigen Gebiets zeichnet, das der Indische Ozean bildet. Für die Serie fotografierte sie im privaten Lebensumfeld der Bewohner dieses geographischen Raums, der eine Fläche von 75.000 Quadratkilometern umfasst und sich vom Osten des afrikanischen Kontinents bis nach Australien erstreckt und im nördlichen Teil durch Asien begrenzt wird.

Was sagen uns diese Lebensorte, was erzählen sie über die Menschen, die dort wohnen?

Echoes…

Ob in Antananarivo (Madagaskar), Mumbai (Indien), Durban (Südafrika) oder auf der Île de la Réunion – stets versucht Malala Andrialavidrazana einzufangen, was all diese Länder miteinander verbindet, etwas, das vielleicht eine „gewisse Vorstellung“ vom Indischen Ozean konstituieren könnte. So macht sie Porträts, jedoch keine Porträts im herkömmlichen Sinne des Begriffs. In ihren Bildern lässt sich die menschliche Gegenwart eher erahnen, als dass sie sich aufdrängt. Was dann übrig bleibt, sind, wie die Künstlerin es gerne nennt, innere Landschaften.

Durch diese sehr persönlichen Annäherungsweise setzt sie das Schwindelgefühl außer Kraft, das uns ergreift, wenn wir versuchen, uns die unendliche Weite dieses Gebietes vorzustellen ? und verankert uns unmittelbar im Alltag der Menschen, die dort leben. Die Einstellung der Künstlerin ist geprägt von ihrem Wunsch, den gängigen Klischees, die über diese Gegend verbreitet werden, etwas entgegen zu setzen. „In den Broschüren und Reiseprospekten, die westliche Touristen ansprechen sollen“, so die Künstlerin, „wird diese Gegend auf ein paar Klischeebilder von paradiesischen Inseln und vom schönen Leben in der Tropensonne reduziert. Die Medien hingegen berichten nur über die Katastrophen und Desaster, mit denen die Gesellschaften in der Region konfrontiert sind. Aus Sicht der Fremden bleibt dann letztlich nur in Erinnerung wie traumhaft schön, aber wie furchtbar arm es dort doch ist“ .

Die Idee des Projekts geht zurück auf eine erste Fotoreihe mit dem Titel Ny Any Aminay, ein Begriff aus der madagassischen Sprache, der sich auf das Konzept der Intimität/Privatsphäre bezieht. Dieser Ausgangspunkt gab den Ton für die gesamte Serie vor. Schon in diesen ersten Fotografien, die allesamt in Madagaskar aufgenommen wurden, fokussierte die Künstlerin ihren Blick auf die Innenräume. Später bot sich ihr die Möglichkeit, diese Arbeit auch auf andere Orte des Indischen Ozeans auszuweiten, und so entwickelte sie daraus nach und nach ihr großes Projekt. Sie nahm über ihr privates und berufliches Netzwerk Kontakt mit den Menschen auf, deren Wohnungen sie dann fotografierte.  Im Rahmen der „Année de la France en Afrique du Sud“ vom Institut Français und dem National Arts Council of South Africa erhielt sie eine geförderte Künstlerresidenz in Durban. Und so entstand schließlich die Serie Echoes (from Indian Ocean).

Parallel dazu arbeitete die Künstlerin an ihrem Plan, ein Foto-Buch herauszugeben, um die Serie nicht nur in Ausstellungsräumen zu zeigen, sondern sie auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Ergebnis ist ein zweisprachiger Bildband (mit Texten in französischer und englischer Sprache), der im November 2013 im Kehrer Verlag erschienen ist. Das Buch präsentiert eine Serie von 74  Farbfotografien, die alle mit natürlichem Licht aufgenommen wurden. Dieses Licht prägt die gesamte Stimmung des Buchs und gibt den Rhythmus der Lektüre vor. Es lädt ein, sich auf die Langsamkeit einzulassen, und erfüllt die Bilder gleichzeitig mit einem Gefühl von Nostalgie.

Man fühlt sich an Eindrücke erinnert, die schon ein früheres Foto-Projekt der Künstlerin, das sie in Hong Kong realisierte, vermitteln konnte. In dieser Foto-Serie mit dem Titel Insomnia ging es um MigrantInnen, die im nächtlichen Treiben der großen Metropole umherirren. Die Atmosphäre und die Gefühle, die sie auslöst, erinnern an die Stimmung, in die man auch beim Betrachten der Hongkong-Filme von Wong Kar Wai aus der Zeit von „Days of Being Wild (Aa Fei zingzyun)“  versetzt wird, aus jener Zeit, als er noch nicht in Hollywood angekommen war.

Pressemitteilung Kehrer Verlag

Die Anfänge 

Es ist nicht das erste Mal, dass Malala Andrialavidrazana einen solchen Blickwinkel einnimmt. Ihre Arbeiten hatten schon immer etwas Intimes, etwas sehr Persönliches. Ein ähnlicher Ansatz findet sich schon in ihrer Serie „D’Outre? Monde“ (Aus dem Jenseits).

In dieser Arbeit, für die sie 2003 mit dem Prix HSBC ausgezeichnet wurde, setzte sie sich mit dem Thema Grab- und Ruhestätten auseinander. Das Projekt führte die Künstlerin damals an ein Dutzend verschiedener Orte, die sie – sagt sie – wegen ihres kosmopolitischen und multikonfessionellen Charakters ausgewählt hatte. „Was mich daran interessierte“ – so die Künstlerin – „war der Blick auf Grabstätten und Bestattungsräume im Kontext der Globalisierung.“ Dabei war es ihr wichtiger, Orte zu erforschen, an denen sich Kulturen überlagern, als deren Eigenheiten und Besonderheiten herauszustellen. Das Projekt, in dem sie Aspekte der Themen Baukunst und Heiligtum reflektiert, führte sie unter anderem nach Argentinien, Neuseeland und Australien.

So zeichnete sich bereits in ihren frühen fotografischen Arbeiten ihr Interesse an den großen Weiten ab, die sie jeweils aus  einem bestimmten thematischen Blickwinkel betrachtet, der es ihr ermöglicht, verschiedene Orte und unterschiedliche Kulturen miteinander in Verbindung zu setzen.

In ihrer unermüdlichen Ergründung des Wesens der Welt interessiert sich die Künstlerin dabei vor allem für die Schnittstellen, ihr ist mehr daran gelegen ist, das Verbindende sichtbar zu machen, als Unterschiede und Besonderheiten herauszustellen.

Gleichzeitig aber geht es auf dieser Forschungsreise immer auch um die Suche nach „Authentizität“. Denn sucht man nicht letztlich nach dem Authentischen, wenn man sich der Klischees und Vorurteile entledigen will?

Wenn man um die Welt reist, um das Verbindende zu entdecken, und sich dafür entscheidet, das Intime, Persönliche, Private zu fokussieren, um ein bestimmtes Thema zu erforschen, impliziert dies unweigerlich die Annäherung an eine Art von „Wahrheit“. – Dagara Dakin

Malala Andrialavidrazana, Künstlerin, Fotografin, Architektin, 1971 in Madagaskar geboren, lebt seit Anfang der 1980er Jahre in Paris. Für ihre Serie „D’Outre-Monde“, die 2004 im Verlag Actes Sud als Bildband veröffentlicht wurde, erhielt sie den renommierten Prix de la Fondation HSBC pour la Photographie. Ihre Werke wurden in zahlreichen Institutionen und internationalen Kunstfestivals ausgestellt, darunter: Rencontres de Bamako (Mali, 2005), Force de l’Art (Frankreich, 2006), Herzliya Museum of Contemporary Art (Israel, 2007), Centrale Electrique (Belgien, 2007), Rencontres d’Arles (Frankreich, 2007), UCCA (China, 2008), Pan African Festival (Algerien, 2009), DIPE (China, 2011), Tiwani (GB, 2012), KZNSA (Südafrika, 2012), Biennale Bénin (Benin, 2012), Focus Mumbai (Indien, 2013), SAVVY (Deutschland), Fundação Calouste Gulbenkian (Frankreich, Portugal, 2013), SUD (Kamerun, 2013) u.a.

Das Projekt „ECHOES (from Indian Ocean)“ wurde im Rahmen von France-South Africa Seasons 2012 & 2013 gefördert.

Dagara Dakin lebt in Paris. Er ist Kunsthistoriker und -kritiker, Autor und freischaffender Kurator.

 

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