Love actually...Sean O'Toole

Moshekwa Langa, Untitled, 1995

Eine neue Reihe, die KünstlerInnen, Kulturschaffende und AutorInnen dazu einlädt, ihre Gedanken und die Leidenschaft zu teilen, die sie mit einem bestimmten Kunstwerk verbinden, das sie beeindruckt hat. Diesmal stellt der Autor und C&-Redakteur Sean O'Toole seinen Favoriten vor.

Moshekwa Langa, Untitled (Skins). Details of work in storage. Courtesy of the artist and Iziko, South African National Gallery

By Sean O'Toole
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1995, im Alter von zwanzig Jahren, präsentierte Moshekwa Langa in der Rembrandt van Rijn Art Gallery, einem heute nicht mehr existierenden Ausstellungsraum im Market Theatre in Johannesburg, seine erste Einzelausstellung.

In dieser Show zeigte Langa auch seine Arbeit Untitled (1995), ein Hybrid aus Zeichnung und Installation, hergestellt aus Packpapierfetzen, die er von Zementsäcken abgerissen und auf der Wäschespinne im Garten seiner Großmutter, 200  Kilometer nördlich von Johannesburg, mit Vaseline, Terpentin und Teeröl bearbeitet hatte. Diese Arbeit, die, mit ihren gestischen Zeichen, bald schon mit Tierhäuten verglichen wurde, erregte Aufsehen.

Ich habe die Ausstellung verpasst. Aber ich sah Langa ein Jahr später über seine phänomenale Arbeit sprechen. Er zeigte Bilder von der Entstehung des Werks während einer Sondersitzung im Rahmen der zweiten Annual Qualitative Methods Conference, die damals noch als experimentelles und überwiegend von Studierenden gestaltetes Forum in der Psychologischen Fakultät der University of the Witwatersrand ausgerichtet wurde. Ich war noch neu im Kunstgeschäft und fragte ihn, ob er ein „Konzeptkünstler“ wäre. Damals besaß ich nicht die nötige sprachliche Gewandtheit – und auch heute habe ich häufig das Gefühl, dass sie mir noch fehlt –, die es bräuchte, um sein materiell geheimnisvolles und allen Gattungen trotzendes Kunstschaffen in Worte zu fassen. Langa lachte, aber es war nicht gemein – so einer ist er nicht.

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Moshekwa Langa, Untitled, 1995. Installation view at South African National Gallery, 2011. Courtesy of the artist and Iziko, South African National Gallery

Moshekwa Langa, Untitled, 1995. Installation view at South African National Gallery, 2011. Courtesy of the artist and Iziko, South African National Gallery

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Später habe ich Untitled (1995) dann zweimal selbst gesehen. Das erste Mal im Jahr 2004, als die Arbeit in der von Emma Bedford kuratierten Ausstellung A  Decade of Democracy in der South African National Gallery in Kapstadt gezeigt wurde (übrigens im gleichen Raum wie Roger Meintjes großartiger Fotoessay Van Riebeeck’s Hedge – A Voyage Around an Object, 1992). Bedford hatte damals vorgeschlagen, Langas Kunstwerk in die ständige Sammlung des Museums aufzunehmen, wo ich es im Jahr 2013 dann auch zum zweiten Mal sehen sollte – im Lager. Die beiden kuratorischen Assistenten, die es für mich auspackten, fingen an zu lachen, als sie die Arbeit sahen. Untitled (1995) ist ein Alltagskunstwerk, rein formal betrachtet, aber es ist auch eine Art Jupiter in der Kosmologie der südafrikanischen Kunst.

Wie der fünfte Planet unseres Sonnensystems besitzt auch Langas Werk seine ganz eigene, immense Gravitationskraft, eine, die viele Satelliten in ihren Bann zieht – so wie die Galileischen Monde Dineo Seshee Bopape, Nandipha Mntambo und Nicholas Hlobo. Es ist eine Arbeit, deren Gestus nach innen wirkt (auf Künstler wie Sandile Zulu und Jackson Hlungwani) und auch nach außen (auf den Kameruner Pascale Marthine Tayou wie auf die US-Westküsten-Akkumulationskunst von Mike Kelley und Paul McCarthy). Sie ist heute vielleicht 21  Jahre alt, und erwachsen, aber in ihrer Jugend hat sie die Zukunft voraus gesagt.