Dak'Art 2014

“… die diasporische Vielfalt der KünstlerInnen mit einem Bezug zum afrikanischen Kontinent und die unendliche Reichweite von Verbindungen, …”

Caroline Hancock takes a closer look at the Dak'Art 2014.

Dak'Art 2014 installation view. Image: Mame-Diarra Niang. © Mame-Diarra Niang

By Caroline Hancock
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Die lokalen Kleinbusse, bunt und individuell gestaltet, scheinen oft dieselbe Inschrift zu tragen, die auf beide Seiten des Fahrzeugs gemalt ist: „TRANSPORT EN COMMUN“. Vielleicht war das eine der ersten Inspirationen für das diesjährige übergreifende Thema. Die drei GastkuratorInnen der internationalen Ausstellung auf der Dak’Art 2014, Elise Atangana, Abdelkader Damani und Smooth Ugochukwu Nwezi, scheinen auf jeden Fall auf außerordentlich gemeinschaftliche Weise zusammengearbeitet zu haben, um diese Ausstellung hervorzubringen. Ihre diversen Zusammenstellungen von Kunstwerken von 61 KünstlerInnen aus Afrika und der afrikanischen Diaspora sind in einem riesigen Komplex von Lagerhäusern an der rue de Rufisque, der zu diesem Anlass in „the Village“ umbenannt wurde, gruppiert. Die verwendeten Medien sind sehr unterschiedlich und reichen von Tam Josephs zeitgenössischer klassischer Malerei bis zur interaktiven Hightech-Installation Body Resonance von Naziha Mestaoui sowie Ato Malindas Performance Mshoga Mpya (The New Gay). 

Zur Einstimmung wird man draußen begrüßt von Kiluanji Kia Hendas bissigem O.R.G.A.S.M.-Logo, das für eine afrikanische NGO wirbt, die Hilfe für Europa leistet, und Justine Gagas Gaszylinder-Installation von 2012 mit dem Titel Indignation. Doch dann inszeniert und/oder verbirgt Joël Andrianomerisoas Jardin Sentimental, ein monumentaler schwarzer Vorhang aus Baumwolle und Plastik, den Eingang des ersten von drei großen Ausstellungsräumen. 

Dak’Art war schon immer ziemlich international, doch bei dieser Ausgabe sind es die diasporische Vielfalt der KünstlerInnen mit einem Bezug zum afrikanischen Kontinent und die unendliche Reichweite von Verbindungen, die auf interessante Weise betont werden. Besonderheiten und Gemeinsamkeiten sowie die Räume, die dazwischen liegen.

Arbeiten internationaler Kunststars wie beispielsweise Kader Attia, Candice Breitz, Julie Mehretu, Wangechi Mutu und Wael Shawky stehen im Dialog mit solchen von jungen oder weniger bekannten etablierten KünstlerInnen. Jean Katambayi Mukendi sprach über seine Philosophie der Autonomie, und tatsächlich waren seine rätselhaften Konfigurationen auch noch während der Stromausfälle hörbar und lebendig. Ismaïla Fattys symbolisch aufgeladene, durch die Batik-Technik Karabulo inspirierte Behänge haben eine physische Nähe zu den erlesenen Three Graces (drei Grazien) von Marcia Kure, eine Hommage an große afrikanische Repräsentationsfiguren – die Amazonen von Dahomey, Ndlorukazi Nandi kaBebe eLangeni und Funmilayo Anikulapo-Kuti. Nidhal Chamekhs verschlungene Tuschezeichnungen und Milumbe Haimbes futuristischer Comicroman könnten beinahe der gleichen wundersamen Phantasie entspringen wie die außergewöhnlichen Skulpturen und Malereien von Soly Cissé, die bei anderen Ausstellungen in der Stadt zu sehen sind. Gleiches gilt möglicherweise für Chike Obeagus wuselige Collage-Komposition Cityscape and City Dwellers und Fatou Kine Aws Malereien. Jean-Ulrick Désert gibt seinen Stoffbannern den Titel: The flutter of butterfly wings can trigger tornadoes around the world (Das Flattern von Schmetterlingsflügeln kann rund um den Globus Tornados auslösen). Auch wenn sie zunächst unscheinbar wirken, weisen die gedruckten Fotomontagen Untitled (Skin) und Untitled (Visage) von Jimmy Roberts auf eine tiefgreifende Auseinandersetzung hin, während die filmischen Installationen von Ali Essafi (North African Halakat) und Amina Menia (A Peculiar Family Album) Archivaufnahmen, Literatur und Architektur aufgreifen.

Es war ein gemeinsamer Impuls, den krönenden Abschluss im Rahmen eines anonymen Kuriositätenkabinetts zum Ausdruck zu bringen, ein kuratorisches Konstrukt, das Ähnlichkeit mit Carolyn Christov-Bakargievs „Brain“ auf der documenta 13 hat. Dieser Teil ist weniger geschlossen, da der dafür vorgesehene Raum äußerst schwierig ist. Doch auch hier gibt es Kleinode, wie eine Auswahl von Fayçal Baghriches Sammlung von Glas mit Fehlern, einige von Andrianomerisoas Werken aus der Reihe Sentimental (TEA FOR 2 2 FOR TEA ME FOR U YOU FOR ME), John Akomfrahs wunderschöne Sandinstallation, die den Film Peripeteia wiederhallen lässt, der an anderer Stelle der Ausstellung gezeigt wird, sowie Houda Ghorbels seltsame sprießende Tonköpfe.

Die Installation hat etwas Demokratisches, so dass kaum ein Werk ein anderes übertönen und höher klingen darf, und dadurch wirkt sie teilweise vollgestopft – doch das ist auf Biennalen natürlich auch nichts Ungewöhnliches. Die dynamische Kraft der Ausstellung entspringt der Vielfalt der Einreichungen und daher ihrer Offenheit für unterschiedliche sehr persönliche Rezeptionen. Eher klassische Formen treffen in den Räumen mit eher innovativen Beiträgen zusammen. Dazu gehören unterschiedliche Ansätze in der Malerei, die in der ruhmvollen senegalesischen Kunstgeschichte eine so wichtige Rolle spielen – so dass eindeutige Verbindungen zu anderen IN- und OFF-Projekten hergestellt werden. Doch kann man nicht sicher sein, ob tatsächlich viel Wert auf die Zugänglichkeit des Projekts für das Publikum vor Ort gelegt wurde, denn seine Lage etwas weiter entfernt vom inneren Zentrum und vielen anderen IN-Veranstaltungen verringert zwangsläufig die Chancen, dass es über die Eröffnung hinaus großen Zuspruch findet.

Dennoch wird die Begegnung an sich, was sie über das Hier und Jetzt aussagt ebenso wie was sie hinsichtlich von Potenzialen eröffnet, gewiss einen wichtigen Platz in den Annalen einnehmen. Während der Eröffnungskonferenz betrachtete Simone Leigh auf bewegende Weise die Einladung zu dieser Ausstellung in Senegal und alle damit verbundenen Konsequenzen als Wendepunkt in ihrer künstlerischen Praxis. Julie Mehretu las einige brillante Notizen, die Worte enthielten wie ‚Schlag‘, ‚symptomatisch‘, ‚Vorahnung‘, ‚Mutation‘, ‚Markierung setzen‘, ‚pulsierend‘ … Zweifellos bedeutsam und bedeutend.

Caroline Hancock ist eine unabhängige Kuratorin, Schriftstellerin und Redakteurin in Paris.