About the death of photographer Thabiso Sekgala

„Die Prekarität künstlerischer Arbeit erzeugt eine gewisse Schizophrenie.“

The death of photographer Thabiso Sekgala caused shock and grief not only in Johannesburg. C& spoke with two cultural producers Sinethemba Twalo from Johannesburg and Mthabisi Phili from Bulawayo.

Detail from Thabiso Sekgala, Church, Jabal Webdin, Amman, 2013 Dibond-mounted inkjet print on archival fibre paper. Courtesy of Goodman Gallery.

Tweet about this on TwitterShare on FacebookEmail to someone

C&: Thabiso Sekgalas Tod hat auf verschiedensten Ebenen einen Dialog eröffnet. Warum denkst du, ist das so?

Sinethemba Twalo: Thabisos Tod ist einer von mehreren Selbstmorden in den Künstlergemeinden in den letzten zehn Monaten. Es ist wichtig, die Todesfälle von Unathi Sigenu und Ishkar Richard zu erwähnen und zu würdigen. Ich denke, dass diese Todesfälle unterstreichen, welche Unsicherheit damit verbunden ist, künstlerisch zu arbeiten, wenn die Bedingungen, unter denen diese Arbeit stattfindet, nicht hinreichend verbessert werden. Die Prekarität künstlerischer Arbeit erzeugt eine gewisse Schizophrenie.

 

C&: Kanntest du Thabiso Sekgala persönlich?

ST: Wir kannten uns auf gesellschaftlicher Ebene, aber wir standen uns nicht nah

 

Paradise 2 (We people who are darker than blue), 2013 Dibond-mounted inkjet print on fibre paper 50 x 50 cm (Goodman Gallery)

Thabiso Sekgala, Paradise 2 (We people who are darker than blue), 2013, Dibond-mounted inkjet print on fibre paper. Courtesy of Goodman Gallery

C&: Sabelo Mlangeni formuliert es so: „Sekgalas Tod muss als Statement eines frustrierten Schwarzen Künstlers gesehen werden, der mit Würde und Respekt behandelt werden wollte in einem Land und einem Betrieb, in denen Schwarze Künstler ungleich und zuweilen ungerecht behandelt werden“. Könntest du deine Haltung zu diesem Aspekt erläutern?

ST: Zunächst möchte ich klarstellen, dass ich die genauen Umstände von Thabisos Tod nicht kenne, doch es ist wichtig, Sabelo Mlangenis Aussage nachträglich zu beleuchten. Ich zitiere Fred Moten: „Schwarzsein wird im politischen Tod gelebt.“ Die künstlerische Arbeit wird in einer institutionellen Kultur verrichtet, die von Haus aus gegen Schwarze eingestellt ist. Die oberflächliche und ausschließende Wirkungsweise dieser Kultur macht die Bedingungen für Schwarze KünstlerInnen grundsätzlich schwierig.

 

Sinethemba Twalo ist Akustiker und DJ und lebt in Johannesburg, Südafrika. Er ist Stipendiat der Geisteswissenschaften an der Akademie Schloss Solitude.

 

Unity Village, 6th Street, Bulawayo, 2013 Dibond-mounted inkjet print on archival fibre paper 70x 70 cm (Goodman Gallery)

Unity Village, 6th Street, Bulawayo, 2013 Dibond-mounted inkjet print on archival fibre paper 70x 70 cm (Goodman Gallery)

thabiso woods

Thabiso Sekgala, Paradise 1 (Love, near Tegel Airport, Berlin), 2013 Dibond-mounted inkjet print on fiber paper. Courtesy of Goodman Gallery

 

C&: Sabelo Mlangeni formuliert es so: „Sekgalas Tod muss als Statement eines frustrierten Schwarzen Künstlers gesehen werden, der mit Würde und Respekt behandelt werden wollte in einem Land und einem Betrieb, in denen Schwarze Künstler ungleich und zuweilen ungerecht behandelt werden“. Könntest du deine Haltung zu diesem Aspekt erläutern?

Mthabisi Phili: Ich werde nicht vor der Verwendung des Begriffs ‚Schwarz‘ als Beiname davonlaufen: Ich empfinde Schwarz als ein starkes Symbol, das ich als Erde, Kraft und Leben begreife. Ich sehe darin ein starkes Volk mit einer widerständigen Geschichte. Die oft negative Verwendung des Wortes schwarz, wenn es um ‚Race‘ geht, als sei Schwarz ein Synonym für Versagen und Frustration, bestätigt das hohe Maß an Unwissenheit und Kleinlichkeit und das politische Bestreben, den Fortschritt und die Errungenschaften eines Volkes zu unterdrücken.

Ich halte es für ungerecht und bloße Spekulation, Thabiso Sekgala oder irgendeine andere Person, die aufgrund eines Selbstmordes stirbt, mit Depression und Frustration in Verbindung zu bringen. Für einige, die Thabiso nahe standen, ist es bedauerlich, dass sein Tod der Ausgangspunkt vieler Gespräche geworden ist, in denen Vermutungen angestellt und spekuliert wird, warum dies geschehen sein könnte. Tatsächlich wissen wir es nicht und werden es nie wissen, doch ist es wohl wahr, dass in diesem Fall der Journalist und das Medienhaus boulevardartige Schlagzeilen machen wollten und eine sensationsheischende Titelzeile wählten, die sowohl Thabiso Sekgala als auch uns alle vollkommen missachtet. Die Überschrift „Frustrierter Schwarzer Künstler“ kommt äußerst abwertend und rassistisch daher. Es ist wiederum bedauerlich, dass die Medien und die Menschen Schwarzsein und das Wort ‚Schwarz‘ unbewusst mit negativen Konnotationen belegen.

Es scheint so als müssten in der Künstlergemeinschaft Südafrikas noch viele Gespräche geführt werden. Möglicherweise gibt es bei den Schwarzen KünstlerInnen eine gewisse Unzufriedenheit bezüglich des Marktes und eines gleichberechtigten Zugangs zu systematischer Unterstützung im Vergleich zu ihren weißen KollegInnen? Das könnte die Fortführung der Rede des südafrikanischen Befreiungskampfes für die Stärkung und Gleichberechtigung der Schwarzen und gegen Apartheid sein. „Apartheid, weiß, schwarz” als Beiworte sind noch immer frisch und gleichbedeutend mit der Politik der Einteilung nach dem Was und dem Warum in Südafrika. Diese Beinamen „Schwarz und weiß“ mit ihren „falschen Konnotationen uns Assoziationen“ wurden während der Apartheid und auch während des Kolonialismus verwendet, um das Positive und das Negative von allem zu bestimmen: Macht, Erfolg, Misserfolg, Bildung und Armut. Vielleicht ist das der Grund für den unnötigen Hang der Medien und Journalisten, die Worte „Frustrierter Schwarzer Künstler“ in Zusammenhang mit Thabiso Sekgala zu verwenden, als wäre die Titelzeile „Fotograf stirbt“ nicht passend gewesen. Es ist doch sehr bedauerlich, dass es in jeder Gesellschaft die Tendenz gibt, auf Beinamen, Bezeichnungen und Worte zurückzugreifen und sich darauf zu stützen, die auf die schwersten und schmerzhaftesten Abschnitte ihrer Geschichte verweisen, weil sie eine stärkere Wirkung haben, obwohl die Menschen gleichzeitig versuchen, ihre Geschichte zu vergessen und davon zu heilen.

Es wäre ungerecht und falsch zu behaupten, Schwarze KünstlerInnen in Südafrika werden im Gegensatz zu ihren weißen KollegInnen ungerecht und würdelos behandelt. Doch es bleibt eine Tatsache, dass Südafrika noch immer darum ringt, sich von der Schwarz-weiß-Politik zu befreien: einer Politik, die lange von der Apartheid etabliert wurde. Wie bei solchen Prozessen üblich, wird sich dies als ein langer Prozess erweisen.

 

Mthabisi Phili lebt in Bulawayo, Simbabwe, und ist der Kurator und Gründer von Voices in Colour, einer kreativen Plattform für Künstler. Phili ist auch ein Mitglied von Independent Curators International (ICI).