The Armory Show Focus: African Perspectives

Die Kett- und Schussfäden der Erfahrung  

In seinen arbeitsintensiven Werken verwebt der in Kapstadt lebende Zimbabwer Dan Halter Popkultur und zeitgenössiche Politik, und spielt auf elegante Weise mit seiner Identität als Immigrant

Dan Halter, Space Invader (Johannesburg taxi rank), 2009. Photographic Lamda print. Courtesy of the artist and WHATIFTHEWORLD Gallery

By Aïcha Diallo
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C&: Du bist ein Zimbabwer, der in Südafrika lebt. Wie würdest du deine persönliche Reise von dem einen in das andere Land beschreiben?

Dan Halter: In Zimbabwe war es nicht möglich, auf Tertiärniveau Kunst zu studieren. Da ich einen schweizer Familienhintergrund habe, ging ich in die Schweiz, um meine Kunstausbildung fortzusetzen. Dort erlebte ich aber einen ziemlichen Kulturschock und hatte Heimweh, also zog ich wieder um, nach Südafrika. In der Zwischenzeit hat in Zimbabwe die Politik der Regierung zu einem Niedergang der Wirtschaft geführt, was einen massiven Exodus ausgelöst hat, und besonders viele Menschen siedeln nun über in das Nachbarland Südafrika.

C&: Wie siehst du den kreativen und politischen Austausch und die Verbindungen zwischen Zimbabwe und Südafrika?

DH: Die Unabhängigkeit und der Übergang zum Mehrheitsprinzip fanden in Zimbabwe mehr als ein Jahrzehnt früher statt als die gleiche Entwicklung in Südafrika. Und so bemüht sich Südafrika in vielerlei Hinsicht darum, aus den Entwicklungen in Zimbabwe zu lernen und hält sich damit zurück, das Land zu kritisieren oder in die Situation dort einzugreifen. In beiden Ländern gibt es eine lebendige Kunstszene, allerdings ist in Zimbabwe die Ausdrucksfreiheit eingeschränkt.

Dan Halter, Given Another Chance In The Colonies (detail), 2014. Found plastic weave bag with custom–woven tartan fabric. Courtesy of the artist and WHATIFTHEWORLD Gallery

Dan Halter, Given Another Chance In The Colonies (detail), 2014. Found plastic weave bag with custom–woven tartan fabric. Courtesy of the artist and WHATIFTHEWORLD Gallery

C&: Erzähl uns etwas mehr über deine Arbeit Space Invader, in der du gewebte Plastiktaschen verwenden. Du nennst sie immigrant bags, Migrantenkoffer…

DH: Bei den Taschen handelt es sich um billige, in China hergestellte gewebte Plastiktaschen, die heute überall auf der Welt zu einem stereotypen Synonym für  Migranten geworden sind. Diesen Taschen, die in China „Bianzhidai” genannt werden, wurden auf der ganzen Welt unterschiedliche Spitznamen gegeben, in denen sich die migrantischen Demografien in den verschiedenen Regionen auf negative Weise widerspiegeln.

Die Space Invader -Figuren wurden von 1978 von Tomohiro Nishikado entworfen, es sind einfache 8-Bit-Grafiken, die fremde, außerirdische Lebensformen  darstellen. Ich nutze diese minimalistischen Icons nun als eine Metapher für Migranten oder Aliens, Fremde. Die Symbole, die sich aus etwa 50 Pixeln pro Figur zusammensetzen, lassen sich aus den Plastiktaschen leicht nachbilden.

C&: In deinem künstlerischen Statement verwendest du Worte wie “fabric” (Stoff, Gewebe) und “fabrication” (Herstellung, Fertigung, aber auch Erfindung, Fälschung), um deine Arbeit zu beschreiben. Warum?

DH: In meiner Kunst ist der Prozess des Webens eine Art Fertigungsverfahren, und das Endergebnis kann man als ein Gewebe bezeichnen. Gleichzeitig aber schwingt in dem englischen Wort “to fabricate” auch die Bedeutung imitieren, fingieren, fälschen mit, und mir gefällt diese Dichotomie. Das Wort verdeutlicht meine kreative Arbeitsweise und entbindet mich von der Fiktion meiner Arbeit.

Dan Halter, Patterns of Migration, 2015. Found plastic weave bags, custom-made tartan fabric, mannequin legs, and Adidas CLOT ZX Flux. Courtesy of the artist and WHATIFTHEWORLD Gallery

Dan Halter, Patterns of Migration, 2015.
Found plastic weave bags, custom-made tartan fabric, mannequin legs, and Adidas CLOT ZX Flux. Courtesy of the artist and WHATIFTHEWORLD Gallery

C&: Inwiefern ist dein Kunstschaffen politisch?

DH: In gewisser Weise ist Kunst immer politisch. Meine Arbeit mag offen politisch wirken, sie ist aber gleichzeitig auch zutiefst persönlich. Die Fragen, mit denen ich mich auseinandersetze, klingen tief in mir nach und ich habe ein starkes Bedürfnis, diese Themen einem Publikum zu vermitteln. Dass und inwiefern meine Kunst politisch ist, hat etwas damit zu tun, wo ich geboren bin und wo ich gelebt habe. Politische Fragen spielen eine entscheidende Rolle im Leben des durchschnittlichen Bürgers in Südafrika, wahrscheinlich mehr als in den so genannten entwickelten Nationen. Sie durchdringen unsere Kultur.

Dan Halter (Whatiftheworld) zeigt seine Arbeiten in der Armory Show Focus: African Perspectives in New York

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Ein Gespräch von Aïcha Diallo

 

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