Obidike Okafor about the exhibition 'The Progress of Love'

Den Facetten von Liebe eine Stimme verleihen

'The Progress of Love' at the CCA Lagos successfully and critically engages with the subject of love as a concept and changing narration in contemporary African art

Installation view of the 'Progress of Love' exhibition at the CCA,Lagos gallery. Photo by Jude Anogwih

Installation view of the 'Progress of Love' exhibition at the CCA,Lagos gallery. Photo by Jude Anogwih

By Obidike Okafor
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Die Ausstellung “The Progress of Love” im Centre of Contemporary Art in Lagos beleuchtet erfolgreich und kritisch das Thema Liebe als Konzept und widmet sich der sich wandelnden Erzählweise in der zeitgenössischen afrikanischen Kunst.

Die Frauen sitzen nackt da, mit gespreizten Beinen. Der Besucher kann die Zeichnungen mögen oder peinlich finden. Einige Meter weiter: eine Installation, bestehend aus 20 Penissen verschiedener Größe, deren Aussage zu sein scheint: Unsere Welt ist eine Welt der Männer, ob wir wollen oder nicht. Das sind Gedanken aus Valerie Okas Beitrag im Rahmen der facettenreichen Ausstellung The Progress of Love.

Das Zentrum für Zeitgenössische Kunst in Lagos (CCA) arbeitet mit der Menil Collection in Houston zusammen. Beide erkunden die sich wandelnden Arten und Bedeutungen der Liebe und nutzen dabei Performance, Installation, Video und Fotografie. Die Projektorganisation liegt in den Händen von Bisi Silva, Direktorin des CCA in Lagos, sowie Kristina Van Dyke, der ehemaligen Kuratorin für die Bereiche Sammlungen und Forschung der Menil Collection. Die Ausstellung wird sowohl an beiden Standorten als auch in der Pulitzer Stiftung für Kunst in St. Louis zu sehen sein.

Die Ausstellung im CCA betrachtet die Frage oder auch das Problem der Liebe aus der Sicht der Performance-Künstler Jelili Atiku (Nigeria) und Wura-Natasha Ogunji (USA), durch Installationen und Zeichnungen von Temitayo Ogunbiyi (Nigeria) und Valérie Oka (Elfenbeinküste) oder aber die bewegten Bilder von Zanele Muholi (Südafrika), Andrew Esiebo (Nigeria) und Adaora Nwandu’s (Nigeria). Die Beiträge der KünstlerInnen werden durch Diskussionen ergänzt. Auf einer abschließenden Schau werden schließlich alle Werke zusammengeführt.

Wie können wir also Liebe berechnen und verstehen? Wie können wir angemessen unsere Liebe bezeugen? Haben wir ein Recht auf Liebe oder müssen wir sie uns verdienen? Die Schau The Progress of Love öffnet mit Zeichnungen, einer Installation sowie Video- und Performance-Installationen von Valerie Oka. Die Hauptpersonen in ihrem visuellem Spektakel sind Frauen; der Galerieraum ist invadiert von zahlreichen Bildern und Silhouetten nackter Frauen, die körperliche und psychische Traumata darstellen, die ihnen durch Ablehnung, Schmerz und Gewalt widerfahrend sind. Doch auch Liebe, Leidenschaft und Freude in der menschlichen Interaktion sind zu sehen. Diese Schau bewirkt bei den so konservativen AfrikanerInnen so einige kunstgerechte Verdauungsstörungen: mit ihrem Fokus auf sinnlicher Intimität überfordert Valerie Oka ein Publikum, das gerade erst eigene Wege angesichts globaler Trends sucht. Das Projekt nimmt uns mit auf eine Reise der Selbst-Schau und wirft Fragen zu Liebe und Individualismus auf.

Als nächstes treffen wir in der Schau am 15. November auf Wura Natasha Ogunjis Performance Die Schildkröte schreitet majestätisch übers Fensterbrett, in der sie ihren Körper benutzt, um Details ihrer eigenen Geschichte zu erspüren. Danach kommt in schneller Abfolge eine zweiteilige Performance von Jelili Atiku, A Part of Me is Missing, in der er ein Loblied auf die Toten aufführt, so als wären diese anwesend. Dann verlassen wir die Performance und landen bei Projektionen von Zanele Muholis preisgekröntem Dokumentarfilm Difficult Love (2010) mit   Filmemacher Peter Goldsmid, Andrew Esiebos Multimediastück Living Queer African (2007), Adaora Nwandus Say My Name und einer Installation von Temitayo Ogunbiyi. In Difficult Love richtet Muholi die Kamera auf das ein obdachloses Paar, das unter einer Brücke lebt, einen transsexuellen traditionellen Heiler und eine lesbische Single-Mutter sowie auf den Künstler und liefert damit ein ehrliches Porträt ihrer Lebens- und Alltagswelten.

Andrew Esiebo dokumentiert in Living Queer African den Alltag eines jungen Kameruners, der mit seinen beiden Identitäten als Afrikaner und Schwuler in Frankreich zu kämpfen hat. Adaora Nwandu erzählt in Say My Name eine moderne Liebesgeschichte mit konfliktvollen Gefühlen in Bezug auf Maskulinität, Sexualität, Rasse, Selbst-Definition und Liebe. Temitayo Ogunbiyi erkundet, wie Liebe im SMS-Format übermittelt wird, was in Lagos die wahrscheinlich beliebteste Form moderner Kommunikation ist.

Viele AfrikanerInnen sind konservativ in Bezug auf ihre Gefühle, weil Kultur Gefühle in eine Schublade steckt. The Progress of Love schlägt jedoch die richtigen Saiten an, indem sie zum einen den Liebesfacetten eine Stimme verleiht und die Betrachter zum anderen auch daran erinnert, dass Liebe ein wichtiger Bestandteil menschlicher Interaktion ist. Es gelingt der Ausstellung auch, Themen anzugehen, die entweder als Tabu angesehen werden oder hinter vorgehaltener Hand fast unhörbar zur Sprache kommen: Sexualität und geschlechtsspezifische Gewalt.

The Progress of Love”, 13. Oktober 2012 – 27 Januar 2013, CCA Lagos

www.ccalagos.org

 

 

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