Die Kunstmarkt-Trends für 2016 & 2017

Messeerfolge und Marktgesetze

2016 haben neue Messen, Auktionen und Galerien mit Afrika-Fokus den Trend gestützt. Doch wie lange bleibt das spannend? Und was passiert 2017? Rückblick und Preview auf einen pulsierenden Markt. 

Michele Mathison Plot, 2015 steel and plaster 44 parts. Copyright the artist, courtesy Tyburn Gallery

By Camilla Péus
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Es war ein gutes Jahr für die Kunst, vor allem aus afrikanischer Perspektive. Bei der New Yorker Armory Show im März lenkten die Kuratorinnen Julia Grosse und Yvette Mutumba mit „African Perspectives“ den Fokus auf 14 Galerien mit Arbeiten aus Afrika und der Diaspora. Besucherrekorde verzeichnete ein halbes Jahr später die vierte Ausgabe der 1:54 Contemporary African Art Fair im Londoner Somerset House. Und auch die Messe AKAA (Also known as Africa) in Paris meldete im November Verkäufe von allen 30 vertretenen Galerien.

In Afrika selbst zog die Cape Town Art Fair im Februar neben lokalen Big Names wie Goodman, Stevenson und Momo internationale Händler aus London, Italien und Deutschland an. Die ohnehin erfolgreiche Joburg Art Fair steigerte ihre Verkäufe beinahe um das Doppelte. Und bei der noch jungen Art X Lagos gingen Anfang November etliche Werke an hauptsächlich nigerianische Sammler.

Mohau Modisakeng Untitled (Metamorphosis 3), 2015 inkjet print on Epson UltraSmooth. Copyright the artist, courtesy Tyburn Gallery

Mohär Modisakeng, Untitled (Metamorphosis 3), 2015. Inkjet print on Epson UltraSmooth. Copyright the artist, courtesy Tyburn Gallery

Der Erfolg der Messen spiegelt das wachsende Interesse für die zeitgenössische Kunstproduktion Afrikas wider, auf dem Kontinent selbst und im Ausland. Junge ebenso wie Langzeit-Sammler setzen auf das Preissteigerungs-Potential. Andere erweitern mit etablierten Namen wie El Anatsui, Yinka Shonibare, William Kentridge oder Wangechi Mutu ihre internationalen Sammlungen. Parallel dazu sorgte auch der Ausstellungserfolg Beauté Congo Kitoko in der Pariser Fondation Cartier für Aufsehen.

Angespornt durch die neue Kunstvielfalt und den blühenden Markt eröffneten in den letzten beiden Jahren zahlreiche Galerien mit Afrika-Schwerpunkt: Von London aus vertreten junge Galeristen bei Tyburn oder 50Golborne aufstrebende Künstler wie Mohau Modisakeng und Cyrus Kabiru. Die CIRCA Gallery London stellt in Zusammenarbeit mit Everard Read und CIRCA aus Südafrika vor allem südafrikanische Künstler*innen in Chelsea vor. Art meets Camera aus Kapstadt konzentriert sich auf junge Fotokunst, Art Twenty One in Lagos auf Kunst aus Westafrika. Und die Circle Art Gallery in Nairobi will zur wichtigsten Adresse für ostafrikanische Kunst werden.

El Anatsui, Peju's Robe 2006. Courtesy Bonhams

El Anatsui, Peju’s Robe 2006. Courtesy Bonhams

Derart viel Bewegung auf einem relativ jungen Markt veranlasste auch Auktionshäuser dazu, sich neu zu positionieren: In der Hoffnung, neue Sammler zu gewinnen, teilte Bonhams 2015 seine Afrika-Sektion in eine moderne und eine zeitgenössische Sparte. Bei der Auktion Post-War and Contemporary Art im Februar 2016 wurde El Anatsuis Peju’s Robe für rund 960.542 Euro inklusive Zuschlag verkauft. Auch die Auktion Africa Now – Modern Africa im Mai hielt den kühnen Erwartungen stand: 85 Prozent der Lose wurden verkauft, darunter Ben Enwonwus Spirit of Ogolo für 260.500 Euro (Schätzpreis zwischen 119.000 und 178.000), was der bisherige Höchstpreis für ein Ölgemälde des Nigerianers war. El Anatsuis Used Towel markierte außerdem mit 210.144 Euro einen neuen Auktionsrekord für eine Holzskulptur des Ghanaers. Insgesamt zehn neue Weltrekorde seien aufgestellt worden, schwärmte Bonhams Direktor für afrikanische Kunst, Giles Peppiatt. Im vergangenen Jahr hatte er geschätzt, dass sich 2016 die Umsätze in diesem Kunstsektor für Bonhams verdoppeln würden.

Bonhams Auktion Africa Now – Contemporary Africa im Oktober allerdings verfehlte deutlich ihr Ziel. Werke von Valente Malangatana, William Kentridge, Meschac Gaba und Sokari Douglas Camp blieben unverkauft. Eine Holz-Schnitzarbeit von El Anatsui sowie ein Gemälde von Dominique Zinkpe wurden zurückgezogen. Von 60 Losen fanden über die Hälfte keinen Käufer. Internationale Sammler für Gegenwartskunst aus Afrika zu begeistern, schlug zumindest in diesem Anlauf gründlich fehl. Oder lag es daran, dass man viele, unter anderem bereits verstorbene Künstler wie Frédéric Bruly Bouabrè oder Malangatana eigentlich im Bereich der afrikanischen Moderne verortete? Das Vertrauen in einen sich zwar konstant positiv entwickelnden aber doch sehr jungen und vielseitigen Markt ist noch wackelig.

Darin liegen für kenntnisreiche Sammler aber auch Chancen: Arbeiten äthiopischer Malerstars aus den 1970er Jahren wie Gebre Kristos Desta oder Alexander Boghossian werden etwa auf Auktionen häufig wesentlich günstiger angeboten, als sie Händler wie etwa Addis Fine Art verkaufen. Neue, jüngere Käuferschichten könnten ohne hohes Risiko experimentieren. Auf diese Strategie setzt zum Beispiel Nigerias Auktionshaus Arthouse Contemporary Lagos, das junge Sammler mit der Reihe „Affordable Art Auction“ neugierig auf den Kunstkauf machte. Auch Sotheby’s fährt diese Strategie – und macht damit nun Bonhams, bisher erste Adresse für Kunst aus Afrika, Konkurrenz.

Malangatana Valente Ngwenya, Untitled signed and dated 'Malangatana/ 1998' (lower right). Oil on board. Courtesy Bonhams

Malangatana Valente Ngwenya, Untitled signed and dated ‚Malangatana/ 1998‘ (lower right). Oil on board. Courtesy Bonhams

Sotheby’s witterte gute Geschäfte, warb Hannah O’Leary von Bonhams ab und machte sie zur Chefin des Bereichs „Moderne und zeitgenössische afrikanische Kunst“. Die Expertin wünscht sich, dass etliche Auktionsrekorde aufgestellt werden. „Es ist Zeit für eine Preiskorrektur des Marktes“, so O’Leary. „Einerseits kann man großartige Arbeiten bedeutender afrikanischer Künstler*innen für fünfstellige Summen auf Auktionen erwerben, andererseits kann ich die Werke afrikanischer Künstler*innen, die über eine Million Pfund erzielt haben, an einer Hand abzählen.“ Diese Preis-Anomalie möchte sie ausgleichen und Aufmerksamkeit für diesen extrem unterrepräsentierten Markt wecken.

Die ernüchternden Auktionsergebnisse der jüngsten Vergangenheit entmutigen sie nicht: „Wir wollen vor allem neue Sammler für das Gebiet begeistern und unterrepräsentierte Künstler*innen mit großem Potential anbieten – auch außerhalb des Auktionssaals, etwa durch unsere Zusammenarbeit mit Messen, Institutionen und durch Künstler-Vorträge.“ Ob das funktioniert, wird sich im Mai 2017 auf der ersten Sotheby’s-Auktion Modern and Contemporary African Art zeigen, bei der voraussichtlich Arbeiten von William Kentridge, Romuald Hazoumè, Chéri Samba, Gerard Sekoto, Julie Mehretu und Ibrahim El-Salahi unter den Hammer kommen.

Der Markt für moderne und zeitgenössische Kunst aus Afrika jedenfalls birgt noch viel Luft nach oben: Er beträgt nur rund $20 Millionen, beziehungsweise 0,0003 Prozent des geschätzten globalen Kunstmarktumsatzes von $63,8 Milliarden (2015 TEFAF Art Market Report).

Die Aussichten für 2017 sind gut, schaut man sich allein die Event-Dichte an. Auf Bonhams Auktion Africa Now – Modern Africa (15.2.) folgen die Cape Town Art Fair (17. – 19.2.), die neu kuratierte Art Africa Fair in Kapstadt (24.2.-5.3.) und die ebenfalls neue Art Paris Art Fair (30.3.-2.4.), auf der Afrika Ehrengast ist. Im Mai (4.-7.5.) geht die New York-Ausgabe der 1:54 parallel zur Armory Show in die dritte Runde. Und im September eröffnet das spektakuläre ZEITZ MOCAA (Museum of Contemporary African Art) in Kapstadt in einem umgebauten Silo aus den 1920er Jahren.

 

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