Indonesia meets Nigeria

Den Norden umgehen

C& im Gespräch mit Alia Swastika, der dynamischen Kuratorin der diesjährigen Biennale Jogja, über die Kooperation mit Nigerianischen Kunstschaffenden.

Emeka Udemba, Opening Performance. Photo credits Kelas Pagi Yogyakarta and Biennale Jogja XIII. Courtesy of Biennale Jogja

By Christina Schott
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Mit Alia Swastika wählte die Biennale Jogja im Oktober 2014 eine der bemerkenswertesten jungen Kuratorinnen Indonesiens zur neuen Direktorin. Die 35-jährige Kommunikationswissenschaftlerin trug nach der demokratischen Öffnung des Landes mit Essays und Veranstaltungen entscheidend dazu bei, wieder neuen Schwung in den Diskurs über indonesische kontemporäre Kunst und Kultur zu bringen. 2005 arbeitete sie im Rahmen eines Austauschprogramms an der Ufa-Fabrik in Berlin, ein Jahr später reiste sie mit einem Stipendium zur Asia Society in New York. Neben ihrer Arbeit als Kuratorin für die renommierte Ark Galerie in Jakarta kuratierte sie Ausstellungen in Shanghai und Singapur und wurde 2011 Co-Kuratorin der ersten Jogja Biennale in der Äquator-Reihe mit Partnerland Indien. 2012 war sie verantwortlich für den Indonesien Marker Focus bei der Art Dubai und Co-Artistic Director bei der Gwanju Biennale in Südkorea. Seit 2013 leitet sie die nach Jogjakarta umgezogene Ark Galerie.

 

From left to right. Rain Rosidi (Artistic Director), Jude Anogwih (Associate Curator), Alia Swastika (Director Biennale XIII), Wok the Rock (Curator). Courtesy of Biennale Jogja

From left to right. Rain Rosidi (Artistic Director), Jude Anogwih (Associate Curator), Alia Swastika (Director Biennale XIII), Wok the Rock (Curator). Courtesy of Biennale Jogja

 

Christina Schott: Was unterscheidet die Jogja Biennale von anderen Biennalen?

AS: Wir arbeiten nun zum dritten Mal mit einem Partnerland zusammen, das am Äquator liegt. Mit diesem Konzept bemühen wir uns, nicht dem Mainstream zu folgen. So entfernen wir uns zwar von New York, Paris oder Hongkong, nähern uns aber Orten, mit denen uns eine ähnliche Geschichte und vor allem ein gemeinsamer Spirit verbinden. Anders als andere Biennalen, die meist von oben herab organisiert werden, entstand unsere Bewegung aus der lokalen Kunstszene. Wie erhalten darauf aus aller Welt sehr positive Reaktionen.

CS: Dennoch wird die Jogja Biennale zu 70 Prozent von der Regierung finanziert. Lassen sich die Ideen der Künstler mit denen der Offiziellen vereinen?

AS: Zum 60-jährigen Jubiläum der ersten Asien-Afrika-Konferenz in der Stadt Bandung lud die indonesische Regierung im April dieses Jahres die ehemaligen Teilnehmerstaaten ein. Allerdings ging es dabei nur um politische und wirtschaftliche Beziehungen. Wir dagegen wollen die kulturellen Beziehungen zwischen den südlichen Partnerländern wieder stärken. Die größte Herausforderung dabei, ist die komplizierten, bürokratischen Hürden zu überwinden – zum Beispiel um Reisen auf Staatskosten genehmigt zu bekommen. Doch grundsätzlich ist die aktuelle Regierung unseren Ideen gegenüber offen: Anders als früher gibt es einen Dialog darüber, was sinnvoll ist und was nicht. Noch haben längst nicht alle offiziellen Stellen den kulturellen und wirtschaftlichen Wert der Biennale erkannt, aber die meisten Beamten sind zunehmend stolz darauf, dass Jogjakarta – und Indonesien – durch den Event viel positive Aufmerksamkeit erhalten.

 

 

Joned Suryatmoko, Margi Wuto, 2013. Courtesy of Biennale Jogja

Joned Suryatmoko, Margi Wuto, 2013. Courtesy of Biennale Jogja

CS: Was unterscheidet die Jogja Biennale von anderen Biennalen?

AS: Wir arbeiten nun zum dritten Mal mit einem Partnerland zusammen, das am Äquator liegt. Mit diesem Konzept bemühen wir uns, nicht dem Mainstream zu folgen. So entfernen wir uns zwar von New York, Paris oder Hongkong, nähern uns aber Orten, mit denen uns eine ähnliche Geschichte und vor allem ein gemeinsamer Spirit verbinden. Anders als andere Biennalen, die meist von oben herab organisiert werden, entstand unsere Bewegung aus der lokalen Kunstszene. Wie erhalten darauf aus aller Welt sehr positive Reaktionen.

CS: Dennoch wird die Jogja Biennale zu 70 Prozent von der Regierung finanziert. Lassen sich die Ideen der Künstler mit denen der Offiziellen vereinen?

AS: Zum 60-jährigen Jubiläum der ersten Asien-Afrika-Konferenz in der Stadt Bandung lud die indonesische Regierung im April dieses Jahres die ehemaligen Teilnehmerstaaten ein. Allerdings ging es dabei nur um politische und wirtschaftliche Beziehungen. Wir dagegen wollen die kulturellen Beziehungen zwischen den südlichen Partnerländern wieder stärken. Die größte Herausforderung dabei, ist die komplizierten, bürokratischen Hürden zu überwinden – zum Beispiel um Reisen auf Staatskosten genehmigt zu bekommen. Doch grundsätzlich ist die aktuelle Regierung unseren Ideen gegenüber offen: Anders als früher gibt es einen Dialog darüber, was sinnvoll ist und was nicht. Noch haben längst nicht alle offiziellen Stellen den kulturellen und wirtschaftlichen Wert der Biennale erkannt, aber die meisten Beamten sind zunehmend stolz darauf, dass Jogjakarta – und Indonesien – durch den Event viel positive Aufmerksamkeit erhalten.

 

CS: Wieso hat sich das Biennale-Komitee dieses Jahr für Nigeria als Partnerland entschieden?

AS: Nachdem wir zuvor mit Indien und arabischen Staaten zusammengearbeitet hatten, war klar, dass wir dieses Jahr ein afrikanisches Partnerland wollten. Nigeria spielt eine wichtige Rolle in der kontemporären afrikanischen Kunst. Außerdem gibt es viele Parallelen zu Indonesien: eine ehemalige europäische Kolonie, die nach der Unabhängigkeit lange von einem autoritären Regime regiert wurde, bevor sie Ende der 1990er-Jahre demokratisch wurde. Da wir einerseits auf die Unterstützung der Regierung angewiesen sind und zum anderen ja auch die kulturelle Diplomatie anregen wollen, kommen zudem nur Partnerländer in Frage, in denen es eine indonesische Botschaft gibt. Und die Botschaft in Abuja unterstützt uns sehr .

CS: Wie funktioniert die kreative Annäherung an Nigeria?

A.S.: Die indonesischen Künstler, die bisher nach Nigeria reisen konnten, kehren alle voller Inspirationen zurück. Die kontemporäre Kunstszene ähnelt in gewisser Hinsicht der in Indonesien: viele Werke behandeln sozialpolitische Themen, die Gegensätze zwischen arm und reich, Stadt und Land, Moderne und Tradition spielen eine große Rolle. In den internationalen Medien wurde zuletzt über Nigeria fast nur im Zusammenhang von Ebola und Boko Haram berichtet. Das kennen wir aus Indonesien: Internationale Aufmerksamkeit bekommen wir vor allem bei Naturkatastrophen oder islamistischen Bombenanschlägen. Das ist die westliche Perspektive. Im Alltag jedoch – hier wie dort – spielen noch ganz andere Dinge eine Rolle. Diese wollen wir kennenlernen. Aus unserer eigenen Perspektive.

 

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Temitayo Ogunbiyi, ‚Created Just For You‘, text and drawing above food packaging boxes, trays, tables. Photo credits: Kelas Pagi Yogyakarta

 

 

CS: Was ist ihre persönliche Vision für die diesjährige Biennale?

AS: Die Zuschauer sollen nicht nur passiv betrachten, sondern auch aktiv mitmachen: Dieses Jahr wird es deutlich mehr interaktive Werke geben, dazu viele internationale und interdisziplinäre Kollaborationen und Performances. Ich wünsche mir, dass die Biennale nicht nur eine Ausstellung ist, sondern auch ein Ort, an dem alle gemeinsam lernen. Jogjakarta ist bekannt als „Stadt der Lernenden“: Ständig kommen neue Schüler und Studenten von außerhalb, so dass wir jedes Mal ein neues, junges Publikum haben. Ich plane daher spezielle Führungen für Schüler und Studenten, eventuell auch für religiöse Organisationen oder Frauengruppen zum Beispiel. Damit das Wissen der vorangegangenen Biennalen nicht verlorengeht, möchte ich eine Bibliothek aufbauen. Ich sehe dies auch als Beitrag zur Entwicklung der Stadt Jogjakarta.

 

Biennale Jogja XIII Equator #3: Hacking Conflict – Indonesia Meets Nigeria,  November 1, 2015 –  December 10, 2015, Yogyakarta, Indonesia

 

Christina Schott berichtet für weltreporter.net seit mehreren Jahren aus Indonesien und anderen südostasiatischen Staaten. Ihre Themenschwerpunkte sind Umwelt, Energie und Klimawandel sowie Gesellschaft, Kultur und Reise. 

 

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