Venedig Biennale 2017

‘How About Now?’

Die Kuratorin Adenrele Sonariwo erläutert ihr Konzept und erklärt, wie der erste nigerianische Pavillon in Venedig die weitläufige zeitgenössische Kunstszene des Landes repräsentieren will

Qudus Onikeku, Right Here, Right Now

By Jessica Aimufua
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C&: Was erwartet uns in Nigerias erstem Pavillon auf der Biennale di Venezia?

Adenrele Sonariwo: Es wird eine sehr komplexe Erfahrung sein. Da dies unsere Debütvorstellung ist, haben wir beschlossen, in einer Präsentation, die sich aus bildhauerischen Elementen, Installation und Performance zusammensetzt, eine möglichst vielschichtige, multidimensionale Geschichte zu erzählen. Wir werden eine Geschichte über die Zeit erzählen: unsere Ausstellung mit dem Titel „How About NOW?“ wird eine Meditation über Zeit- und Identitätsbegriffe als Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit den Anforderungen der Gegenwart. In unserer Reflektion über das „NOW“, die Jetztzeit, beschäftigen wir uns mit unseren Mythen und unserer Geschichte, als Land und als Gesellschaft – Nigeria – aber auch mit der Frage, wie wir gegenwärtige Narrativen in einer fragmentierten, aber vernetzten Gegenwart miteinander verknüpfen wollen. Wir haben drei nigerianische Künstler_innen ausgewählt, die aktuell auf einem Höhepunkt ihrer Karriere stehen. Wer die Kunst- und Kulturszene in Nigeria und Afrika ein bisschen beobachtet, wird sie sicher kennen: Peju Alatise, Victor Ehikhamenor und Qudus Onikeku. Und wer noch nichts von ihnen gehört hat, hat JETZT die Gelegenheit, ihre Arbeit in unserem Pavillon zu entdecken.

Peju Alatise, Flying Girls

C&: Welche Auswirkungen hat die diesjährige Beteiligung an der Biennale di Venezia auf die künstlerische Landschaft Nigerias?

 AS: Einzelne nigerianische Künstler_innen haben sich auf der globalen Ebene bereits einen Namen gemacht. Nigerianische Kunstwerke finden sich heute in wichtigen öffentlichen und privaten Sammlungen auf der ganzen Welt. Mit der Beteiligung an der Biennale haben wir nun die Gelegenheit, uns auch gemeinsam als starke Stimme zu präsentieren. Die Teilnahme an der Biennale ist damit eine Chance sowohl für die mitwirkenden Künstler_innen als auch für die zeitgenössische nigerianische Kunstszene insgesamt. Wir gewinnen als Kunstmarkt in einem globalen Kontext an Präsenz. Und wir zeigen, dass wir für Investitionen in der Kunstbranche offen sind. Nigerias Kunstlandschaft wird sicherlich davon profitieren, dass nunmehr auch diese Tür geöffnet wurde.

C&: Wie würden Sie Ihren kuratorischen Ansatz beschreiben?

 AS: Die zentralen Elemente sind hier die Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart, wobei wir es als unsere Aufgabe verstehen, Verbindungen herzustellen. Die Ausstellung How About Now? soll eine Kontemporanität wachrufen, die ein breites Spektrum an ideologischen Möglichkeiten umfasst und das Vergangene, das Neue oder Moderne oder auch das Postkoloniale mit einbezieht. Die Präsentation im Pavillon stellt die gezeigten Werke in einen zeitlichen Rahmen, aber auch in einen Zusammenhang mit dem Umfeld, in dem nigerianische Künstler­_innen heute arbeiten. Gleichzeitig werden die künstlerischen Vorstellungswelten mit dem Kontinuum der Erfahrungen und Komplexität unserer nationalen Identitäten verlinkt. Im vergangenen Jahrhundert entstand eine Vielzahl künstlerischer Narrative, viele kleine Meilensteine haben sich aneinandergereiht und den Weg bereitet für diesen besonderen Moment, eine Ausstellung auf der wichtigsten Kunstbiennale der Welt. Das letzte Mal, dass Nigeria sich so vereint zu einem konzertierten Großereignis der Kunstwelt zusammenfand, war im Jahr 1977: beim „FESTAC ’77“, dem „Second World Black and African Festival of Arts and Culture“. Seitdem hat die nigerianische Gesellschaft politische und soziale Wandlungen durchlebt, die in unserem kollektiven Bewusstsein deutliche Spuren hinterlassen haben. In Anbetracht dessen versucht How About Now? nun die Gegenwart zu heraufzubeschwören wie ein Avatar: mit einem Rückgriff auf die Geschichte und einer Spekulation über die Zukunft. Weder nostalgisch noch eskapistisch bestehen wir darauf, über Nigerias Vergangenheit und Zukunft nachzudenken, um das verwobene und komplexe Wesen der Zeit zu begreifen.

 

Interview von Jessica Aimufua.

 

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