Brothers in Arms:

Brothers in Arms: Laboratoire AGIT’art und Tenq in Dakar in den 1990er Jahren’,

In the space of three weeks between April and May 1996, the parallel histories of Chinese migrant labour and Senegalese art practice unexpectedly overlapped to produce an event in Dakar that would leave permanent traces in the landscape of the Biennale.

El Sy holding a red folder found on site Magaye Niang and the camp guard Monsieur Seck in front of containers filled with red gravel for the sports stadium, 1996. Photo: Clémentine Deliss

By Clémentine Deliss
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Im April und Mai 1996 kam es in Dakar für drei Wochen zu einer überraschenden Überlagerung der Geschichte der chinesischen Wanderarbeiter mit der des senegalesischen Kunstschaffens, aus der ein Projekt hervorging, das dauerhafte Spuren in der Landschaft der Biennale hinterlassen sollte. Der damalige senegalesische Kultusminister, der Philosoph und Schriftsteller Abdoulaye Elimane Kane, übergab dem Künstler und Kurator El Sy, einem der führenden Köpfe des Kollektivs TENQ, und mir die Schlüssel zu einem leer stehenden chinesischen Barackenlager in der Nähe des Flughafens.

El Sy, Chika Okeke and Issa Samb visiting the brick-pressing plant. The Chinese laborers produced the bricks for the sports stadium, 1996. Photo Clémentine Deliss

El Sy, Chika Okeke and Issa Samb visiting the brick-pressing plant. The Chinese laborers produced the bricks for the sports stadium, 1996. Photo: Clémentine Deliss

Als wir das Gelände übernahmen, gab es weder Strom noch fließendes Wasser. Elf Baracken waren in kleine Schlafräume für fünfhundert Arbeiter unterteilt, außerdem gab es eine große Kantine und Nasszellen sowie eine Presse zur Herstellung von Ziegeln, Ginseng-Vorräte und stapelweise Pläne und technische Zeichnungen in Mandarin. Anfang der 1980er Jahre hatten zahlreiche westafrikanische Staaten im Tausch gegen diplomatische Unterstützung und Handelsprivilegien die chinesische Regierung mit der Planung und dem Bau von Sportstadien beauftragt. Die Chinesen brachten damals ihre eigenen Arbeiter mit in den Senegal und errichteten in den Vorstädten provisorische Unterkünfte für sie. Nachdem die Bauvorhaben abgeschlossen waren, verließen die meisten chinesischen Arbeiter den Senegal wieder. Diejenigen, die in Dakar blieben, zogen aus dem Lager aus, so dass es über acht Jahre lang leer stand. Das Lager hatte ein eigenes raffiniertes Bewässerungssystem und Mangobäume in Hülle und Fülle, aber es war heruntergekommen und verdreckt.

Magaye Niang Clémentine Deliss and El Sy preparing for a meeting with the Minister of Culture 1996 Photo Mor Lyssa Ba

Magaye Niang, Clémentine Deliss and El Sy preparing for a meeting with the Minister of Culture, 1996. Photo: Mor Lyssa Bâ

Drei Wochen später, im Mai 1996, öffnete TENQ, das sich als künstlerischer Begegnungsort verstand, die Tore des chinesischen Wanderarbeiterlagers für die Außenwelt. Die dünnen Trennwände in den Baracken waren durchbrochen worden, und den GastkünstlerInnen, die aus Kenia, Simbabwe, Südafrika, Côte d’Ivoire, Nigeria und aus dem Vereinigten Königreich angereist waren, um für zwei Wochen gemeinsam auf dem Gelände zu wohnen und zu arbeiten, wurden Ateliers zugeteilt. In der ehemaligen Kantine wurde ein Ausstellungsraum eingerichtet, und an die Wände der Baracke wurde ein Manifest mit der Eröffnungsankündigung geklebt.

TENQ 96 hatte etwas Zündstoffgeladenes und rang um eine neue Identität im Spannungsfeld zwischen der lokalen Geschichte von Künstlern besetzter Gebäude und deren Räumung durch die Regierung auf der einen, und dem durch den neuen Internationalismus geforderten Profilierungs- und Produktionsdruck auf der anderen Seite. Zwar sollte das Gelände ursprünglich nur für das zweiwöchige Kunst-Projekt genutzt werden, doch El Sy und die Kerngruppe verließen das “Village des Arts” anschließend nicht mehr, und einige KünstlerInnen leben bis heute dort. Diese nahezu unantastbare Situation hat der Stadt Dakar zu einer Kunst-Infrastruktur verholfen, die sich als einzige Initiative in Zusammenhang mit der Biennale über viele Jahre bis heute gehalten hat.

Clearing up the camp El Sy explaining what needs to be done with Chika Okeke watching on April 1996. Photo Clémentine Deliss Deliss

Clearing up the camp El Sy explaining what needs to be done with Chika Okeke watching on April 1996. Photo: Clémentine Deliss

Dies ist ein Auszug aus „Brothers in Arms: Laboratoire AGIT’art und Tenq in Dakar in den 1990er Jahren ” , einem Essay von Clémentine Deliss, in Kürze erscheinend in AFTERALL, Ausgabe 36 , im Sommer 2014.

Clémentine Deliss ist Direktorin des Weltkulturen Museums in Frankfurt am Main . Sie studierte zeitgenössischen Kunst -und Sozialanthropologie in Wien, London und Paris und promovierte an der Universität von London. Von 1992 bis 1995 war sie künstlerische Leiterin von africa95 . Ausgewählte Ausstellungen  kuratiert von Clémentine Deliss sind: “Foreign Exchange ( Geschichten, die Du keinem Fremden erzählen würdest)” Weltkulturen Museum ( mit Yvette Mutumba ) 2014 ; “Objekt Atlas – Feldforschung im Museum ” Weltkulturen Museum , 2012 ; “Seven Stories About Modern Art in Africa” ??, Whitechapel Gallery, London , 1995, und Malmö Kunsthalle , 1996; Lotte or the Transformation of the Object” , Steirischer Herbst , Graz, und der Akademie der Bildenden Künste Wien , 1990; Zwischen 1996-2007 produzierte sie elf Ausgaben der internationalen Schriftsteller -und Künstler Zeitung Metronome, das erst Mal veröffentlicht in Dakar im Jahr 1996. Zwischen 2002 und 2009 leitete sie das internationalen Forschungslabor Zukunftsakademie in Dakar.

 

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