Looking back I

Authentic/ Ex-Centric: Africa In and Out of Africa, 2001

The opening of 'Authentic/Ex-centric: Africa In and Out of Africa' at the 49th Venice Biennale in 2001 marked a vital moment in the history of exhibitions of African art. Curated by Olu Oguibe and Sallah Hassan, ...

Berni Searle. Untitled (From the 'Colour Me' series), 1998. (c) Berni Searle.

Berni Searle. Untitled (From the 'Colour Me' series), 1998. © Berni Searle.

By Loren Hansi Momodu
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Die Ausstellung Authentic/Ex-centric: Africa In and Out of Africa auf der 49.  Biennale in Venedig (2001), die von Olu Oguibe und Sallah Hassan kuratiert wurde, stellt einen bedeutenden Moment in der Ausstellungsgeschichte afrikanischer Kunst dar. Sie setzte ein starkes Zeichen für die Einbeziehung afrikanischer Künstler in die bis dahin westlich geprägte Biennale wie auch in die ähnlich exklusiven Narrative des konzeptuellen und postmodernen Kunstschaffens.

In ihrer gemeinsamen kuratorischen Stellungnahme, die im Begleitkatalog abgedruckt ist, positionierten Oguibe und Hassan die Ausstellung als „Intervention in die Erzählmuster der zeitgenössischen Kultur, als Wiederaufnahme ansonsten wahrscheinlich überschlagener Kapitel und den Versuch, Verantwortung für das Erzählen der eigenen Geschichte zu übernehmen.“[1]

Die im Katalog verzeichneten kritischen Texte weisen auf die konzeptuelle Praxis in Afrika hin, die sich in den 70er Jahren nach dem Jahrzehnt der Unabhängigkeitsbewegungen etabliert hat. Im Sudan rief Muhammad Shaddad bereits 1971 eine Konzeptkunst ins Leben, die er als Kritik an der älteren Generation sudanesischer Künstler verstand. Er stellte den Wert des Kunstobjekts in Frage und lud sein Publikum ein, sich aktiv an seinem Werk zu beteiligen. Shaddad war Mitbegründer der Crystalist Group und einer der Autoren deren Manifests, das das Universum als einen Kristallwürfel beschreibt, in dem die „Menschen Gefangene eines absurden Schicksals sind.“[2] In einer bahnbrechenden Ausstellung der Chrystalist Group von 1978 soll Shaddad „Stapel schmelzender Eiswürfel ausgestellt haben, die von durchsichtigen, mit gefärbtem Wasser gefüllten Plastiktüten umgeben waren.“[3] Die Verwendung derartiger Materialien suggeriert eine Kombination ästhetischer und konzeptueller Ideen. Denn wie Shaddad postuliert, ist das Werk viel mehr als die Summe seiner Teile.

Die Geschichte der Konzeptkunst in- und außerhalb Afrikas ist und bleibt ein produktives Gebiet für Künstler, die sich über Begriffe wie Identität, Geschlecht oder gesellschaftliche Stellung Gedanken machen. Die Biennale von 2001 und insbesondere die Ausstellung Authentic/Ex-centric: Africa in and out of Africa sind das Fundament, auf dem heutige Künstler ihr Narrativ gründen und das sie nutzen, um ihre Position innerhalb der Geschichte der Konzeptkunst zu behaupten. Die Ausstellung, die Arbeiten von sieben Künstlern aus Afrika und der Diaspora präsentierte, verdeutlichte den beständigen Austausch zwischen Afrika und der westlichen Welt, der sich unter anderem in der starken Präsenz von Künstlern ausdrückte, die in Europa, den USA und Afrika leben und arbeiten und von daher einen multiperspektivischen Blick einnehmen. Die Arbeiten von Willem Boshoff, Maria Magdalena Campos-Pons, Godfried Donkor, Rachid Koraïchi, Berni Searle, Zineb Sedira und Yinka Shonibare wurden ausgewählt als „die aktuellsten Beispiele konzeptueller Intervention in der zeitgenössischen afrikanischen Kunst“[4]. Noch im Jahr 2001 lag die Notwendigkeit dieser „Einbeziehung“ afrikanischer Künstler in deren fast vollständiger Abwesenheit in den Kunstarenen weltweit begründet. Die Geschichte der afrikanischen Konzeptkunst, die von diesen Künstlern weitergetragen wurde und die durch die Teilnahme an der Biennale eine Aufwertung erhielt, verdient weiter erforscht zu werden, da die Konzeptkunst afrikanischer Künstler in- und außerhalb Afrikas nach wie vor in Form von Performances, Installationen, Fotografie, Videokunst und Skulpturen virulent ist.

Wenn wir die Arbeit von Berni Searle herausgreifen, ist dies nur eine von vielen Routen auf der Reise durch die afrikanische Konzeptkunst in Authentic/Ex-centric. Die südafrikanische Künstlerin setzt in ihrer Reihe Colour Me (deutsch: Färbe mich, 1998-2000) ihren eigenen nackten Körper ein und überzieht ihn mit Schichten gefärbter Gewürze. Auf diese Weise legt sie den Fokus auf den Körper der afrikanischen Frau und stellt die Hierarchien der Hautfarbe, die die südafrikanische Gesellschaft beherrschen, in Frage. Gewürze, Haut, Körper werden als Materialien verwendet, und anhand der symbolisch aufgeladenen Farben Rot, Weiß, Braun und Gelb zeichnet die Künstlerin die Kolonialgeschichte und die Durchmischung verschiedener Traditionen nach, die durch die Ostindische Kompanie in Gang gesetzt wurde, sowie die Trennung von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe durch das Apartheidsregime. Indem Searle ihren Blick zum Betrachter wendet, konfrontiert sie ihn auf herausfordernde Weise mit Vorstellungen von Handel, Sexualität und Konflikt. Diese Konzentration auf den Körper, der als Subjekt und/oder Material in das Werk eingebunden wird, ist noch heute ein produktives Mittel jener Künstler, die die Kontextualisierung des postkolonialen weiblichen Körpers problematisieren.

Die fortlaufende Installationsreihe Contained Measures (deutsch: Begrenzte Maße) von Otobong Nkanga kann als eine Fortführung der afrikanischen Konzeptkunst von Shaddad und Searle angesehen werden. Die Künstlerin reflektiert darin die Flüchtigkeit scheinbar feststehender Begriffe wie „Identität“. In Contained Measures of Shifting States (deutsch: Begrenzte Maße veränderlicher Zustände) von 2012 unterhält sich Nkanga über mehrere Stunden mit ihrem Publikum, während sich die Strukturen um sie herum im Laufe der Performance verwandeln: schmelzendes Eis, Filz, Tinte, Dampf, Glyzerin. Künstler wie Ato Malinda, Jelili Atiku, Nathalie Mba Bikoro oder das Kollektiv Ingrid Mawangi und Robert Hutter  – um nur einige wenige zu nennen  – haben auf ihre je eigene Art eine Konzeptkunst entwickelt, die sich mit dem Leben im heutigen Afrika auseinandersetzen und oftmals den Körper des Künstlers oder dessen Bild ins Zentrum stellt.

 

Loren Hansi Momodu ist kuratorische Assistentin an der Tate Modern, London. Aktuelle Ausstellungen und Live-Veranstaltungen: Word. Sound. Power. (Wort. Klang. Kraft.), Ellen Gallagher: AxME, Across the board (In jeder Beziehung), Art in Action (Kunst in Aktion) und Damien Hirst.

 

 

[1] Salah Hassan, Olu Oguibe (eds).  Authentic/ Ex-centric: conceptualism in contemporary african art, Forum for African Arts, 2002, p 8 [[Amazon.com lists the title as Authentic/Ex-Centric: Conceptualism in Contemporary African Art.

[2] Ibid, p18

[3] Ibid, p18

[4] Ibid, p 19

 

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