Im Gespräch mit Edson Chagas

“Ich arbeite meistens in Serien. Es is eine Methode, die zeigt, wie ich fühle.”

Angola hat den Göldenen Löwen der 55. Biennale von Venedig für den besten Pavillion gewonnen. Wir haben den Künstler Edson Chagas getroffen.

Edson Chagas, From the 'Found not taken' series, March, 2013, Luanda, Angola. © E. Chagas

By Suzana Sousa
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Edson Chagas dokumentiert das Alltägliche mit einem konzeptionellen Blick, wobei er sich intensiv mit Fragen wie Konsum, Kapitalismus, Tradition u.a. befasst. In diesem Interview spricht er über sein Projekt Found Not Taken, das während der Biennale von Venedig im Angola Pavilion gezeigt wird – Luanda Encyclopedic City, kuratiert von Beyond Entropy [Paula Nascimento und Stefano Pansera] und in Auftrag gegeben vom angolanischen Ministerium für Kultur.

 

Suzana SousaFound Not Taken wird in Venedig allein mit den Bildern zu sehen sein, die in Luanda aufgenommen wurden, obwohl die Schau ursprünglich Bilder aus weiteren Städten enthielt. Wie funktioniert das im Kontext des Projekts? 

Edson Chagas – Das war die Idee einer der Kuratoren und ich ließ mich darauf ein, weil es die Serie nicht aus dem Zusammenhang reißt. Bis jetzt umfasst die Serie Bilder, die in London, Newport und Luanda aufgenommen wurden. Irgendwie ist das Projekt immer da wo ich bin, und witzigerweise bereiteten sich zu der Zeit all diese Orte auf größere Veranstaltungen vor. In Luanda fand die Fußball-Afrikameisterschaft 2010 statt. Die Städte begegneten dem mit Schwung und einer Stimmung der Erneuerung – in einer Nachahmung der Sanierungsarbeiten, die gerade stattfanden. Und ich stieß auf Gegenstände, die ich fotografieren und wiederverwenden konnte, während andere fast zerstört waren. Während meiner Kindheit in Luanda wurde alles wiederverwendet, und für mich war es etwas Besonders zu beobachten, wie sich die Konsumgewohnheiten veränderten. Ich fand Sofas und Waschmaschinen, aber auch Stühle, das waren die gängigsten Sachen, aber auch andere Gegenstände. Es ging immer um den Gegenstand und seine Interaktion mit dem Raum, der ihn umgibt. Auch was ich fühle, wenn ich ihn betrachte. Es ist ein Lernprozess der Stadt, ihrer Bewohner und ihres Rhythmus.

 

Sousa – Du scheinst dich einerseits auf den Gegenstand und seine Bedeutung in Bezug auf Konsumgewohnheiten zu fokussieren, aber gleichzeitig setzt du dich mit der Stadt und dem städtischen Raum auseinander.

Edson Chagas – Ja, manchmal werde ich gefragt, ob ich zufällig auf den Ort gestoßen bin, um das Foto zu machen, aber es ist nicht immer so unmittelbar. Manchmal sehe ich den Gegenstand und den richtigen Ort für die Aufnahme, in anderen Situationen muss ich den Gegenstand bewegen. Das können zwei Meter oder zwei Kilometer sein, kommt drauf an. Das hilft mir, die Beziehung zu verstehen, die Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln haben – ich habe kein Auto – und die Dynamik der Stadt selbst.

 

Sousa – Liegt darin eine performative Geste? Darin, die Gegenstände hin und her zu bewegen?

Edson Chagas – Vielleicht, daran habe ich noch nicht gedacht, aber es wäre eine zufällige Performance, abhängig vom jeweiligen Gegenstand. Vielleicht ist es eher eine Dynamik, die aus der Stadt selbst kommt.

 

Sousa – Ist das ein Teil des Lernprozesses, den du vorhin erwähntest?

Edson Chagas – Ja, Found Not Taken ist etwas, das ich immer wieder finden und fotografieren werde. Und die Erfahrung, dies in Luanda, London und Newport zu tun ist völlig unterschiedlich.

 

Sousa – Das scheint dein Arbeitsprozess zu sein. Die Serie Oikonomos scheint auch ein laufender Arbeitsprozess zu sein.

Edson Chagas– Ich arbeite gerne so, dass ich immer Raum habe, um die Arbeit weiterzuentwickeln. Die meisten meiner Arbeiten sind Serien. In dieser Methode spiegelt sich, wie ich die Dinge empfinde. Ich arbeite seit einiger Zeit mit Gegenständen, und obwohl der damit zusammenhängende Gedanke die Beziehung spiegelt, die Menschen zu Gegenständen entwickeln, kann eine gewisse Leidenschaft entstehen, das Verhältnis zwischen diesen Gegenständen wahrzunehmen.

 

 

Edson Chagas wurde 1977 in Luanda, Angola geboren. Nach seinem Abschluss in Fotojournalismus am London College of Communication studierte Chagas Dokumentarfotografie an der University of Wales in Newport. Seit 2007 lebt und arbeitet der Künstler in Luanda, wo er seine eigene Arbeitsweise als Fotojournalist entwickelte, die über den üblichen Rahmen dieser Praxis hinausgeht. Edson Chagas nahm an der Trienniale Luanda 2010, SP-Arte & SOSO Arte Contemporânea Africana in São Paulo teil, sowie an einem Workshop, der in Äthiopien von der GIZ – Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit – organisiert wurde und in eine Wanderausstellung mündete, die vom Äthiopischen Nationalmuseum in Addis Abeba bis zum Rheinischen Landesmuseum Bonn reichte. 2012 nahm er am MABAXA-Projekt in Luanda teil, sowie am Festival RAVY – Rencontre d’Arts Visuels – in Yaoundé, Kamerun. 2013 waren seine Arbeiten Teil der Gruppenausstellung NO FLY ZONE am Museu Coleção Berardo in Lissabon, Portugal. Ebenso wurden seine Arbeiten in der Ausstellung „Landscapes“ in der Galerie A Palazzo in Brescia, Italien gezeigt.

Suzana Sousa lebt und arbeitet als freie Kuratorin in Luanda. Sie ist eine der Kuratorinnen der Triennale Luanda 2013 im November und Dezember.

 

‘Luanda, Encyclopedic City’, Angola Pavilion, 55th International Art Exhibition- la Biennale di Venezia

 

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