KLA ART 014 und Kampalas junge Kunstszene

Neue KuratorInnen am Start

Dominic Muwanguzi trifft das Team des diesjährigen Kampala Contemporary Art festival, KLA ART 014: Violet Nantume, Projektmamagerin bei 32⁰ East; Phillip Balimunsi, Künstler; Moses Serubiri, Schriftsteller und Kunstkritiker; Robinah Nansubuga, Projektmanager bei 32⁰ East and Hasifah Mukyala, Makerere Art Gallery.

Helen Zeru Araya, Eri Bekentu, video, sound, 10', loop in collaboration with NIna Schuiki, 2012 (courtesy of the artists)

By Dominic Muwanguzi
Tweet about this on TwitterShare on FacebookEmail to someone

Dominic Muwanguzi: Wie kamen Sie auf das Thema “Unmapped” für die diesjährige KLA ART?

Violet Nantume: In vielen jungen, wachsenden afrikanischen Städten sind die Themen Modernisierung und Urbanisierung sehr populär. Damit gehen eine Vielzahl gesellschaftlicher Veränderungen einher, die insbesondere durch die politischen Entscheidungen für die urbanen Zentren bedingt sind. Die EinwohnerInnen einer Stadt, wie auch aller anderen betroffenen Orte, müssen sich intuitiv an die rasanten Veränderungsprozesse anpassen, um in einer Umgebung überleben zu können, in der ihre Leistungen nicht honoriert werden. Möglicherweise erfordert dies nun einen veränderten Umgang mit diesem System, d.h. eine Art “Rebranding.”

Phillip Balimunsi: Bevor wir uns für dieses Thema entschieden haben, haben wir uns zunächst die Errungenschaften von KLA ART 012 genauer angeschaut. Ein wichtiges Thema war für uns dabei auch die Rolle der Künstler in der Entwicklung der Stadt. Im Übrigen gibt es auch eine Vielzahl“unmapped artists”,  unbekannte und autodidaktische Kunstschaffende. Die KünstlerInnen, die in diesem Jahr am Festival teilnehmen, kommen aus Kampala oder anderen afrikanischen Städten wie Nairobi, Addis Abeba, Kigali, Dar es Salaam und Kinshasa. KLA ART 014 bietet diesen KünstlerInnen mit dieser Plattform eine Gelegenheit, sich auszudrücken.

Dominic Muwanguzi: Sie sind ja nun als eine neue Stimme in der zeitgenössischen Kunstszene in Uganda anerkannt, worin besteht genau der Beitrag, den Sie leisten? 

Violett Antue: Der wohl wesentlichste Beitrag besteht für uns zunächst einmal in der Dokumentation des Kunstschaffens. Das liegt daran , dass es in der Vergangenheit eine solche Dokumentation kaum gab. Es ist schwierig, die Geschichte der Kunstausstellungen und Festivals in Uganda zu vermitteln.

Robaina Nansubuga: Wir verhelfen der Branche zu einer neuen, veränderten Relevanz. Das Kuratieren ist eine Tätigkeit, die von den KünstlerInnen hier bislang wenig geschätzt wurde. Unsere Präsenz in der lokalen Kunstszene wird nun möglicherweise auch andere junge KünstlerInnen, KritikerInnen und KuratorInnen ermutigen, sich dieser Aufgabe anzunehmen, was zur Folge haben wird, dass insgesamt mehr Kunstausstellungen und Workshops stattfinden, die ein getreueres Bild von der Kunstbranche vermitteln und diese erweitern werden.

Dominic Muwanguzi: Können Sie uns kurz etwas über die Veranstaltungsorte des Festivals sagen?

Robinah Nansubuga: Zentraler Veranstaltungsort des Festivals ist die Kampala Railway Station, wo die Ausstellung gezeigt wird. Seit der Schließung des Personenzugverkehrs im Jahr 1992 wird das Bahnhofsgebäude damit nun erstmals wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Gleichzeitig wird das Boda Boda Project auf beziehungsweise mit einem Boda-Boda-Motorrad-Taxi, einem der wohl prägendsten Elemente im Stadtbild von Kampala, täglich vom Bahnhof aus insgesamt 28  Orte in Kampala anfahren, insbesondere öffentliche und lebendige Räume wie etwa den Monument Square oder den Owino Market.

Violet Nantume: Die ausgewählten Orte sind öffentliche Begegnungsräume. Gleichzeitig sind es aber auf eine Art auch neutrale Orte, die Menschen aus dem ganzen Land anziehen. Die Kampala Railway Station und der Owino Market sind zudem Orte, die für die Wirtschaft Ugandas von zentraler Bedeutung sind, denen die Regierung jedoch keine Priorität zumisst. So ist etwa die Eisenbahnlinie seit mehr als zwanzig Jahren nicht voll funktionsfähig, nicht zuletzt, weil die Regierung wohl die Bedeutung der Bahnverbindung nicht erkannt hat. Inzwischen gibt es Pläne, die Bahnlinie wieder in Betrieb zu nehmen und das Verkehrssystem in Kampala zu verbessern. Das neu erwachte Interesse an der Eisenbahnlinie ist symbolisch für diesen mapping process. Die Ausstellung im Bahnhofsgebäude erinnert die Öffentlichkeit daran, wie wichtig es ist, die Entwicklung und den Erhalt der städtischen Infrastruktur zu würdigen. Das ist die Rolle, die die KünstlerInnen hier in der Stadt spielen.

Dominic Muwanguzi: Warum ist es überhaupt nötig, dieses Festival zu kuratieren?

Moses Serubiri: In Uganda gibt es heute eine ganze Reihe von Kunstfestivals, aber nur wenige davon werden tatsächlich kuratiert. Das heißt, mit der Frage, warum ist es notwendig, ein Festival zu kuratieren, sprechen Sie auch den Mangel an kuratorischer Arbeit an. Es geht hier ganz gezielt um die Absicht, den Menschen zu helfen, Kunst zu verstehen, und sich eingehender darauf einzulassen, als sie es für gewöhnlich tun. Wir wollen einen Kontext für die Kunstwerke schaffen.

Dominic Muwanguzi: Der Trend in der zeitgenössischen ugandischen Kunst geht heute dahin, für Expatriates und Touristen zu produzieren. Glauben Sie, das ist der richtige Ansatz, um das Wachstum der Branche zu fördern?

Robinah Nansubuga: Die richtige Ansatz in der Förderung Branche besteht darin, sich nicht von einem externen Markt abhängig zu machen. Wie bereits erwähnt, haben wir das Thema “Unmapped” ja gerade ausgewählt, weil es uns darum geht, die lokale Gemeinschaft dazu zu bringen, sich mit der Arbeit von KünstlerInnen auseinanderzusetzen ? und nicht, um zu verkaufen.

Violet Nantume: Im Kontext des Festivals gibt es ein starkes Engagement für eine Veränderung des Verständnisses von Massenproduktion und der Produktion für Touristen. So wird im Rahmen des Festivals unter anderem ein von der Global Crit Clinic geförderter Workshop für KünstlerInnen angeboten, um Lösungen für diese Entwicklung zu finden. Der Workshop bietet Künstlerinnen den Raum, sich mit zentralen Fragen ihres Kunstschaffens auseinanderzusetzen. Angesprochen werden insbesondere Fragen wie: Für wen produziere ich? Verwende ich das richtige Material, um meine Botschaft zu vermitteln? Wo kann ich meine Arbeiten ausstellen?

Vitshois Mwilambwe, Ego, mixed media, acrylic and collage on canvas, 2013 (courtesy of the artist)

Vitshois Mwilambwe, Ego, mixed media, acrylic and collage on canvas, 2013 (courtesy of the artist)

Dominic Muwanguzi: Wie können wir mehr Profis dafür gewinnen, auf dem afrikanischen Kontinent als KuratorInnen zu arbeiten, wenn schon die Ausbildung für diesen Beruf so teuer ist?

Violet Nantume: Ich glaube, einer der ersten Schritte besteht darin, ist die Arbeit von Leuten wie uns, die bereits in diesem Bereich tätig sind, anzuerkennen, und sie zu Projekten einzuladen, die Raum für kuratorische Arbeit bieten. Es gibt aber auch spezielle Bildungsangebote, die genau auf dieses Ziel ausgerichtet sind. So bietet zum Beispiel das Centre for Contemporary Art in Lagos unter dem Titel Àsìkò jedes Jahr Intensivkurse im Fachbereich Kunst, an, um angehende KuratorInnen auf die Arbeit auf dem Kontinent vorzubereiten. Ich habe im Mai 2013 an einem dieser Programme teilgenommen, und es hat mir in meiner Entscheidung, eine Ausbildung zur professionellen Kuratorin aufzunehmen, sehr geholfen. Solche Angebote bieten jungen Leuten, die den Beruf erlernen wollen, eine Grundausbildung und theoretische und praktische Einblicke in diesen Tätigkeitsbereich.

Robinah Nansubuga: Ich glaube, wir müssen zunächst versuchen, den Hintergrund zu verstehen, und uns fragen, wie es dazu kam, dass KuratorInnen vom Kontinent in die Diaspora gezogen sind. Sie sind weg gegangen, um Afrika in der Diaspora zu repräsentieren, was ja an sich keine schlechte Sache ist. Wenn diese KuratorInnen einen engen Kontakt zur Heimat halten, werden sie diese auch angemessenerer Weise repräsentieren können. Ein weiterer Punkt ist die Verankerung der Ausbildung auf der lokalen Ebene: wenn Hochschulen wie die Makerere University entsprechende Studiengänge auf dem Kontinent anbieten, sinken auch die Ausbildungskosten. Die Hochschule könnte zum Beispiel einen eigenen Studiengang Kuratieren ausarbeiten, und damit dazu beizutragen, dass sich junge lokale KuratorInnen vor Ort ansiedeln.

Hasifah Mukyala: Mit unseren fünf Stimmen können wir meiner Ansicht nach auch Einfluss darauf nehmen, wie dieser Studiengang an der Makerere unterrichtet wird. Interessanterweise wird dort bereits ein Studiengang mit dem Titel History of Art and Curating angeboten, nur werden die entsprechenden Inhalte dort nicht so gelehrt wie sie gelehrt werden sollten. Vielleicht könnte ja ein Treffen mit dem Dekan der Fakultät dazu beitragen, die Dinge auf den richtigen Weg zu bringen. Vielleicht nicht in der nahen Zukunft, aber auf lange Sicht.

Dominic Muwanguzi, Kunst-Journalist aus Uganda, schreibt unter anderem für New VisionDaily MonitorThe Independent und Startjournal.org.

KLA ART 014 – KAMPALA’S CONTEMPORARY ART FESTIVAL: 04 – 31 OCTOBER 2014, Kampala, Uganda.

 

Don't miss out

Sign up to our newsletter now to get the latest stories from CONTEMPORARY AND (C&) delivered straight to your inbox

Thank you!

You have already signed up

Thank you!

We’ve successfully received your details.

To complete the subscription process, please click the link in the email we just sent you.

Don't miss out

Sign up to our newsletter now to get the latest stories from CONTEMPORARY AND (C&) delivered straight to your inbox

Thank you!

You have already signed up

Thank you!

We’ve successfully received your details.

To complete the subscription process, please click the link in the email we just sent you.

Powered by Calculate Your BMI