Im Gespräch mit George Adéagbo

„Es war einmal der Künstler und die Geschichte des Künstlers… “

Anlässlich seiner neuen Ausstellung "les artistes et l'écriture" bei Wien Lukatsch in Berlin spricht unsere Autorin Elsa Guily mit dem Künstler George Adéagbo.

Georges Adéagbo exhibition view 

By Elsa Guily
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Elsa Guily: Erzählen Sie uns etwas über die Geschichte der Begegnung zwischen Ihnen, Georges Adéagbo und dem Ausstellungsprojekt “Les artistes et l’écriture”..!

Georges Adéagbo: Der Mensch entfaltet sich in der Zeit, nicht im Augenblick. Es gab den Moment der Begegnung mit Barbara Wien im Jahr 2004. Ihr war aufgefallen, dass ich mit Gegenständen wie Büchern arbeite, daher lud sie mich ein, in den Räumlichkeiten ihrer Galerie und Buchhandlung für Kunstbücher Wien Lukatsch eine Installation zu realisieren. Ich habe drei Monate gebraucht, um die Ausstellung, die Sie heute sehen, zu entwickeln und umzusetzen. Und nicht nur hier in Berlin, wir haben auch in Cotonou viel gearbeitet, Barbara und ich. In meinem Atelier installiere und deinstalliere ich jeden Tag Gegenstände im Hof, immer auf der Suche nach der Skulptur, nach dem richtigen Platz der einzelnen Objekte. Indem ich ein Objekt an einen Platz stelle, wird mir klar, ob es in die Zusammenstellung passt oder nicht. Ein Künstler, der ein Werk verwirklicht hat, ist ein Künstler, der schreibt. Was genau will der Künstler mit diesem Werk, das seine Schrift ist, ausdrücken, wenn er mit dem Werk, das er geschaffen hat, sein Schreiben sichtbar macht? Man muss einen Zugang haben zu dem Werk. Es ist die Aufgabe des Künstlers, den Schlüssel zu seiner Schrift zu liefern. Aus dieser Überlegung heraus kam ich auf den Titel der Ausstellung: “Les artistes et l’écriture”..! („Die Künstler und die Schrift“..!)

EG: In Ihrer Installation findet sich ein Verweis auf das Bild des Schlüssels, und zwar im wörtlichen wie im übertragenen Sinne: Sie haben ein Fahrradschloss mit dem dazugehörigen Schlüssel aufgehängt. Daneben haben Sie folgendes Zitat angebracht: „L’artiste pour être avec la clé de son œuvre d’art réalisée et l’artiste pour ne pas donner la clé de son œuvre d’art réalisée. Comment peut-on parler de l’artiste, de son œuvre d’art, pour faire accepter son œuvre d’art réalisée…  ?“ („Der Künstler, der den Schlüssel zu dem von ihm geschaffenen Kunstwerk hat, und der Künstler, der den Schlüssel zu seinem Kunstwerk nicht hergibt. Wie kann man so über den Künstler, über sein Kunstwerk sprechen, dass das von ihm geschaffene Kunstwerk angenommen wird…?“ ). Ist das der Ausgangspunkt der Ausstellung?

GA: Zu allem gibt es einen Schlüssel. Der Raum ist leer, aber er wird von jemandem bewacht, der da ist, den man jedoch nicht sieht. Man muss also zunächst den Geist des Raums suchen. Er ist aber auch das Fragezeichen, das uns drängt, uns auf die Suche zu machen und letztlich zu der Entdeckung führt. Ohne den Schlüssel kommt man nicht hinein.

EG: Als das Projekt begann, hatten Sie Ihre Vorstellung vom Schreiben. Was genau haben Sie in diesem Raum geschrieben?

GA: Ich arbeite auf dem Gebiet der Archäologie. Die Archäologie ist die Wissenschaft, die sich mit der Suche und den Entdeckungen beschäftigt, die ein Land bestimmen, mit den Geheimnissen, die einen Menschen umtreiben. Heute spricht man vom Krieg, aber der Krieg hat eine Quelle. Daher habe ich schon im ersten Raum der Installation, aber auch in den Bildtafeln, die ich in meinem Atelier in Benin von meinen Maler-Assistenten habe anfertigen lassen, Verweise auf die Ursprünge des Krieges aufgenommen. Wenn man die Hände in den Schoß legt, findet man keine Lösungen für die Probleme finden, denen man begegnet. Man muss sich auf den Weg machen, um die Lösung zu suchen. Eben das bringt der Künstler durch sein Werk zum Ausdruck: er ist jemand, der sich auf die Suche nach der Entstehung der Dinge macht, und indem er sucht, findet er Lösungen und gibt ihnen Form.

EG: In einer der „Boîtes“, der Schaukästen Ihrer Installation gibt es einen Text, in dem Sie vom Ursprung der Schrift, oder eher von der Entdeckung der Schrift sprechen. Sie nehmen Bezug auf den Stein von Rosette, der von Champollion entdeckt wurde und bringen die Entstehung der Schrift in Ägypten und im afrikanischen Atlasgebirge ins Spiel. Sie regen die Betrachter an, über den Ursprung der Dinge nachzudenken, zu verstehen, woher die Dinge kommen und welche Folgen sich daraus ergeben können. Auf in den Kästen angepinnte Zettel haben Sie Sätze wie diese geschrieben:

“Il était une fois, l’Afrique et l’histoire de l’écriture… L’écriture de l’Africain de l’Afrique en Europe vue dans l’Afrique de la France… On l’oublie trop souvent, l’Afrique a tant apporté.”

„Es war einmal Afrika und die Geschichte der Schrift… Die Schrift des Afrikaners aus Afrika in Europa, gesehen in dem Afrika Frankreichs… Man vergißt zu oft, was Afrika alles hervorgebracht hat.“

GA: Kunst ist für mich eine Art, seinem Nächsten die Wahrheit zu sagen und sein Freund zu bleiben, und nicht sein Feind zu werden. Es gibt Redensarten, um den Menschen zu ermöglichen, miteinander zu sprechen. Statt dem Anderen den Krieg zu erklären, weil du dich weiter entwickelst und er sich nicht in die gleiche Richtung weiter entwickeln will, ist es besser, auf den Anderen zuzugehen und ihn zu fragen warum, oder ihm zu erklären warum und wieso. Jeder geht irgendwann einen Schritt weiter, jeder zu seiner Zeit. Mithilfe der Schrift kannst du auf mich zugehen und mich fragen warum ich etwas getan habe. Für mich sind Künstler Schriftsteller. Das heißt, es gibt Leute, die Symbole herstellen, um Zeichen zu setzen, ihre Zeit zu prägen. Wenn du schreibst, wird es auch einen Menschen geben, der bestimmt ist zu lesen, was du geschrieben hast, und jemanden, der offen sein wird für das, was du geschrieben hast, so dass daraus ein Buch wird, in dem die Menschen lesen und das sie nutzen können, um sich zu bilden. Jedes Bild handelt von der Schrift.

Georges Adéagbo, exhibition view 

Georges Adéagbo,
exhibition view  „Les artistes et l’écriture“..!, Galerie Wien Lukatsch, Berlin 2014. Courtesy: Galerie Wien Lukatsch, Berlin. Photo: Nick Ash

EG: In dieser Installation räumen Sie der Schrift viel Raum ein. Zum einen, wie es Ihre Art ist, in den handschriftlichen Notizen und Zitaten, die Sie zwischen zwei Objekte einfügen, diesmal aber auch auf den großen Bildtafeln, die in Ihrem Atelier in Cotonou angefertigt wurden, in einer Kombination aus figurativer Malerei und Texten, die Sie verfasst haben. Welche Rolle spielen all diese Schriften inmitten dieser Collage von Gegenständen?

GA: Heute sind die Leute die schreiben, die Leute, die etwas sagen. Durch deine Schrift wird das Licht sichtbar. Ein Licht, das man nutzen kann, um sich zu erleuchten. Das ist es, was es ausmacht, Schrift zu haben. Ich habe auch Notizen von Barbara Wien hinzugefügt, in denen es um andere Künstler geht, mit denen sie arbeitet, und um deren Bezug zum Schreiben und zur Schrift. Wenn du schreibst, hast du eine Schrift, auf die die Anderen aufmerksam werden, und du kannst Schriftsteller werden. Daher auch dieser Text in der Installation:

„Écrivant et écrivant toujours, c’est une personne qui est venue voir pour lire ce que l’on écrit, et dire que l’on est de l’écriture, et peut être écrivain. Georges Adéagbo qui était fou, pour avoir la folie, qui était malade pour avoir la maladie, est un artiste. L’écriture qui fait le livre, c’est le livre…  !“

„Ein Mensch, der schreibt und immerzu schreibt: Jemand ist gekommen,  um zu schauen und zu lesen, was man schreibt, und zu sagen, das man von der Schrift ist und Schriftsteller sein kann. Georges Adéagbo, der verrückt war aus Verrücktheit, der krank war aus Krankheit, ist ein Künstler. Die Schrift, die das Buch zum Buch macht, ist das Buch…!“

EG: Ihre Installationen sind äußerst vielgestaltig. Da finden sich Schallplatten, Bücher, Zeitungen, Skulpturen, Masken, Kleidungsstücke… Welche Beziehung haben Sie zu diesen Objekten? Haben die Gegenstände in Ihren Augen einen symbolischen Wert?

GA: Was wir tun, haben vor uns Andere getan. Wenn ihre Zeit gekommen ist, geben sie ihren Beitrag weiter, sei es auf der spirituellen Ebene oder über Botschaften, Zeichen. So kommt es, dass ich Gegenständen begegne, die mir etwas sagen, die mich ansprechen. Wenn du mich zu einer Ausstellung einlädst, lenkst du meine Aufmerksamkeit auf dich. Von dem Moment an zeigen sich mir bestimmte Gegenstände. Ich betrachte sie, dann beginne ich, über die Gegenstand zu sprechen und darüber, was sie sagen wollen. Manche Leute geben mir auch ihre Skulpturen und ihre Masken. Dann assoziiere ich diese mit Dingen, die ich in der Natur finde, sowie mit verschiedenen Gegenständen, wie Schallplatten von Sängern, die mich an eine bestimmte Atmosphäre erinnern. Ich habe gelebt und indem ich gelebt habe über das Leben gearbeitet, das ich lebte! Wenn ich sehe, wie du lebst, kann ich dich über deine Arbeit entdecken, ohne dass ich deine Geschichte kenne. In der Arbeit zeigt sich das Leben und wie wir leben. Schreiben ist eine Art und Weise, dies zu tun. Ein Mensch kann bedürftig sein, aber die Art und Weise, wie du ihm etwas anbietest, entscheidet darüber, ob deine Gabe auf fruchtbaren Boden fällt. In der Anordnung der Stoffe, Schallplatten und Bücher, die ich ausgewählt habe, befindet sich jedes Ding genau am richtigen Platz, um mit den Anderen zu kommunizieren.

EG: In Ihrer Arbeit besteht also ein Dualismus zwischen der Schrift und dem gesprochenen Wort. Die Gegenstände scheinen uns etwas zuzuflüstern, aber wir können nicht hören, was sie uns sagen, wir können sie nur sehen und lesen. Würden Sie sagen, dass Sie den Gegenständen das Wort zurück geben?

GA: Ja, ich gebe den Gegenständen das Leben zurück, weil es Gegenstände waren, die früher von Menschen benutzt wurden, sie gehörten zu einem Alltag und erfüllten einen ganz bestimmten Zweck. Jetzt, da diese Menschen nicht mehr sind, oder da diese Menschen, nicht mehr die sein wollen, die sie mit diesem Gegenstand waren, hat der Gegenstand sie verlassen. Im Unglück hat man keine Freunde, das Glück hingegen führt zu Beliebtheit. Wenn dich ein Mensch zum Erfolg geführt hat, dann musst die Zeit achten, die du mit diesem Menschen verbringen musst, um nicht die Vergangenheit zu bereuen. Die Zeit erlebt man in der Dauer. Wenn sich ein Mann und eine Frau ins Bett legen, werden sie nicht schon am nächsten Morgen zueinander sagen: „Freundin, …Liebste, ich glaube in dieser Nacht ist etwas passiert.“ An diesem Tag wirst du nicht ins Krankenhaus gehen und ein Kind zur Welt bringen. Du musst neun Monate warten, und das ist das Schicksal des Menschen. Wenn man die Regeln befolgt, gelingt es einem, zu schreiben. Alles beginnt mit einem Punkt, der den Weg des Schreibens definiert, und wenn man diesem Weg folgt, erhält das Schreiben seinen Sinn.

EG: Inwieweit fordern die Alltagsgegenstände, die sie ausstellen, zum Nachdenken über kollektives und individuelles Gedächtnis auf? 

GA: Wenn die Leute mir sagen: „Sie machen Installationen, Sie sind ein Künstler!“, antworte ich: „Ja, ich mache Installationen, aber über die Geschichte der Kunst.“ Es gibt keine Kunst ohne Geschichte, aber die Kunst macht Geschichte. Daher mache ich Kunst über die Geschichte (der Kunst). Die Haut ist das Gewand. Worauf es ankommt, ist das Blut, das den Körper lebendig macht, und es ist das selbe Blut, das in jedem menschlichen Körper fließt. Das Problem ergibt sich daraus, dass wir nicht dieselben Kulturen haben. Da wir nicht die selbe Kultur haben, steht da ein Fragezeichen, wenn wir über die Kultur sprechen. Verständnis führt zu Verständigung und bringt die Dinge in Bewegung. Ohne Erklärungen gibt es kein Verständnis. Wenn du dem Anderen begegnest, musst du alles daran setzen, den Austausch auf Verständigung und gegenseitiges Verständnis aufzubauen.

EG: Warum machen Sie diese Schaukästen, die seit einiger Zeit in Ihren Installationen an der Wand hängen?

GA: Wenn du im Leben etwas tust, solltest du immer daran denken, dass du nicht unsterblich bist. Du musst Dinge tun, und dann in der Lage sein, das, was du gemacht hast, loszulassen, es den Anderen zu übergeben. Es ist eine Art, das Archiv zusammenzusetzen, und meine Geschichte zu schreiben. Ich stelle diese Kästen her, weil ich den Schlüssel zu dieser Arbeit habe, und weil ich das Buch kenne, das erzählt, das die Schrift ist, die von den Gemälden, die präsentiert werden, spricht. Diese Kästen sind wie Bilder, sie machen die Idee sichtbar, die ich bei einer Installation habe.

EG: Mit ihren Assemblagen ermöglichen Sie ermöglichen den Betrachtern somit, neue Verbindungen zwischen den verschiedenen Elementen herzustellen, jenseits der eigenen Wahrnehmung, Lebensgeschichte und kulturellen Begrenzungen. Würden Sie sich als Mittler zwischen den Kulturen bezeichnen? 

GA: Wenn man schreiben will, darf man sich nicht über die Anderen stellen. Man muss sich genau in die Mitte stellen. Mit meinen Installationen zeige ich einen Weg auf. Ich sehe etwas und ich spreche mit dir über das, was ich sehe. So kann ich es dir übermitteln. Erst beim Suchen wird uns klar, was unsere eigentliche Arbeit ist, unser Weg. Durch diese kleinen Basteleien gelangt man zur Erfüllung.

EG: Ist das auch ein Grund dafür, warum Sie sich selbst nicht als Künstler im professionellen Sinne bezeichnen würden?

GA: Als Maler brauchst du jemanden, der Farben herstellt! Man begleitet sich gegenseitig im Leben, es geht darum anzuerkennen, welche Rolle man für einander spielt. Dazu gibt es ein Redensart: „ Der Weber ist die Geschichte des Schneiders. Der Weber hat das Tuch gewebt, er hat das Tuch und den Stoff hergestellt, der es dem Schneider ermöglicht, sich als Schneidermeister Anerkennung zu verschaffen. Solange der Schneider dankbar ist für die Dienste, die ihm der Weber erweist, ist er ein Schneider… An dem Tag aber, da er den Weber geringschätzt und der Weber keinen Stoff mehr für ihn fabriziert, wird er sich da noch als Schneidermeister hervortun können? Der Weber ist die Geschichte des Schneiders. Der Schneider kommt nicht vor dem Weber, der Weber kommt vor dem Schneider.“

EG: Das ist also Ihre Art, unsere Beziehung zu den Objekten in Frage zu stellen, als Träger der Beziehungen zwischen den Menschen. Es geht letztlich darum, den Schaffensakt anzuerkennen, mit anderen Worten, den Anderen anzuerkennen. Aber auch das geschieht nach wie vor in einem ganz bestimmten kulturellen Umfeld, nicht wahr? 

GA: Die Kunst ist in der Natur, die Kunst macht den Künstler zum Künstler. Der Künstler ist ein Missionar, der die Mission erfüllt, die die Natur vorgibt. Wenn sich man im selben Sumpf bewegt, wirft das nicht so viele Fragen auf. Schwierig wird es erst, wenn du dich nicht im gleichen Sumpf bewegst. Der Schneider kann nicht ohne den Weber leben. Ohne Farbenfabrikanten gibt es keinen Maler. Man ergänzt sich gegenseitig. Aber wenn man sich nicht für den Anderen und für das, was er macht, interessiert, entsteht Neid und es kommt zu Konflikten zwischen den Menschen. In meiner Arbeit mit Stephan Köhler zum Beispiel, hat jeder seine klar zugewiesen Rolle. Ausgehend von meiner Art zu beobachten und die Gegenstände aufeinander zu beziehen und anzuordnen, kann Stephan Köhler das Foto für das Ausstellungsprojekt aufnehmen, es an die Leute schicken, die uns eingeladen haben, und die Kommunikationsarbeit machen. Das meine ich mit Begleitung, und indem man sich so gegenseitig ergänzt, nimmt das Leben Form an. Früher hielten mich alle für verrückt mit meinen Installationen, heute scharen sich alle um mich herum. Inzwischen findet in dieser Teamarbeit jeder seinen Platz, und ich habe meine Freiheit.

EG: In Ihrer Installation gibt es einen Satz, der immer wieder auftaucht: „Il était une fois l’Afrique et l’histoire de l’écriture… l’artiste Africain de l’Afrique et l’écriture en Afrique…  !“ (Es war einmal Afrika und die Geschichte der Schrift… der afrikanische Künstler aus Afrika und die Schrift in Afrika…!), und dann: „Comment on se met à écrire sur l’artiste…“ (Wie man beginnt, über den Künstler zu schreiben…) . Auf einer der Wandtafeln geht es auch um die Schriften über die afrikanische Kunstgeschichte. Ihr Werk wurde häufig in einen Zusammenhang gestellt mit einem bestimmten Konzept von „zeitgenössischer afrikanischer Kunst“. Was halten Sie davon? Finden Sie es angemessen, wenn Sie mit dieser Definition assoziiert werden?

GA: „Zeitgenössische Afrikanische Kunst“ : wenn ich das höre, frage ich mich, was genau damit gemeint sein soll, denn was ist denn eigentlich „zeitgenössische Kunst“? Es ist der Diskurs über den Schaffensprozess! Was meine eigene Arbeit anbelangt, möchte ich wirklich nicht, dass man von zeitgenössischer afrikanischer Kunst spricht. Auch wenn ich etwa mit der Auswahl bestimmter Bücher auch die Frage der Kunst in Afrika thematisiere. Damit biete ich nur eine Darstellung an, in der man verschiedene Verweise auf die Kulturen Afrikas findet, weil das ein Teil meines Alltags ist. Also ja, ich bin Afrikaner, aber es geht mir nicht um die afrikanische Kunst. Die Frage, wie sehen Sie die zeitgenössische afrikanische Kunst und wie sehen Sie die zeitgenössische europäische Kunst, ist sicherlich eine gute Frage, das Wesentliche aber ist, dass die zeitgenössische Kunst das Schaffen thematisiert.

EG: Wie wäre es mit ein bisschen Größenwahn : Stellen wir uns einmal vor, die Person Georges Adéagbo sollte für eine der nächsten Ausgaben der Monumenta in Paris eine riesige Installation im Grand Palais realisieren, und erhielte die Genehmigung, für diese Arbeit in den Sammlungen des Musée du Quai Branly und des Louvre zu schöpfen. Würde Sie die Aussicht reizen, auf diesem Terrain ein „monumentales“ Werk zu schaffen? 

GA: Das wäre ja das Gleiche wie auf der documenta 11 in Kassel  ! Als ich damals dort war, für die documenta, haben Sie uns den Schlüssel zu den Archiven mit allen Dokumenten über alle Künstler gegeben, die seit der Gründung daran teilgenommen haben. Nun denkt sich zwar jemand Anderes das Thema aus, und der Ort ist ein Anderer, aber im Grunde ist es ja doch immer wieder das Gleiche, die Monumenta ist nichts Anderes als die documenta! Die Monumenta, das ist so wie „Les artistes et l’écriture“..! Was meint man denn eigentlich, wenn man etwas als „monumental“ bezeichnet? Das Quai Branly ist die Monumenta von Jacques Chirac. Man könnte sagen, jeder Präsident, der etwas geschaffen hat, belegt seinen Beitrag zur Lebensfähigkeit der Nation. Als ich zur Kleinplastik-Triennale kam, hatten wir uns vorher schon auf der Biennale in Dakar von 1996 gesehen, und wir werden uns das nächste Mal vermutlich auf der Quatriennale wieder begegnen und so weiter. Es gibt diese Wortspiele in der Kunstwelt. Das sind Taktiken, um Geschichte zu schreiben. Monumenta/documenta. Die Kunstwelt, das ist ein großes Geschäft!

Georges Adéagbo, “Les artistes et l’écriture”..!, Galerie Wien Lukatsch, Berlin, bis zum 25. Juli 2014

Gruppenausstellung im Rahmen der Dak’Art OFF, 2014, “Bois Sacré”, Dakar, bis zum 8. Juni 2014

Elsa Guily studiert Kunstgeschichte und arbeitet als unabhängige Kritikerin in Berlin. Ihr Schwerpunkt sind die Beziehungen zwischen Kunst und Politik. Derzeit schreibt sie an ihrer Arbeit über das Konzept einer Erneuerung der Geschichtsschreibung durch Wiederaneignung von Archiven in der zeitgenössischen Kunst.

 

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