C& spricht mit dem kuratorischen Team der Dak'Art 2014

“Unser übergreifendes Ziel ist es, die Biennale als wichtigste Anlaufstelle für zeitgenössische visuelle Kultur auf dem Kontinent neu zu positionieren und zu stärken.“

C& im Gespräch mit Elise Atangana, Abdelkader Damani und Ugochukwu Smooth Nzewi.

Ndary Lo, 'Windows', 2012, Dak’Art Off exhibition at a former biscuit factory in the industrial section of Dakar. © Photo: Ugochukwu-Smooth Nzewi

Ndary Lo, 'Windows', 2012, Dak’Art Off exhibition at a former biscuit factory in the industrial section of Dakar. © Photo: Ugochukwu-Smooth Nzewi

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C& spricht mit dem kuratorischen Team der nächsten Dak’Art 2014, Elise Atangana, Abdelkader Damani und Ugochukwu-Smooth Nzewi. Die 11. Biennale zeitgenössischer afrikanischer Kunst wird vom 9. Mai bis zum 8. Juni 2014 statt finden.

 

Ihr seid vor kurzem als KuratorInnen für die Dak’Art 2014 benannt worden. Ihr habt unterschiedliche, sehr interessante Hintergründe innerhalb des Kunstbetriebs. Arbeitet ihr zum ersten Mal zusammen?

Ja, zum ersten Mal, und das ist für uns alle sehr spannend.

 

Könnt ihr in ein paar Worten beschreiben, was die Besucher von der nächsten Biennale in Dakar zu erwarten haben?

Unser übergreifendes Ziel ist es, die Biennale als wichtigste Anlaufstelle für zeitgenössische visuelle Kultur auf dem Kontinent neu zu positionieren und zu stärken. Wir möchten die Arbeiten interessanter (sowohl junger als auch etablierter) Künstlerinnen und Künstler präsentieren, die noch nie an der Biennale teilgenommen haben. Wir hoffen, dass BesucherInnen den afrikanischen Kunstbetrieb und die Senegalesische Kunstszene mit interessanten Kunstschaffenden entdecken und Gelegenheit haben, sich buchstäblich in zeitgenössischem kreativen Schaffen zu verlieren. Doch wir wollen dem Publikum auch Einblicke in die persönliche Welt der jeweiligen Künstler geben: Herkunft, Referenzen … diese Vermittlungsarbeit soll in der Ausstellung an oberster Stelle stehen.

Es wäre besonders interessant, wenn wir eine rege Interaktion mit dem Publikum sowohl mit der Ausstellungsform als auch mit den Arbeiten selbst erreichen könnten. Das lange Bestehen der Biennale sowie Dakars historische Verbindungen geben uns die hervorragende Möglichkeit, Senegalesische und internationale Akteure zu einer äußerst professionellen Veranstaltung zusammenzubringen.

 

Nachdem sie 1992 ins Leben gerufen wurde, ist Dak’Art Afrikas am längsten bestehende zeitgenössische Kunstbiennale. Wie viel hat sich in diesen über 20 Jahren verändert? Welche Herausforderungen stellen sich heute, welche waren es damals?

Die Biennale hat sich immer wieder neu erfunden. Ursprünglich war sie als internationale Biennale für bildende Kunst konzipiert, das heißt, sie war nach dem Muster konventioneller Biennalen aufgebaut. Doch seit 1996 verwandelte sie sich in eine panafrikanische Biennale, die den Schwerpunkt auf zeitgenössische afrikanische und afrikanisch-diasporische Kunst und Kunstschaffende setzte. Der Grund für diesen Wandel liegt auf der Hand. Die Biennale wollte eine wichtige Plattform bieten, um die Sichtbarkeit zeitgenössischer Künstler und Künstlerinnen afrikanischer Herkunft sicherzustellen, die in der Vergangenheit im internationalen Mainstream geringere Chancen gehabt hatten, und ihnen somit als Sprungbrett dienen. Viele afrikanische Kunstschaffende sind inzwischen international bekannt und die Dak’Art hat daran einen entscheidenden Anteil. Zurzeit müssen wir uns eigentlich damit auseinandersetzen, welche Relevanz das panafrikanische Ausstellungs-Modell der Dak’Art, das ihrer Investition in Internationalismus zu widersprechen scheint, noch immer hat. Wir können allerdings sagen, dass einige Künstler und Künstlerinnen in vorangegangenen Ausstellungen der Dak’Art, auch wenn afrikanischer Herkunft, Staatsbürger nicht-afrikanischer Länder oder Bürger mit doppelter Staatsbürgerschaft sind. Von dieser Tatsache abgesehen, ist der Kampf für die Akzeptanz afrikanischer Künstler und Künstlerinnen auf globalen Veranstaltungen noch nicht gewonnen. Die Existenz der Dak’Art sorgt dafür, dass wir dem Kampf treu bleiben und unser Ziel fest im Blick behalten. Die geringe Anzahl afrikanischer Kunstschaffender in der Hauptausstellung der laufenden Biennale von Venedig macht vor allem eines unmissverständlich klar, nämlich dass die Dak’Art als Plattform für Afrika von großer Bedeutung ist.

Diese geringe Beteiligung afrikanischer Künstler und Künstlerinnen sollte jedoch nicht auf die Qualität der Ausstellungen in Afrika und noch weniger auf die Qualität der Produktionen der Kunstschaffenden zurückgeführt werden. Sie ist eine Folge des Mangels an wichtigen Werkzeugen und Sendungen, Galerien usw. Daher die bedeutende Rolle der Dak’Art, die sowohl ein Ausstellungsort ist, als auch ein Raum, wo die Geschichte afrikanischer Kunst geschrieben wird. Wir hoffen jetzt, dass zwischen den Biennalen stärkere Verbindungen geknüpft werden. Babacar Diop, Generalsekretär der Dak’Art, ergriff dieses Jahr die Initiative mit der Organisation eines Seminars zum Handel mit Kunst im Juni 2013. Wir sind auf dem richtigen Weg. Die Dak’Art muss sich auch dauernd neu erfinden, um relevant zu bleiben. Sie ist weiterhin eine Plattform für den Austausch zwischen Kunstprofis und Kunstbegeisterten aus Afrika und dem Rest der Welt.

 

Angola hat den Goldenen Löwen gewonnen, afrikanische Künstler und Künstlerinnen werden für internationale Kunstpreise nominiert, die Tate startet ein riesiges „African Art Programme“… Glaubt ihr, dass die zurzeit herrschenden Vorstellungen und die Atmosphäre die Biennale im kommenden Jahr beeinflussen werden? Mehr Besucher, mehr Kunsthändler, KünstlerInnen, KuratorInnen, Galeristen, die alle plötzlich teilnehmen, weil „Afrika auf der Landkarte ist“, also eine gewisse Popularität hat?

Wir glauben, dass Afrika gerade eine aufregende Zeit erlebt. Wir freuen uns über Angolas Erfolg. Die Biennale rechnet damit, mit jeder Ausgabe zu wachsen. Sie hat schon einige Herausforderungen gemeistert und wird es weiterhin tun. Es ist auch eine entscheidende Zeit für die Biennale. Senegal hat einen neuen Präsidenten und die Dak’Art einen neuen Generalsekretär. Beide wollen die Biennale stärken und ihrem Daseinszweck treu bleiben, der immer darin bestand, zeitgenössische afrikanische Kunst und Kunstschaffende auf internationaler Ebene zu fördern. Die Vorstellung, afrikanische Kunst sei jetzt endlich „auf der Landkarte“, ist ein bisschen reißerisch. Wie schon gesagt, dürfen wir den Kampf nicht aus den Augen verlieren, ungeachtet der offensichtlichen Fortschritte, die gemacht wurden.

 

Ein Aspekt wird der Gedanke der Diaspora sein. Könnt ihr diesbezüglich euren Ansatz für die Biennale beschreiben? Wird es dabei um die wichtige Beziehung zwischen der kulturellen Produktion und den ProduzentInnen auf dem Kontinent und in der Diaspora gehen?

Seit 1992 sind junge und ältere afrikanische Künstler und Künstlerinnen der Diaspora ein fester Bestandteil der Dak’Art Biennalen. Wir rechnen mit einer großen Resonanz von diasporischen Kunstschaffenden und damit, dass diese Resonanz im Laufe der zukünftigen Ausgaben der Biennale noch wachsen wird. Wir betrachten Diaspora jedoch nicht als Gedanke, sondern als äußerst komplexe Kategorie. Jhumpa Lahiri zufolge „ist der Ort, dem man sich am meisten verbunden fühlt, nicht unbedingt das Land, dem man durch Blut und Geburt angehört: es ist der Ort, der einen sich selbst werden lässt. Dieser Ort ist vielleicht auf keiner Landkarte zu finden.“ Wir betrachten Diaspora nicht unbedingt im buchstäblichen Sinne des Wortes, sondern mit Lahiris Mahnung im Sinn. Das wird weitere Projekte unterschiedlicher Einflüsse und Zusammenhänge sowie spannende Möglichkeiten auf kreativer Ebene mit sich bringen.

 

Der Rückbezug auf afrikanische Kunstgeschichte, auf afrikanische kulturelle Produktionen ist wichtig, will man die zeitgenössische Produktion auf dem Kontinent und in der Diaspora verstehen. Werdet ihr euch in euren konzeptionellen Überlegungen auf Festivals wie Festac ‘77 oder Fesman beziehen?

Die Biennale hat sich immer als würdige Nachfolgerin des ersten World Festival of Negro Arts (FESMAN) in Dakar im Jahre 1966 betrachtet, und infolgedessen auch der anderen panafrikanischen Festivals, wie des International Congress for African Culture in Salisbury (heute Harare) 1962, des ersten Pan-African Festival in Algier 1969 und des zweiten World Festival of Black and African Arts (FESTAC) in Lagos 1977. Dennoch ist man sich bei der Konzeptualisierung der Dak’Art und ihren Ausstellungen einig, dass sich die Interpretation des Panafrikanismus und die ideologischen Konzepte der vorangegangenen Veranstaltungen mit der Zeit weiterentwickelt haben. Wir sind konzeptionell darauf ausgerichtet, am Puls des Zeitgenössischen zu sein, jedoch gleichzeitig einen ausgeprägten Sinn für die Geschichte und die Vorläufer zu haben.

 

Und zum Schluss, könnt ihr ein paar Namen von Künstlern und Künstlerinnen verraten, die zum ersten Mal teilnehmen?

Noch nicht…!

 

 

Elise Atangana (Frankreich / Kamerun) ist freischaffende Produzentin, Kuratorin sowie Kommunikationsbeauftragte bei der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF und lebt in Paris. Gemeinsam mit Simon Njami arbeitete sie an verschiedenen Projekten, u.a. der Triennale Luanda (2003), der Biennale Havanna (2006) und dem afrikanischen Pavillon bei der Biennale Venedig (2007). Bei der Dak’Art ist Elise Atangana verantwortlich für die Auswahl der Künstler aus der Diaspora.

Abdelkader Damani (Algerien) entwickelt seine kuratorische Praxis anhand der Interaktion von vier ‚Akteuren‘, die seines Erachtens die Projekte strukturieren: das Werk, der Raum, der Betrachter und der DiskursNach einem Architekturstudium in Oran (Algerien) studierte er nach seiner Ankunft in Frankreich im Jahre 1993 Kunstgeschichte und Philosophie an der Université Lumière Lyon 2 und der Université Jean Moulin Lyon 3. Nachdem er am von Le Corbusier entworfenen Centre culturel Couvent de la Tourette Kunst- und Architekturprojekte durchführte, leitet er seit 2007 die Plattform „VEDUTA“ bei der Biennale de Lyon. Bei der Dak’Art ist AbdelkaderDamani verantwortlich für die Auswahl der Künstler aus Nordafrika.  

Ugochukwu-Smooth C. Nzewi ist Kurator für afrikanische Kunst am Hood Museum, Dartmouth College, Hanover, USA. Nzewi wurde in Nigeria geboren und studierte Bildhauerei unter der Leitung von El Anatsui an der University of Nigeria in Nsukka, wo er einen Bachelor-Abschluss in bildender und angewandter Kunst machte. An der südafrikanischen University of Western Cape machte er im Rahmen des African Program einen Diplomabschluss in Museum and Heritage Studies, um dann an der amerikanischen Emory University in Atlanta in Kunstgeschichte zu promovieren. Bei der Dak’Art ist Ugochukwu-Smooth C. Nzewi verantwortlich für die Auswahl der Künstler aus Subsahara-Afrika. 

 

www.biennaledakar.org   

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Ein Gespräch von Julia Grosse

 

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