AKAA – Also known as Africa

Der Kunst aus Afrikanischen Perspektiven eine Bühne zu bieten macht noch immer Sinn.

AKAA - ist die erste Pariser Messe für zeitgenössische Kunst und Design aus Afrika die vom 11. bis zum 13. November 2016, im der Carreau du Temple statt fand.

Nobukho Nqaba, Südafrika, Untitled 10 (Umaskhenkethe Likhaya Lam), 2012-2015, Digital Print, Courtesy the artist & Art Meet Camera

By Camilla Péus
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Auch Paris hat jetzt eine Messe für Gegenwartskunst aus Afrika. Doch auf der „AKAA – Also known as Africa“ sind ebenso Arbeiten mit Afrika-Bezug willkommen

Gleich auf dem ersten Stand der Messe ein Déjà vu: Bei der Londoner October Gallery hängt derselbe kleine Kanister-Kopf von Romuald Hazoumé , den der Händler wenige Wochen zuvor auf der 1:54 in London zeigte. Auch das aus Nägeln auf alte Bohlen gehämmerte Porträt eines Schwarzen, mit dem der als Newcomer angekündigte Alexis Peskine die Flüchtlingsthematik aufgreift, wanderte von London nach Paris, wo es für 18.000 Euro zu haben ist.

Alexis Peskine, Under Construction, installation view, October Gallery. AKAA, 2016. Courtesy October Gallery

Alexis Peskine, Under Construction, installation view, October Gallery. AKAA, 2016. Courtesy October Gallery

Doch die Galerie macht die Dopplung mit einer Sonderposition schnell wieder wett: Sie hat Teile der „Invisible Masters“-Installation des Algeriers Rashid Koraïchi mitgebracht. Die Textilbahnen, die über und über mit applizierten Sufi-Weisheiten bedeckt sind, (die kompletten 99 Banner hingen im Münchner Haus der Kunst zur „Future of Tradition“-Schau) passen geradezu perfekt unter die weite Glas-Stahl-Konstruktion des Carreau du Temple, eine frühere Markthalle, die wie ein Mini-Grand Palais im schönen Marais steht. „Als etablierte Galerie wollte uns die Messe natürlich mit an Bord haben“, begründet Elisabeth Lalouschek, Direktorin der October Gallery ihre Teinahme. „Und wir mögen intime Messen, also lassen wir es auf einen Versuch ankommen.“

Selbstbewusst gibt sich auch Victoria Mann, Gründerin der AKAA (Also known as Africa) . Auf Französisch stellt die 31-jährige Franco-Amerikanerin ihr Konzept vor. Wer die Sprache nicht beherrscht, hat Pech gehabt. „Ich versichere Ihnen“, prophezeit sie, „dieses wird jetzt und in den Folgejahren der Ort in Frankreich für die Kunst Afrikas sein.“ Ihren Optimismus hat sie sich bewahrt, obwohl die Messe bereits auf eine harte Probe gestellt wurde: für 2015 geplant, sah sie sich gezwungen, das Event kurz vor Beginn wegen des Terroranschlags im nahegelegenen Konzerthaus Bataclan abzusagen. Die fertig gedruckten Kataloge wurden eingestampft, das gesamte Auswahlprozedere wiederholt. 70% der ursprünglich angenommenen Galerien bewarben sich erneut. Andere kamen hinzu, so dass am Ende statt 25 sogar 30 Galerien mit insgesamt 115 meist frankophonen Künstlern aus elf Ländern zusagten.

Dabei bemühte sich Victoria Mann neben bekannten Galerien wie Everard Read aus Kapstadt und Ed Cross aus London auch gezielt um neue Namen: In Äthiopien überzeugte sie sich persönlich von der Qualität der erst im Januar 2016 gegründeten Galerie Addis Fine Arts . Für Art Meets Camera aus Kapstadt ist es die erste Messe überhaupt. Umso mutiger der Entschluss, dort der jungen Performerin und Fotografin Nobukho Nqaba eine Soloshow zu widmen.

Toyin Loye, Nigeria. 'Mobile Shop', 2014. Aluminium découpé et peint, édition 25. Courtesy ARTCO Gallery

Toyin Loye, Nigeria. ‘Mobile Shop’, 2014. Aluminium découpé et peint, édition 25. Courtesy ARTCO Gallery

Andere Händler suchen gerade das französische Forum: Guns & Rain aus Johannesburg, erstmals auf internationalem Messe-Parkett, zeigt Fotoarbeiten von Nicola Brandt. Die auf den ersten Blick friedlich anmutenden Landschaften Namibias sind allesamt Orte ehemaliger Konzentrationslager für Hereros und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika. „Die Messe ist eine gute Gelegenheit, europäische Besucher auf dieses vergessene Thema aufmerksam zu machen“, so Galerie-Chefin Julie Taylor.

Joachim Melchers von der ARTCO Gallery aus Aachen bietet Akaa die Chance eindrucksvolle Arbeiten von Marion Boehm zu zeigen, Textil-Collagen auf Zeitungspapier-Porträts afrikanischer Frauen. “Die Messe ist professionell organisiert, die Gründerin weiß genau was sie will – Das gesamte Messe Team arbeitet  äußerst kundenorientiert. Das Publikum in Paris war hochkarätig – Verkäufe liefen wesentlich besser als erwartet. Sämtliche großformatige Collagen von Marion Boehm waren zum Messeende ausverkauft und gingen ausnahmslos in französische und schweizerische Sammlungen. (Preisspanne zwischen 8.500 und 12.500 €). Aber auch Malereien von Künstlern wie Bruce Clarke (2.000 – 12.000 €) Ransome Stanley (8.000 – 14.000 €) und die des „Newcomers“ Raphael Adjetei Mayne / Ghana (1.700 – 2.500 €) konnten gut verkauft werden. Im Bereich der Fotografie lag der südafrikanische Fotograf Justin Dingwall mit 8 verkauften Arbeiten aus seiner Serie ALBUS vorne. (1.700 – 2.900 €)”  sagt Joachim Melchers von der ARTCO Gallery.

Gilles Caron, Combattant Ibo, guerre civile du Biafra, Nigeria. ©Fondation Gilles Caron. Courtesy School Gallery - Olivier Castaing

Gilles Caron, Combattant Ibo, guerre civile du Biafra, Nigeria. ©Fondation Gilles Caron. Courtesy School Gallery – Olivier Castaing

Auch die School Gallery / Oliver Castaing, ebenfalls präsent auf der Paris Photo, stellt mit dem Franzosen Gilles Caron einen Nicht-Afrikaner vor. Die teils beklemmenden, teils poetischen Aufnahmen des Kriegsfotografen entstanden um 1968 während des Biafra-Kriegs in Nigeria. Eine neu gegründete Stiftung widmet sich der Aufbereitung seines riesigen Archivs. Die Anfangsfinanzierung übernahm Großsammler François Pinault, der 20 Arbeiten kaufte. Kleine Formate gibt es ab 3500 Euro.

„Bei Akaa ist Afrika ein Thema, keine Bedingung“, erklärt Gründerin Victoria Mann, die ihren Master an der Ecole du Louvre über die Ecole des Beaux-Arts von Antananarivo, Madagaskar schrieb und bei Pace arbeitete, bevor sie die Messe initiierte. Gemeinsam mit Experten des Auswahl-Komitees wie Simon Njami, Kurator von Blockbuster Ausstellungen wie „Africa Remix“ und „The Divine Comedy,“ oder Azu Nwagbogu, Direktor des Lagos Photo Festivals entschied sie, auch internationale Künstler mit afrikanischen Sujets zuzulassen. Das ist der wohl größte Unterschied zur 1:54.

Der Kunst aus Afrikanischen Perspektiven eine Bühne zu bieten macht noch immer Sinn. Nach wie vor gibt es keine ausgeprägte Galerieszene auf dem Kontinent. In der Millionenmetropole Nairobi gilt allein die Circle Art Gallery als ernstzunehmender Ort für zeitgenössische Kunst. Akaa bietet Kunstschaffenden aus 54 afrikanischen Nationen eine Chance mehr, ihre Werke einem internationalen Publikum zu zeigen. Besonders eingängig funktioniert das dank einer Idee, die sich die 1:54 bei Akaa abschauen sollte: ein Audioguide, installiert auf dem eigenen smartphone, liefert – wie im Museum – Informationen zu zahlreichen Werken, erzählt von Salimata Diop, Direktorin des Messe-Kulturprogramms.

Astrid Dahl 'Slipper Orchid', 2015, ceramic; Courtesy 50 Golborne

Astrid Dahl ‘Slipper Orchid’, 2015, ceramic; Courtesy 50 Golborne

Design aus Afrika allerdings, im Titel mitgeführt als wäre es ein Großteil des Konzepts, fällt weit zurück, wenn man sich Vergleichbares anschaut. Objekte, von Astrid Dahls amorphen Keramiken bis zum Stuhl von David Adjaye suchen wahllos über die Messe verteilt Zusammenhalt. Dabei bietet der Kontinent reichlich Talent wie etwa die Schau „Making Afrika“ im Vitra Design Museum gezeigt hat. Im Gedächtnis bleiben Architektur-Skulpturen des Nigerianers Olalekan Jeyifous bei 50 Golborne, mit denen er den Alltag in Lagos auf die Schippe nimmt (ab 4500 Euro). Auf den Design-Aspekt könnte Akaa also getrost verzichten. Denn die Besucher strömten in die Halle, als hätte ganz Paris auf diese Messe gewartet. Darsteller in Dosenkostümen scheppern durch die Gänge. Der Champagner sprudelt. Mehr als 30 ausstellende Künstler sind selbst anwesend. Wenn die Verkaufszahlen stimmen, wird Victoria Mann mit ihrer Erfolgsprognose Recht behalten.

 

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