#BlackHistoryMonth

Solidarität über Grenzen hinweg

Aus dem C& Archiv zu Ehren des #BlackHistoryMonth! Emory Douglas, ehemaliger Kulturminister bei der Black Panther Party und künstlerischer Leiter der Black Panther Zeitung, spricht mit C& über Kunst, Aktivismus und kollektive Selbstbestimmung.

Emory Douglas, Paper Boy, 1969. Black Panther Poster. Courtesy of the artist

By Aïcha Diallo
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Unsere Reihe, die den Titel der hier vorgestellten gleichnamigen Ausstellung Laboratorium der Solidarität in der NGBK Berlin aufgreift, nimmt Solidaritätsbewegungen auf der ganzen Welt in den Blick. Weil wir momentan eine weltweite Bewegung erleben, die Solidarität einfordert. In einer Zeit der Ungewissheit sind Menschen auf der ganzen Welt bereit, gemeinsam zu handeln. Sich zu solidarisieren. Menschen stehen zusammen in Solidarität gegen die Trump-Regierung. Gegen Populismus. Gegen Rassismus. In Solidarität für den Erhalt der Umwelt. In Solidarität nach den Terroranschlägen auf der ganzen Welt. Das hat uns bei C& dazu inspiriert, wichtige historische und gegenwärtige Momente genauer zu betrachten, in denen Menschen zusammenkommen, um Solidaritätsbewegungen zu bilden, um für Gerechtigkeit zu kämpfen.

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Ich trat der Black Panther Party for Self-Defense (“Self-Defense” wurde später weggelassen) Ende Januar 1967 bei, etwa drei Monate nach ihrer Gründung durch Huey P. Newton und Bobby Seale im Oktober 1966 in Oakland, Kalifornien. Ich war 23 Jahre alt und wie viele andere Schwarze Jugendliche damals in den USA war ich sehr betroffen über die landesweiten Ermordungen Schwarzer Jugendlicher durch die Polizei, die ständig gerechtfertigt wurden. Aufgrund dieser unberechtigten Tötungen durch die Polizei gab es viele Aufstände.

Die Black Panther Party wurde als Organisation ins Leben gerufen, um auf den grundsätzlichen Mangel an Lebensqualität, die Sorgen und Nöte der Schwarzen Gemeinschaften überall in den USA aufmerksam zu machen. Es gab eine Zehn-Punkte-Plattform bzw. ein Programm, das die Grundprinzipien der Organisation umfasste, angefangen mit Punkt 1: „Wir wollen Freiheit. Wir wollen die Macht, das Schicksal unserer Schwarzen Community selbst zu bestimmen.“ Allerdings war Punkt 7: “Wir wollen, dass der POLIZEIGEWALT und der ERMORDUNG Schwarzer Menschen ein sofortiges Ende gesetzt wird” der Hauptpunkt, an dessen Umsetzung die Partei zu arbeiten begann, da dieser direkt mit dem Widerstand der Partei gegen Polizeigewalt und die Ermordungen zusammenhing, der Hauptgrund für mein Interesse, Mitglied der Organisation zu werden.

Mein Engagement in der Partei begann als befreundete Aktivist_innen mich zu einem Community-Planungstreffen einluden. Sie waren Teil einer Initiative, die Schwester Betty Shabazz, die Witwe von Bruder Malcolm X, zu einer Ehrung in die Stadt einladen wollte, und ich sollte das Ankündigungsplakat für die Veranstaltung gestalten, wozu ich mich bereit erklärte. Beim ersten Treffen, an dem ich teilnahm, wurde uns allen mitgeteilt, das zum nächsten Treffen ein paar Brüder kämen, die sich bei der Veranstaltung eventuell um die Sicherheit kümmern würden. Schließlich sagten diese Brüder zu und es stellte sich heraus, dass es sich um Huey P. Newton und Bobby Seale handelte, die beiden Gründer der Black Panther Party. Nach dem Treffen sprach ich sowohl mit Huey als auch mit Bobby darüber, wie ich Mitglied der Black Panther Party werden könnte und sie gaben mir ihre Telefonnummern. Bald darauf nahm ich morgens den Bus, fuhr zu Huey Newtons Wohnung und verbrachte den Tag mit ihm. Er führte mich in der Community herum, stellte mich Leuten vor. Danach machten wir uns auf den Weg zu Bobby Seale. So begann für mich der Übergang von der Arts Movement zur Black Panther Party.

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Die Black Arts Movement hatte landesweit eine breite Basis und war in erster Linie eine Schwarze Kulturbewegung mit den Schwerpunkten Schwarzes Selbstbewusstsein, Schwarze Identität, Schwarze Geschichte und ganz unterschiedlichen Einstellungen zu Schwarzer Identität, die mit Klasse zusammenhingen. Die Black Panther Party auf der anderen Seite war eine Organisation. Als ich mich Mitte der 1960er Jahre erstmals an der Black Arts Movement beteiligte, geschah dies als Grafiker mit dem Entwerfen von Veranstaltungsplakaten und Handzetteln für Community-Theater. Damals, 1966, war ich noch am City College of San Francisco (CCSF) eingeschrieben und besuchte einige für Grafik relevante Kurse. Am City College hörte ich von einer Vereinigung Schwarzer Studierender, der Black Student Union an der San Francisco State University (SFSU), m.E. entweder die erste oder zweite Vereinigung Schwarzer Studierender im ganzen Land. Als ich mitbekam, was es alles an Schwarzen politischen und kulturellen Veranstaltungen gab, machte ich mich ziemlich oft auf den Weg an die SFSU. An der SFSU traf ich den Bühnenautor Amiri Baraka, damals noch als LeRoi Jones bekannt. Er war von der Black Student Union der SFSU eingeladen worden, Community-Theaterarbeit zu machen, beispielsweise Theaterstücke und Lesungen von Gedichten. Schon bald nach unserem ersten Treffen begann ich einfache Kulissen für Barakas Theaterperformances zu gestalten und machte außerdem mehr künstlerische Arbeiten, die etwas mit kultureller Identität im damaligen Kontext zu tun hatten, als wir anfingen, uns als „Schwarz“ oder „Afroamerikaner_innen“ und nicht mehr als „Negroes“ zu definieren.

Etwa vier oder fünf Monate später trat ich der Black Panther Party bei und fing an, Vorstufenarbeit und Grafikkunst für unsere Zeitung zu machen, die The Black Panther Community News Service hieß – zunächst als Revolutionärer Künstler und später als Minister für Kultur. Huey Newton sagte, die Zeitung solle unsere Geschichte aus unserer Perspektive erzählen, sie könnte wie ein zweischneidiges Schwert sein, das dich einerseits lobte und auf der anderen kritisierte, abgesehen von ihrer Rolle als mächtiges Instrument zur Information der breiten Masse. Die Zeitung sollte die Menschen über lokale, nationale und internationale Belange aufklären, informieren und ins Bild setzen.In den Anfangszeiten der Vorstufenarbeit für die Zeitung hatten wir weder eine Setzmaschine noch Computer. Unsere gesamte grafische und Layout-Arbeit in der Produktion bestand im Grunde genommen daraus, die jeweiligen Teile auszuschneiden und aufzukleben – sowohl für die Zeitung als auch für andere grafische Arbeiten. Wir hatten Freunde und Verbündete in der Druckbranche, die über die nötige Technologie verfügten und unsere Zeitung sowie anderes grafisches Material drucken konnten. Später hatten wir unseren hauseigenen Druckereibetrieb und konnten alles, was wir brauchten, selbst drucken, abgesehen von unserer Zeitung, die wir weiterhin woanders drucken ließen. Die Zeitung wurde an alle 49 Ortsgruppen der Organisation versandt.

Meine Illustrationen, die in der Zeitung der Black Panther Party erschienen, spiegelten immer die philosophischen und ideologischen Perspektiven der Black Panther Party zu aktuellen Ereignissen auf der ganzen Welt wider. Die Zeitung war unser politisches Organ, durch das wir unsere Positionen zu Themen definieren konnten. Ihren Höchststand erreichte die Zeitung mit einer Auflage von über 100.000 pro Woche und einer geschätzten Leserschaft von ca. 400.000.

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Emory Douglas. Photo ny Jos Wheeler

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Wenn ich in die Gegenwart vorspule, würde ich mich als einen bewussten Menschen beschreiben, der soziopolitische Kunst macht, als einen Ältesten in der Bewegung für soziale Gerechtigkeit, der sich der künstlerischen Zusammenarbeit mit anderen Künstler_innen und Kunst fördernden Organisationen verschrieben hat. Ich hatte das Glück, an verschiedenen Orten auf der Welt mit anderen zusammenzuarbeiten und dort auszustellen. Um nur einige zu nennen: Ich wurde von EDLO Art Space in Chiapas eingeladen, an einem gemeinschaftlichen Kunstprojekt mit dem Titel Zapantera Negra mitzuarbeiten; in Australien arbeitete ich mit einem Aboriginal-Künstler zusammen; in Neuseeland mit einem Maori-Künstler. Ich war in Portugal, im Libanon, in Kolumbien und Kuba, wo ich im April 2016 beim Havana Poster Festival ausstellte. Davor war ich Teil einer Delegation, die für zwölf Tage nach Palästina reiste. Es gibt ein großes Interesse an Retrospektiven meiner Kunstwerken aus den 1960er und 70er Jahren, die ich als Mitglied der Black Panther Party gemacht habe, und ich gebe viele Vorträge zum geschichtlichen Hintergrund dieser Phase meines künstlerischen Schaffens.

Vor ein paar Monaten bin ich nach Tansania gereist, wo die früheren Panther Schwester Charlotte und Brother Pete O’Neal seit den 1960er Jahren leben. Schwester Charlotte kommt mehrmals im Jahr in die USA. Sie haben eine Jugend- und Community-Organisation gegründet, die sich United African Alliance Community Center (UAACC) nennt und im Dorf Imbaseni in der Nähe der nordtansanischen Stadt Arusha angesiedelt ist. Dort veranstalten sie jetzt ähnliche Community-Programme, wie wir sie in 1960er und 70er Jahren mit der Black Panther Party durchgeführt haben.

Bei meinen Reisen in Zusammenhang mit Kunst war meine Intention immer, über Grenzen hinweg solidarisch zu sein mit den Anstrengungen, die andere Menschen für eine verbesserte Lebensqualität unternehmen. Für mich geht es nicht darum, dort hinzureisen, um ihnen irgendwas zu erzählen, sondern sowohl etwas zu lernen, zu erfahren und zu teilen als auch die Gemeinsamkeiten unserer Kämpfe zu erkennen. Letztendlich ist die Realität, dass überall extreme Ausbeutung passiert. Die ersten Einwohner_innen und Ureinwohner_innen sind am stärksten betroffen von Arbeitslosigkeit, Inhaftierung, Gesundheitsproblemen, Mangel an hochwertiger Bildung, Gentrifizierung, Ausbeutung ihres Landes für Rohstoffe – all das sind grenzüberschreitende Gemeinsamkeiten. Wenn ich heute an unterschiedliche Orte reise, dann bin ich von dem anhaltenden Kampf um Selbstbestimmung beseelt.

Ich denke manchmal, dass darum die Inhalte der künstlerischen Arbeiten, die ich gemacht habe und weiterhin schaffe, in vielerlei Hinsicht bei Menschen über Grenzen hinweg ein Echo findet. Die Menschen können in den Kunstwerken immer wieder einige derselben grundlegenden Menschenrechtsthemen erkennen und sie merken in ihren kollektiven Realitäten, dass man diesen etwas entgegensetzen muss.

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Interview von Aïcha Diallo

 

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