Schreiben in Lagos

Soft Culture und das Schreiben von Heute

Die Autoren Bim Adewunmi, Obidike Okafor und Tolu Ogunlesi beim C&-Workshop zum Thema Critical Writing in Lagos.

At the critical writing workshop in Lagos with Bim Adewunmi, 2015. Photo: Aderimi Adegbite

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Eine der grundlegenden Anliegen von C& ist die Zusammenarbeit mit jungen KritikerInnen von Nairobi bis New York und Luanda bis Lyon in einem wirklich internationalen Netzwerk. Während des ersten C&-Workshops zum Thema Critical  Writing in Lagos haben wir uns mit den LeiterInnen des Workshops Bim Adewunmi, Obidike Okafor und Tolu Ogunlesi zusammengesetzt, um uns mit ihnen über ihre persönlichen Einflüsse, die neuen Medien und die Idee der Zusammenarbeit zu unterhalten.

 

C&: Bitte erzählt uns ein bisschen über Euren Hintergrund als JournalistInnen und AutorInnen. Wie hat bei Euch diese Reise begonnen?

Bim Adewunmi: Ich wollte an der Bournemouth University Multimedia-Journalismus studieren und habe dann dort die Ausbildung für Print- und Onlinemedien, Video und Radio absolviert. Während meiner Zeit an der Universität schrieb ich gleichzeitig auch für BBC Radio. Heute liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit jedoch im Printbereich. Ich mache auch heute noch ab und zu mal einen Beitrag für das Radio, aber jetzt, wo ich Kulturredakteurin bei Buzzfeed bin, arbeite ich vor allem im Print- und Onlinebereich.

Obidike Okafor: Ich habe Journalismus nicht auf die klassische Art studiert, sondern wurde von Dele Olojede ausgebildet, dem ersten in Afrika geborenen Preisträger des Pulitzer-Preises. Olojede war meine erste Inspiration. Bei ihm habe ich mein journalistisches Handwerk gelernt, als ich in Lagos in der Zeitung Next (die es heute nicht mehr gibt) meinen ersten Job bekam. In dieser Zeit habe ich alles vom Besten gelernt.

Tolu Ogunlesi: Meine Reise als Journalistin begann am Ende einer Reise, die ich als Dichter angetreten war. Ich sah mich selbst anfangs als Poet. Ich fing irgendwann an, Fiction zu schreiben und wechselte erst später zum Journalismus. Ich hatte keinen Masterplan, aber irgendwie war ich immer in Bewegung. Ich begann anfangs mit einem Vollzeitjob und schrieb Poetry, Fiction und Kommentare. Dann bekam ich die Chance, bei Next zu arbeiten.

 

Obidike Okafor. Photo: Aderimi Adegbite

Obidike Okafor. Photo: Aderimi Adegbite

C&: Und wie und warum wurdet Ihr dann KulturjournalistInnen?

BA: Bei mir ist es einfach das, was mich interessiert. Das Fernsehen steht im Mittelpunkt einiger meiner frühesten Kindheitserinnerungen. In vielerlei Hinsicht war das Fernsehen wie ein zweites Paar Eltern für mich. Mit dem Radio war es genauso; in unserem Haus, wo wir gewohnt haben, war immer das Radio an. Von daher hatte ich bereits ein Interesse an Ideen aus der so genannten Unterhaltungs- oder Massenkultur. Und meine Eltern ließen uns wirklich viel lesen und schreiben. Ich hatte immer großes Interesse am Lesen und Schreiben, schon als ich sehr jung war. Wenn ich zurückblicke, scheint es mir fast offensichtlich, dass dieser Berufsweg schon für mich vorgezeichnet war, ohne dass ich es wusste.

OO: Ich habe schon immer Sachen gemacht, die etwas mit Kultur zu tun haben, schon seit ich zehn Jahre alt war. Erst habe ich gezeichnet und Gedichte geschrieben. Als ich in der Sekundarschule war, sang ich in einem Chor. In der Universität ging war ich dann in einer Theatergruppe. Ich wollte über Kultur schreiben, weil ich eine Art Basiswissen und etwas Erfahrung mit all diesen Dingen habe. Mein Vater schrieb selbst gerne, daher gab er auch mir immer etwas, worüber ich schreiben sollte.

TO: Ich wuchs in einer Welt voller Zeitungen und Bücher auf. Mein ganzes Leben lang bekamen wir täglich mindestens eine Zeitung. Das hatte einen großen Einfluss auf mich.

Tolu Ogunlesi. Photo: Aderimi Adegbite

Tolu Ogunlesi. Photo: Aderimi Adegbite

C&: Wie seht Ihr Eure Aufgabe als JournalistInnen? 

BA: Ich glaube es stimmt, dass viele JournalistInnen und AutorInnen ein etwas größeres Ego haben. Wir denken oft, dass wir etwas Wichtiges zu sagen haben. Das ist wohl auch mit ein Grund, warum ich schreibe. Ich mag den Gedanken, etwa zu durchschauen und mit Dingen in Verbindung zu bringen, die in der Vergangenheit stattgefunden haben, oder mir vorzustellen, was in der Zukunft geschehen könnte. Wenn ich schreibe, ist es daher immer mein Ziel, meine LeserInnen zu unterhalten und zu informieren.

C&: Wie war das bei dem Critical Writing Workshop in Lagos, denn C& ins Leben gerufen hat, wie habt Ihr da mit den TeilnehmerInnen gearbeitet?

BA: Das Wichtigste, was mir in diesem Workshop begegnet ist, war der Kooperationsgedanke. Denn auch wenn wir eigentlich da waren, um den Workshop zu leiten, waren wir ja doch alle KulturjournalistInnen. Wir haben alle unterschiedliche Plattformen und unterschiedliche Kanäle, für die wir schreiben. Aber ich sehe meine Rolle eher darin, eine andere Perspektive einzubringen, nicht unbedingt ein bessere, aber eine andere. Wir arbeiten im Grunde alle auf die gleichen Ziele hin. Ich würde sagen, ich war ich in einem Raum mit lauter Gleichgesinnten, die auf Augenhöhe versuchen, voneinander die besten Praktiken zu lernen.

TO: Für mich war es gleichzeitig eine Lern- und eine Lehrerfahrung. Ich habe viel gelernt, indem ich zum Beispiel einfach nur zugehört habe, was die Leute über den Arbeitsalltag in den Zeitungsredaktionen in Nigeria erzählten. Es war gut zu hören, mit welchen Herausforderungen die Leute konkret zu tun haben.

OO: Für mich war die gesamte Erfahrung sehr beeindruckend. Das Wichtigste, was ich den TeilnehmerInnen mitgegeben habe, war, dass es darauf ankommt, immer danach zu streben, sich weiter zu entwickeln.

C&: Wie ist es mit den neuen Medien, wie seid Ihr in der digitalen Welt unterwegs? 

BA: Die neuen Medien sind nichts anderes als die alten Medien mit einem neuen Gesicht; wir veröffentlichen im Wesentlichen die gleichen Geschichten. Was sich verändert, ist das Format. Und was hinzugekommen ist, ist ein neues Maß an Engagement, das es früher so nicht gab. Interessant sind etwa auch die Social Media, die man insbesondere in der Recherche und als Informationsquelle nutzen kann.

OO: Mit der Weiterentwicklung der neuen Medien kommen aber auch eine Menge ganz neuer Elemente auf. Ich habe vor kurzem etwa an einem Workshop zum Thema Infografik teilgenommen. Da wurde mir klar, dass es sinnvoller sein kann, Daten in Form von visuellen Bildern darzustellen als sie in Worten auszudrücken, und das ist die Richtung, in die ich mich jetzt bewege. Oder es gibt jetzt zum Beispiel auch den “mobilen Journalismus”, da lernst du, wie du mit deinem Mobiltelefon journalistisch arbeiten kannst. Und dir wird klar, dass all diese neuen Dinge im Kommen sind und neue hinzukommen. Wenn du da nicht versuchst, up to date zu bleiben, bleibst du zurück.

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Ein Gespräch von Aïcha Diallo

 

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