The Molue Mobile Museum of Contemporary Art

“Wann kommt Ihr wieder zu uns in die Straße?”

Obidike Okafor im Gespräch mit Emeka Udema, Künstler und Initiator des Molue Mobile Musuem of Contemporary Art in Lagos.

The MMMoCA. Photo: Goethe Institut Nigeria (courtesy of Emeka Udemba)

By Obidike Okafor
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Obidike Okafor: Erzählen Sie uns etwas über das Konzept des Molue Mobile Museum of Contemporary Art (MMMoCA).

Emeka Udemba: Das MMMoCA in Lagos ist im Grunde ein Versuch, kritische zeitgenössische Kunstpraktiken, Erfahrungen und Gemeinschaftsproduktionen im Umfeld der nigerianische Kunst in einem inklusiven, allen zugänglichen sozialen Raum zu erforschen und zu positionieren. In Anbetracht der rapiden sozio-ökonomischen Veränderungen in einer ganzen Reihe afrikanischer Großstädte bietet der Molue Commuter Bus ein eloquentes Narrativ für die komplexen Realitäten des post-kolonialen Urbanismus in Afrika.

OO: Brauchen mehr afrikanische Städte neue Museen für zeitgenössische Kunst? Steht womöglich auch dieser Gedanke hinter Ihrem Projekt?

EU: Zweifelsohne brauchen die afrikanischen Städte mehr Museen für zeitgenössische Kunst. Die Frage, die wir uns meiner Meinung nach aber stellen müssen ist: Welche Art von Museen für zeitgenössische Kunst benötigen wir im afrikanischen Kontext? Brauchen wir Museen, die das eurozentrische Modell lediglich kopieren, oder müssen wir das gesamte Konzept von Museum auf der Grundlage unserer eigenen Kultur und Realität radikal neu denken? Das MMMoCA ist mit Sicherheit eine Stimme in diesem Diskurs. 

OO: Wie war das Feedback bislang?

EU: Das bewegendste Feedback kam von einfachen Leuten in einigen der ärmeren Communities, in denen das MMMoCA Halt machte. Besonders die in den Bus integrierte kleine Bibliothek mit Kunstbüchern und Ausstellungskatalogen weckte das Interesse von Kindern und Jugendlichen. Obwohl viele von ihnen nicht lesen können, saßen sie oft stundenlang einfach nur im Museumsbus und erforschten voller Neugier die Bilder in den Katalogen. Die Frage, die diese Kids uns oftmals stellten, lautete: Wann kommt Ihr wieder zu uns in die Straße?

OO: Die Eröffnungsausstellung des MMMoCA hieß “Witness”.

EU: In dieser Ausstellung wurden mittels bewegter Bilder und Gemälde bestehende Vorurteile und Stereotype in der Megacity von Lagos erforscht, es ging darum, uns zu vergegenwärtigen, dass Orte aus einer Mischung von Projektion und physischem Raum entstehen. Die Ausstellung wurde begleitet von einer Reihe von Gesprächen zur Frage der Interpretation und Repräsentation von Formen und Bildern, die in der Semiotik der öffentlichen Kunst verwurzelt sind.

OO: Gibt es Pläne, mit dem Museumsbus auch andere Gebiete in Westafrika zu erreichen?

EU: Die Aktivitäten des MMMoCA waren bisher auf die Metropolregion Lagos konzentriert. Wir haben diverse Präsentationen und Diskussionen veranstaltet, in einigen Communities auch auf öffentlichen Plätzen und Wegen. Aber wir planen derzeit in Zusammenarbeit mit unseren Partnern weitere Aktivitäten und Projekte in der ganzen westafrikanischen Region. So wird das MMMoCA zum Beispiel mit einigen KünstlerInnen aus Deutschland und Nigeria im November dieses Jahres zum Carrefour des Arts Plastiques in Ouagadougou nach Burkina Faso reisen. Außerdem suche ich gerade nach Möglichkeiten, in Deutschland eine Wanderausstellung mit dem Titel “Exchanging Space” zu realisieren. In diesem Projekt würden dann Gruppen- und Einzel-Arbeiten von jungen Video- und PerformancekünstlerInnen aus Nigeria und Deutschland präsentiert werden.

OO: Was geschieht mit dem Molue Mobile Museum of Contemporary Art nach dem Ende des Projekts? Wird es irgendwo ausgestellt oder wieder zusammengepackt?

EU: Der Erfolg des MMMoCA hat gezeigt, wie wichtig es ist, die Gemeinschaften in das kulturelle Leben der Gesellschaft einzubeziehen. Museen haben generell die wichtige Aufgabe, den Einzelnen zu ermöglichen, positive persönliche Erfahrungen zu machen, gleichzeitig haben sie einen Integrations- und Bildungsauftrag gegenüber den Communities. Ich glaube, dass sich das MMMoCA als unabhängiger Kunstraum in Lagos auf Dauer etablieren wird. Ich habe im Übrigen die Absicht, noch mehr ausrangierte Molue Pendler-Busse zu zusätzlichen, eigenständigen Museums-Modulen umzubauen, und somit das Netzwerkprojekt Molue Mobile Museum of Contemporary Art dauerhaft um weitere feste Bestandteile zu ergänzen. Wir suchen derzeit noch Sponsoren zur Finanzierung der einzelnen Module dieses Museums.

OO: Sind alternative Projekte wie Ihr mobiles Museum besonders erfolgreich darin, den Menschen den Zugang zur zeitgenössischen Kunst zu erleichtern?

EU:  Für die meisten Leute ist die Welt der zeitgenössischen Kunst ein geheimnisvolles Revier, das den Eliten und Reichen vorbehalten ist. Kann die zeitgenössische Kunst etwas zur Auseinandersetzung mit den wichtigen Fragen des Lebens beitragen, die für alle Menschen von Bedeutung oder relevant sind? Wenn alle Einrichtungen, die Veranstaltungen zur zeitgenössischen Kunst anbieten, in den Nobelvierteln unserer Städte angesiedelt sind, trägt dies sicherlich nicht dazu bei, die zu beobachtende Entfremdung der Bevölkerung von der zeitgenössischen Kunst abzubauen. Ich glaube, das MMMoCA ist gerade und vor allen Dingen deswegen so erfolgreich, weil es in der Lage (und beweglich genug) ist, eine Verbindung zu Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten herzustellen.

 

Emeka Udemba, geboren 1968, lebt und arbeitet in Lagos, Nigeria, und in Freiburg, Deutschland. In seiner künstlerischen Arbeit und in seinen Projekten beschäftigt sich Udemba mit den Räumen, die wir bewohnen und deren Einfluss auf unsere Gedankenwelten und Identitäten.

Obidike Okafor, Content Consultant, freier Kunstjournalist und Dokumentarfilmer, lebt in Lagos, Nigeria.

 

 

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