Inside the Library

Contemporary Image Collective, Kairo

The library at the Contemporary Image Collective (CIC) in Cairo. © Mohamed El Maymouny
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Shuruq Harb – The Keeper (2011)

Dieses Künstlerbuch in limitierter Auflage, erhältlich in arabischer oder englischer Sprache mit unterschiedlichen Einbänden, erzählt von der Begegnung der Künstlerin mit Mustafa, einem jungen Straßenhändler in der Innenstadt von Ramallah. Mustafa, dessen Familie schon immer mit Fotografien gearbeitet hat und Bilder aus China, dem Libanon und Syrien nach Palästina bringt, lädt sich Bilder aus dem Internet herunter und verkauft sie. Das Buch stellt die Bilder zusammen, die Mustafa aus seiner Arbeit in den letzten sechs Jahren übrig geblieben sind und schaut auf wichtige Momente in der populären und politischen Geschichte Palästinas zurück. Zwischen den Seiten von jeder Ausgabe steckt eine von Mustafas originalen Bildern. Die bildende Künstlerin und Autorin Shuruq Harb lebt und arbeitet in Ramallah, Palästina.

 

Susan Sontag – On Photography (2008)
Eine Übersetzung ins Arabische von Afaf Abdelmoaty von Susan Sontags klassischer Essaysammlung über Politik und Fotografie aus dem Jahr 1977.

 

Die Kunst der Magazinierung

Rufoof, was auf Arabisch so viel heißt wie „Magazinierung“, ist ein vor Kurzem vom Contemporary Image Collective (CIC) in Kairo initiiertes Bibliothekskatalog-System. Ziel ist es, einen großen, umfassenden Online-Katalog mit Büchern der lokalen Kunstbibliotheken zu erstellen. Die ersten 4000  Publikationen sind bereits katalogisiert, und seit dem 21.  Mai ist die Plattform im Internet abrufbar.

Der Lesesaal des Contemporary Image Collective ist niemals leer. Immer sitzt dort jemand und arbeitet, oder es finden Workshops oder Gesprächsrunden statt. Die ehemalige künstlerische Leiterin des CIC, Mia Jankowicz, nannte dies den „Traum einer jeden Kunstinstitution: Menschen, die lesen und diskutieren.“ Mit Jankowicz gesprochen habe ich während ihrer letzten aktiven Wochen im CIC, das die letzten Etappen der Entwicklung von Rufoof nach ihrem Ausscheiden vollendete.

Als Jankowicz zum CIC kam, befand sich die kleine Buchsammlung in einem abgeschlossenen Raum  – obwohl es damals in Ägypten fast keinen öffentlichen Zugang zu guten zeitgenössischen Kunstbüchern gab. Drei Jahre später bilden Bibliothek und Leseraum das Herzstück der neuen Räume des CIC in der Kairoer Innenstadt. Und: Das CIC hat ein integriertes Bibliothekssystem ins Leben gerufen, mit dem die Kunstbibliotheken der Umgebung einen gemeinsamen Online-Katalog erstellen können. Das System heißt Rufoof, das arabische Wort für „Magazinierung“. Bislang wurden die Sammlungen des CIC und der Townhouse Gallery katalogisiert, die zusammen ca. 4000  Kunstbücher, Videos und Ephemera umfassen.

Das Projekt wird vom British Council finanziert, die Software wurde als Open Source mit kostenloser Beratung von der gemeinnützigen, in Kairo ansässigen Arab Digital Expression Foundation entwickelt, einem Netzwerk aus Künstlern, Erziehern, Technikfreaks und Fachleuten, die sich zusammengefunden haben, um jungen Arabern Unterstützung und Mentoring anzubieten. Nach Eingabe eines Suchwortes wie „Fotografie“ werden Hunderte von Büchern angezeigt, von der arabischen Übersetzung von Susan Sontags „On Photography“ bis hin zum wunderbaren „Memory Game“ der Arab Image Foundation. Das benutzerfreundliche System soll die Menschen in Ägypten dazu anregen, sich mehr mit Kunstbüchern zu beschäftigen. Zudem können Organisationen über Rufoof ihre Bestände verwalten und Neubestellungen durchführen. Das CIC habe jetzt bessere Argumente für Buchspenden, sagt Jankowicz, und die gestiegene Spendenbereitschaft der Menschen trage dazu bei, Lücken zu schließen, wenn beispielsweise eine Galerie wichtige Werke aufgrund der horrenden Kosten nicht anschaffen kann.

Damit andere Bibliotheken dem System möglichst einfach beitreten können, stellt ihnen das CIC ein Dokument zur Erstellung von Signaturen, eine Zeitschätzung, fachliche Beratung und ehrenamtliche Hilfe zur Verfügung. Der neue Kunst- und Ausstellungsraum Beirut von Sarah Rifky, Jens Maier-Rothe und Antonia Alampi befindet sich in unmittelbarer Nähe, und auch die Amerikanische Universität Kairo hat ihr Interesse bekundet. Langfristiges Ziel des CIC ist es jedoch, alle wichtigen Sammlungen Ägyptens im Kunstbereich zu versammeln. „Es gibt keinen Grund, warum nicht alle Kataloge verzeichnet sein sollten. Ich finde, die Bücher sollten als eine gemeinsame Ressource angesehen werden“, erklärt Jankowicz, die ihre Idee 2010 erstmals in den Raum gestellt hatte. „Aus der Perspektive von jemandem, der einen Ort für die Kunst betreibt, ist die Frage, ob unsere Strukturen künstlerisch relevant sind, mindestens ebenso wichtig wie die eigentlichen Inhalte, die wir vertreten.“

Mit besonderer Genugtuung erinnert sich Jankowicz daran, wie es Rufoof gelang, Geldmittel vom British Council einzuholen, nachdem das CIC dessen ehemalige Bibliothekarin Cathy Costain als Leiterin des Kunstprogramms angeworben hatte. „ADEF hatte eine Ausschreibung veröffentlicht, um digitale Projekte zu fördern. Da dachte ich mir: ‚Super! Technische Hilfe und Geld.‘ Die Gelegenheit konnte ich mir nicht nehmen lassen.“ Derzeit sind in Rufoof Titel, Autor, Standort, Format und Signatur verzeichnet, bei einigen Titeln auch weiterführende Informationen. In Zukunft sollen möglichst für alle Bücher bis zu fünf Stichwörter sowie das Thema des Werkes aufgeführt werden. Im Gespräch stellte Jankowicz außerdem heraus, dass sie unbedingt die Gestaltung der bis dato ziemlich schlichten Benutzeroberfläche verbessern wolle.

„Erstmal hast du eigentlich schon keine Lust, dich in eine solche, etwas befremdliche Kunstinstitution zu begeben. Da muss man schon sehr motiviert sein. Insofern muss das System so einfach wie möglich sein“, sagt Jankowicz. „Sobald es irgendwie kompliziert aussieht, schrecken die Leute davor zurück.“ Die Finanzierung umfasst Personal, Buchkäufe und Workshops, die beispielsweise von dem Künstler Shuruq Harb oder dem Fotografen Ronnie Close geleitet wurden  – letzterer Workshop hat sich mittlerweile zu einer Lesegruppe ausgewachsen, die sich seit über sechs Monaten regelmäßig in der Bibliothek trifft. Ganz nach Jankowicz’ Maxime, dass kostenlose Gesprächsangebote in der Bibliothek und dem CIC einen großen Zugewinn bedeuteten. Ein Anteil des Geldes, der für Neuanschaffungen vorgesehen ist, geht direkt in die Lesematerialien der Workshops. „Einer der größten Vorwürfe, die dem CIC gemacht werden, ist, dass es nicht genug auf die Bedürfnisse der Gemeinde eingehe. Unser erstes Zielpublikum sind die Künstler, und unsere Dienstleistungen sollen in erster Linie Künstlern dienen. Da sind wir sehr klar in unserer Ausrichtung. Aber ich denke, dass wir auch auf diese Kritik antworten können“, so Jankowicz. „Wir bieten der Gemeinde vor allem eine Infrastruktur. Wir sind nicht dafür zuständig, mittels künstlerischer Produktion einen bestimmten Geschmack oder Stil zu bedienen.“

 

 

Mia Jankowicz hat mittlerweile ihre Stelle als künstlerische Leiterin des Contemporary Image Collective aufgegeben, um als freiberufliche Autorin und Kuratorin zu arbeiten.

 

Jenifer Evans ist Künstlerin, Autorin ind Co – Initiatorin von Nile Sunset Annex, Cairo.

 

 

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